Joachim Gauck passt kaum in eine Schublade. Angela Merkel

„Deutschland verdummt durch die DDR“

Martin Sonneborn, ehemaliger Chefredakteur des Satire-Magazins Titanic, bekräftigt seine Forderung nach dem Wiederaufbau der Mauer. Denn eigentlich sind es nicht die arabischen oder muslimischen Migranten, die die deutsche Intelligenz langsam schrumpfen lassen, sondern die ehemaligen Ost-Bürger. Und schlecht Deutsch sprechen sie auch noch. Das Interview führte Florian Guckelsberger.

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The European: Herr Sonneborn, Sie haben Satire einmal als “ästhetisch abgefederte Aggression” bezeichnet. Was regt Sie denn 20 Jahre nach der Wiedervereinigung so auf, dass es eines Buches bedarf?
Sonneborn: Ich bedanke mich für diese Frage, ich hätte das Thema ansonsten zweifellos selbst angesprochen. Wir von Titanic bearbeiten dieses Thema, also die Deutsche Zweiheit, seit mehr als 20 Jahren. Fünf Minuten nach dem Mauerfall stand im Impressum: “Die endgültige Teilung Deutschlands, das ist unser Auftrag” und an diesem Auftrag arbeiten wir uns seitdem mit viel Freude, mit viel Spaß ab. Wir haben gemerkt, dass in diesem Thema einfach unglaublich viel steckt. Zuerst sind wir aus Prinzip dagegen gewesen – es gibt einen Leitspruch der Neuen Frankfurter Schule: “Klares Ja zum Nein.” Und wenn plötzlich alle besinnungslos jubeln, dann muss man dem etwas entgegensetzen. Wir konnten unglaublich lustige Späße auf Kosten einer Minderheit machen, die sich nicht wehren konnte und die in unglaublicher Brachialität über den Tisch gezogen wurde.

Bei Titanic sprechen wir übrigens auch nicht von den fünf “neuen” Bundesländern, es sind doch gebrauchte, ziemlich marode Bundesländer, die wir uns da eingehandelt haben. Solange das Interesse an Häme der DDR und ihren Bürgern gegenüber nicht nachlässt und solange sich das in politische Wahlerfolge ummünzen lässt, wird sich auch DIE PARTEI, der politische Arm des Faktenmagazins Titanic, diesem Thema widmen.

“Die neue Mauer garantiert den Westdeutschen, dass ihre Gelder ab sofort im Westen verbleiben”

The European: So grau und trist die ehemalige DDR in Ihrem neuen Buch “Heimatkunde” erscheint, könnte man meinen, Sie wollen die Mauer einzig und allein als Sichtschutz wieder aufgebaut haben …
Sonneborn: Sichtschutz ist sicher ein ganz wichtiges Motiv, aber es muss natürlich auch Lärmschutz und vor allem auch Geldschutz bedeuten. Die neue Mauer, das ist das Hauptargument der PARTEI, garantiert den Westdeutschen, dass ihre Gelder, die jahrzehntelang in den Osten rübergeschaufelt wurden, ab sofort im Westen verbleiben.

The European: Seit dem großen Streit um Stuttgart 21 klagen die großen deutschen Baukonzerne, es sei kaum noch möglich, Großprojekte in Deutschland umzusetzen. Wenn man Ihre Forderung nach dem Wiederaufbau der Mauer als Konjunkturprogramm versteht, was für Projekte wären denn noch denkbar?
Sonneborn: Ich möchte an dieser Stelle mein Ehrenwort geben, dass der Wiederaufbau der Mauer ein Großprojekt sein wird, an dem sich zahlreiche große deutsche Bau- und Wirtschaftsunternehmen gesundstoßen können. Ich sage das ganz deutlich, damit diese Unternehmen jetzt auch als Geldgeber an uns herantreten. Wir haben eigentlich erwartet, dass sich die Groß- und Stromindustrie an uns heranschmeißt ähnlich wie an Hitler seinerzeit. Aber bisher vergeblich.

Auch im Fall von Stuttgart 21 haben wir eine Vision: Wir sind gegen Stuttgart 21 und für das Projekt Stuttgart 45. Wie diese Vision aussieht, können Sie sich von ihrem Vater oder Großvater einmal schildern lassen. Wir wissen, dass es dafür außerhalb Stuttgarts unglaublich viele Sympathien gibt. Und bei diesem Projekt würde es auch nicht zu derart querulatorischen, pseudodemokratischen Theaterrevolutionen eines saturierten Bürgertums kommen.

“Deutschland verdummt durch die DDR

The European: Satire funktioniert nur, wenn sie als solche verstanden wird. Wie oft melden sich denn bei Ihnen Menschen, die die Mauer gern wieder aufgebaut sehen würden?
Sonneborn: Seitdem wir diesen populistischen und schmierigen Programmpunkt vertreten, haben wir viel Resonanz bekommen. Von Bremer Bauunternehmern bis zu Bürgern aus den ruinierten westdeutschen Randgebieten. Natürlich muss Satire verstanden werden. Ein kurzer Schlenker sei erlaubt: Thilo Sarrazin hat Teile seines Buchs “Deutschland schafft sich ab” in einer Talkshow als Satire bezeichnet. Dem muss ich widersprechen! Was der Mann da treibt, ist natürlich keine Satire. Im Grunde genommen hat der Mann nämlich recht. Natürlich verarmt Deutschland durch Migranten. Aber es sind nicht die türkischen und arabischen Migranten, die wir zu fürchten haben, sondern es sind die Migranten aus dem nahen Osten, aus der DDR. Es gibt dort eine Parallelgesellschaft, die überwiegend von Transfergeldern lebt und die schlecht Deutsch spricht (Sachsen). Und Deutschland verdummt auch durch die DDR. Um mit Heiner Müller zu argumentieren: Natürlich sind 80 Millionen Deutsche dümmer als 60 Millionen.

The European: Können Sie sich denn vorstellen, Herrn Sarrazin in Ihre Partei einzuladen?
Sonneborn: Ja. Sobald die SPD dieses lustige, unwürdige Prozedere abgeschlossen und Herrn Sarrazin ausgeschlossen hat, werden wir ihm ein Angebot machen, das er nicht ausschlagen kann.

The European: Jetzt haben Sie in Ihren journalistischen, publizistischen Arbeiten immer wieder den Begriff der Heimat bearbeitet. Wie ist sie denn, unsere Heimat?
Sonneborn: Heimat ist ein Begriff aus dem rechten Spektrum, der einen guten Klang hat. Da es links und rechts der PARTEI nichts geben darf und wird, fischen wir natürlich auch am rechten Rand und besetzen solche Begriffe. Heimat bedeutet für mich Heimat in den Grenzen von 1989.

The European: Sie haben einmal gemutmaßt, dass nur ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung wirklich politisch mündig sei. Fühlen Sie sich angesichts der von Thilo Sarrazin kontrovers angestoßenen Debatte in Ihrem Befund bestätigt?
Sonneborn: Nachdem ich die erste Sarrazin-Lesung in Potsdam besucht habe, kann ich sagen, dass ich noch stärker desillusioniert wurde. Ich fand es überraschend, wie viele Kleinbürger da plötzlich eine große Lippe riskierten, als sie sahen, dass jemand mit Krawatte, Brille und Medienpräsenz ins gleiche Horn stößt. Aus diesem bizarren Vorgang können selbst wir noch Einiges lernen. Sarrazin führt vor, wie man mit wenig Inhalt populistisch und medienversiert an niedere Instinkte appelliert. Das funktioniert auch mit den relativ beschränkten intellektuellen Fähigkeiten eines Thilo Sarrazin.

The European: In Ihrer Partei DIE PARTEI gibt es neben Ihrem Amt, dem GröVoraZ, auch die Hintnerjugend. Titel, die eindeutig an den NS-Jargon angelehnt sind. Dazu ein Reichsparteitag in Nürnberg. Welchem Zweck dient diese Provokation?
Sonneborn: Das ist keine Provokation, unser Generalsekretär und Titanic-Layouter heißt nun mal Tom Hintner. Darüber hinaus buhlen wir ganz normal um Stimmen vom rechten Rand. Wir wollen von links und rechts gewählt werden, das sagen wir ganz offen. In Bayern haben wir zum Beispiel auch sehr offensiv mit Plakaten geworben, auf denen stand: “Wieder da! Die Partei” Eine Forsa-Umfrage hatte zuvor herausgefunden, dass die 74-jährigen Damen die Bundestagswahl 2005 entscheiden werden. Wir haben sofort reagiert und dieses Plakat gemacht, um die Instinkte der alten Krawallschachteln anzusprechen.

“Die Politik in Deutschland wird immer satirischer”

The European: Merkel, Westerwelle, Seehofer: Die Parteivorsitzenden der Koalition erhalten miserable Noten und viele Bürger haben das Gefühl, dass die größte Satire eigentlich in den Ausschüssen und in den Koalitionssitzungen stattfindet. Wird da der Titanic Konkurrenz gemacht?
Sonneborn: Eine sehr schöne Beobachtung. Die Politik in Deutschland wird immer satirischer, deswegen wird die Satire immer politischer.

The European: Angenommen, Sie wären für einen Tag Chefredakteur der BILD, welche Schlagzeile würden wir lesen?
Sonneborn: “Kai Diekmann: 9 Zentimeter sind genug!” Diekmann ist ja auch ein großer Satiriker, wir erfreuen uns gern an den Späßen, die er da treibt, und dem sollte man mal huldigen. Dem und seinem unglaublich kleinen Pimmel.

The European: Träumen Sie denn immer noch von einer humanistisch aufgeklärten Diktatur, und wenn ja, wie könnte diese aussehen?
Sonneborn: Ich bin ein überzeugter Demokrat. Ich glaube aber auch, dass die Demokratie ihre Fehler hat und eine humanistische Diktatur eigentlich viel sinnvoller wäre. Wir müssen nur einen großen Humanisten finden, der ungeachtet persönlicher Interessen und ohne Korruption dieses Land zu führen bereit wäre. Ich stehe selbstverständlich zur Verfügung. Nett, dass Sie gefragt haben!

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