Ich werde der Präsident aller sein. François Hollande

Müder Messias

Von den Heilsversprechen ist wenig geblieben. Der weltweit mit enormem Kredit gestartete Präsident kann nicht ohne Weiteres auf seine Wiederwahl hoffen. Obama hat so etwas wie das FDP-Problem.

Im November stellt sich Barack Obama der Wiederwahl. Seine Präsidentschaft begann mit vielen Vorschusslorbeeren, die Euphorie wich rasch der Ernüchterung. Ob allgemeine Krankenversicherung, Überwindung der Wirtschaftskrise oder Guantanamo: „Yes, we can“ hat Fragezeichen hinzugewonnen.

Erinnern Sie sich an eine amerikanische TV-Serie namens „The West Wing“? Es ging um den Alltag des Stabes eines fiktiven US-Präsidenten Josiah „Jed“ Bartlet. Dieser Präsident, gespielt von Martin Sheen, war trotz seiner diversen menschlichen Sonderlichkeiten die Inkarnation eines zunächst politisch erfolglosen Überpräsidenten. Wirtschaftsprofessor, Ausbildung an Elite-Universitäten, sogar einen Nobelpreis (sic!) hatte dieser nach menschlichem Ermessen völlig unwahrscheinliche Charakter zu bieten. Wäre diese Serie nicht schon vor etwa zehn Jahren gedreht worden, man könnte sie auch für eine liebenswürdig verfremdete Persiflage auf den real existierenden Barack Obama halten.

So etwas wie das FDP-Problem

Obama ist weltweit mit enormem Kredit gestartet. Der prophylaktisch verliehene Friedensnobelpreis war nur das sichtbarste Zeichen – eines, das ihm selbst offenkundig peinlich war. Von den Heilsversprechen, die ihn umgaben, ist wenig geblieben. Selbst die vermeintlich einfachen Korrekturen, wie die Beendigung der Guantanamo-Inhaftierungen, sind weitgehend ausgeblieben. Außenpolitisch wie innenpolitisch erkennt man kaum seine Agenda aus dem Wahlkampf wieder. Vielleicht war sie von Anfang an unrealistisch – dann hätte er so etwas wie das FDP-Problem.

Jenseits aller sachlichen Schwierigkeiten, die eine wirtschaftlich strauchelnde Weltmacht bei der Bewältigung ihrer gesellschaftlichen und finanziellen Probleme hat, lebt der amerikanische Präsident in einem Verfassungsgefüge, das Regierung und Parlament mit außerordentlich viel destruktiver Kraft, jedoch nur diffuser Gestaltungsmacht ausstattet. Tritt eine parteipolitische Konfliktlage zwischen (republikanischem) Kongress und (demokratischem) Präsidenten hinzu – ein Phänomen das als „divided government“ bezeichnet wird -, droht alles proaktive Handeln des Präsidenten zu ersticken. Darin teilt Obama das Schicksal vieler seiner Vorgänger.

Die Performanz zu Hause entscheidet

Auf eine Wiederwahl wie bei George Bush junior kann er nicht ohne Weiteres hoffen. Die Amerikaner sahen jenen als Kriegs-, diesen aber wohl eher als Friedenspräsidenten. Das klingt in deutschen Ohren schmeichelhafter, aber für die Wahl bedeutet es, dass die Performanz zu Hause entscheidet. Er kann nun hoffen, dass Mitt Romney unter Republikanern wahlweise als zu harmlos oder wegen seines Glaubens als zu exotisch gilt. Wähler wird ihm beides aber kaum zuführen.

Vielleicht geht es aber auch noch gut, so wie bei „Jed“ Bartlet in der TV-Serie. Der gewinnt die Wiederwahl trotz allen Unbills am Ende doch.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Ansgar Graw, Torben Hennigs, Kerstin Plehwe.

Leserbriefe

Aus der Debatte

Die USA nach der Wahl 2012

Der Präsident, eine lahme Ente?

Big_f1d2de2d2a

Die politische Lage in den USA hat sich auch durch die Wahl nicht verändert. Die Republikaner verzocken sich, Barack Obama ist politisch schwach.

Small_53f2014f53
von Ansgar Graw
04.01.2013

Hello, Mr. Nash!

Big_a817b6a942 2

In buchstäblich letzter Minute hat sich der Kongress in Washington, D.C. auf einen Kompromiss geeinigt, der den Sturz über die Klippe verhindern soll. Ein bisschen Einsparung, ein bisschen Steuern rauf – Ende gut, alles gut? Mitnichten.

Small_e24bb7c14d
von Torben Hennigs
03.01.2013

Es zwitschert und menschelt

Big_0de892afb7

Im US-Wahlkampf haben die sozialen Netzwerke eine wichtige Rolle gespielt – insbesondere, wenn es um Jungwähler geht. Zeit, dass die deutsche Politik mal einen Blick über den großen Teich riskiert.

Small_6a4675978e
von Kerstin Plehwe
29.11.2012

Mehr zum Thema: Usa, Wahlkampf, Obama

Kolumne

Medium_8b51830bda
von Stefan Andersen
16.05.2013

Kolumne

Medium_4575991ba3
von Christoph Giesa
09.05.2013

Debatte

Der Wahlkampf der FDP zur Bundestagswahl

Medium_891899befc
1

Dagegen sein ist alles

Gegen Steuererhöhungen und gegen Rot-Grün. Wählt die FDP, um Schlimmeres zu verhindern. Das ist die Botschaft, die vom Bundesparteitag der Liberalen ausgehen soll. weiterlesen

Medium_6d65c832ba
von Marc Etzold
06.05.2013
meistgelesen / meistkommentiert