Die Helden einer Revolution sind immer die mutigen Menschen vor Ort. Srdja Popovic

Es kann keine privilegierte Partnerschaft ohne Privilegien geben

Die Türkei gewinnt an Bedeutung und bereits heute ist das Land die Verbindung der EU zur islamischen Welt. Zwar muss ein möglicher Beitritt an die aufgestellten Kriterien gebunden sein, doch das sind Maßstäbe, die sich auch andere Mitgliedsstaaten gefallen lassen müssen.

Ob die Türkei demnächst ein vollwertiges Mitglied der Europäischen Union wird, hängt davon ab, ob es die Kriterien erfüllen kann. Darüber haben wir uns in den vergangenen Monaten in verschieden Hauptstädten verständigt. Dabei wurde wieder einmal klar, dass die Perspektiven in den verschiedenen EU-Ländern sehr unterschiedlich sind. Doch das Problem mit der “privilegierten Partnerschaft”, die die CDU anbietet, ist, dass sie keine Privilegien anbietet. Die Türken fangen an, das zu begreifen.

Die Türkei ist bereits jetzt die Verbindung des Westens zur islamischen Welt. Das Land wird weiter an Bedeutung gewinnen. Das liegt zum einen an der Wirtschaftskrise und zum anderen an der Entwicklung in der Region. Wenn wir die Türkei noch stärker in den Integrationsprozess einbinden würden, kann dieses Land einiges leisten, wie die Regierung mit den Einsätzen in Bosnien und im Kosovo bewiesen hat.

Kein Land ist bei Aufnahme perfekt

Bei alldem darf aber nicht vergessen werden, dass es auch noch viel zu tun gibt. Wir wissen alle, dass die religiösen Minderheiten sehr klein gehalten werden und beispielsweise Probleme haben, eine gute Ausbildung zu bekommen. An diesen Dingen muss die Türkei arbeiten, aber das tut das Land auch. Ich hoffe sehr, dass sich die Situation verbessert. Dennoch wird es einige Jahre brauchen, bis die Türkei die Voraussetzungen eines EU-Beitritts erfüllt.

Im Zuge dieser Entwicklung müssen wir behutsam vorgehen, um unsere europäische Perspektive nicht zu verlieren. Wir hatten einen ziemlich rasanten Erweiterungsprozess und es muss auch klar sein, dass es nicht heißt, man sei als Land perfekt, wenn man sich für eine EU-Mitgliedschaft qualifiziert hat. Es gibt auch in anderen Ländern Probleme mit Minderheiten, nehmen Sie beispielsweise die Roma. Man sieht, die Probleme wiederholen sich. Das ist aber keine Entschuldigung für die Türkei, nicht an ihnen zu arbeiten.

Das Militär gehört in die Kaserne

Es ist sehr wichtig, dass in allen Ländern das Militär dort bleiben sollte, wo es hingehört, nämlich in den Kasernen. Die Zivilbevölkerung muss die Führungsrolle behalten. Wenn wir uns die türkische Geschichte anschauen, sind wir uns alle der Rolle des Militärs bewusst und dass es immer noch Spannungen gibt. Lassen Sie uns verfolgen, wie sich die Regierung entwickelt und ob sie weiterhin sensibel für die Problematik bleibt.

Ich glaube, Europa ist ein auf festen Werten beruhender Staatenverbund – aber welche Werte sind denn das? Wir müssen diese Frage diskutieren und schauen, wie sie in den einzelnen Ländern umgesetzt werden. Das gilt auch für die Türkei. Am Ende des Tages muss aber jedes Land diesen demokratischen Werten genügen.

Leserbriefe

Aus der Debatte

EU-Beitritt der Türkei

Die Türkei und die EU

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Die europäisch-türkischen Beziehungen sind aufseiten der EU geprägt von Irrationalität und Kurzsicht. Dies ist das wahre Hindernis auf dem Weg zu einem türkischen EU-Beitritt - nicht die dort regierende AKP.

Semih_idiz
von Semih Dündar İdiz
21.10.2011

Europa, wir kommen!

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Die EU ist kein christlicher Club. Auch für ein muslimisches Land muss Platz sein in der Staatengemeinschaft. Eine integrierte Türkei kann zum Stabilitätsgaranten i weiter...

Mutlu03
von Özcan Mutlu
04.02.2011

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B_hme
von Christian Böhme
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Mehr zum Thema: Eu-beitritt, Tuerkei, Islam

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Die Türken hassen den Kompromiss - das Land strotzt derzeit vor Innovationskraft und Deutschland könnte an dieser Entwicklung teilhaben, denn in der Euro-Krise liegt auch eine Chance. weiterlesen

Michaelmeier
von Michael Maier
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Der starke Mann von Ankara hat die Wahlen gewonnen. Erdogan regiert ein boomendes Land: Die Wirtschaft wächst, das Land ist zum regionalen Knotenpunkt geworden – die Türkei ist das Gegenbild zur kr... weiterlesen

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