Die Medienwelt befindet sich in einer gewaltigen Transformation. Das Internet zwingt bislang abgegrenzte Mediengattungen auf seiner überall verfügbaren, interaktiven Plattform zusammen. Dass ein solcher Prozess nicht reibungslos verläuft, versteht sich von selbst. Es geht um existenzielle Fragen der Zukunftsfähigkeit der etablierten Akteure. Überall suchen Medienmanager nach inhaltlichen Strategien für die neuen Verbreitungswege und nach neuen Geschäftsmodellen. Neue Akteure sind angetreten – Suchmaschinen, soziale Netzwerke – die den etablierten Anbietern das Wasser abgraben.
Altes neu erfinden
Auch der ökonomisch weitgehend unabhängige öffentlich-rechtliche Rundfunk ist betroffen. Das Publikum – zumal das jüngere – wendet sich den “Neuen Medien” zu und lässt die “alten” links liegen. Das Gebührenprivileg des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aber ist verbunden mit dem Auftrag, ein hochwertiges Angebot für alle zu machen. Deshalb stehen wir in der Verantwortung, unsere Inhalte auch unter den neuen Bedingungen des Internetzeitalters bereitzustellen. Auf das sich verändernde Verhalten unseres Publikums müssen wir reagieren.
Das ZDF hat früh mit der digitalen Transformation des Senders begonnen. Die ersten Schritte waren die Etablierung der digitalen Kanäle und die Erschließung des neuen Mediums Internet als einem zusätzlichen Verbreitungsweg. In den ersten zehn Jahren waren es überwiegend Text- und Grafikangebote, mit denen wir unsere Sendungen inhaltlich begleitet und vertieft haben.
Die Entwicklung der Breitband-Internetanschlüsse in den Privathaushalten hat das Netz in den letzten Jahren zu einer multimedialen Content-Plattform werden lassen. Wir sind wieder auf unserem ureigenen Terrain angelangt: dem bewegten Bild. Fernsehen unabhängig von Zeit und Ort – das ist eine der grandiosen Errungenschaften des digitalen Zeitalters. Sie verschafft den Zuschauern eine nie gekannte Souveränität. Mit der ZDFMediathek und den begleitenden Onlineangeboten erfüllen wir elementare Bedürfnisse unseres Publikums.
Wir litten bislang unter einer besonderen Einschränkung
Die umfassende Digitalisierung ist Herausforderung und Chance. Wir litten bislang unter einer besonderen Einschränkung. Alle anderen TV-Anbieter waren und sind in Programmfamilien organisiert, das heißt, sie verfügen über mehrere Kanäle, mit denen unterschiedliche Zielgruppen erreicht werden können. Das ZDF hatte dagegen nur ein einziges Programm. Kein Rundfunkunternehmen aber kann heute mit einem Kanal allein die Sehbedürfnisse des Gesamtpublikums bedienen.
Auch fehlte uns die Möglichkeit, neue Formate zu testen. Während RTL von der Experimentierfreudigkeit seines Familienmitglieds Vox vielfach profitiert hat und das Erste in seinen Dritten nach erfolgreichen Formaten Ausschau hält. Die zunehmende Verbreitung des digitalen TV-Empfangs in den deutschen Haushalten eröffnet uns jetzt endlich die Möglichkeit, die digitalen Kanäle, die bisher ein Schattendasein führten, auszubauen.
Der Start von ZDFneo Anfang November ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Wir werden dort Neues ausprobieren und können die zeitlichen wie inhaltlichen Sehgewohnheiten jüngerer Zuschauer besser bedienen als bisher. Der neue Kanal bietet ein hochwertiges, informatives und originelles Angebot aus dem Hause ZDF. Wir tun dies, um unseren Programmauftrag auch gegenüber einem jüngeren Publikum erfüllen zu können.





















