Lasst uns den israelischen Kolonialismus in der Westbank beenden. Avraham Burg

Truly stupid

Wenn die Zukunft Amerikas und der Welt in smart power liegt, wird einem beim Blick auf die Vorwahlen der Republikaner himmelangst.

Mir wird jedes Mal aufs Neue mulmig, wenn der Flieger auf die Startbahn rollt. Und auch jetzt verspüre ich wieder ein ungutes Gefühl. Doch meine Irritation rührt diesmal nicht von meiner – Gott sei Dank milden – Flugangst, sondern von der kognitiven Dissonanz, die mich beim Lesen von Joseph Nyes Werk „The Future of Power“ in meinem Sitz überkommt. Denn Nye, Harvard-Professor mit intimen Verbindungen nach Washington, argumentiert, dass Amerika seine globale Vormachtstellung behalten und einer Eskalation mit China ausweichen kann. Doch dafür benötigten die Vereinigten Staaten vor allem eines: smart power.

Es ist dieses smart, das mir Unbehagen bereitet. Denn in den vergangenen Wochen habe ich den Vorwahlkampf der amerikanischen Republikaner genauer verfolgt. Und wie sollte einem angesichts dessen nicht himmelangst werden?

Verbalattacken statt Inhalte

Dabei ist unbestritten, dass jener Vorwahlkampf durchaus Unterhaltungswert besitzt. Gerade, weil ihn die drei Hauptprotagonisten offensichtlich in Hobbes’scher Manier auffassen: als Krieg aller gegen alle. Herman Cain, der einst der „Pizza des Paten“ vorstand, sieht sich dabei dem Verdacht ausgesetzt, dass er später seine Hände nicht nur über Pizzateig und Salami hat gleiten lassen. Cain selbst beteuert seine Unschuld und bezichtigt seinen Konkurrenten Rick Perry, eine mediale Schlammschlacht auf seinem Rücken inszenieren zu wollen.

Perry, Gouverneur von Texas, wiederum ist über diese Anschuldigungen in höchstem Maße empört! Was ihn aber nicht davon abhält, seinen Widersacher Mitt Romney als wahren Urheber des Skandals zu verdächtigen. Die unterhaltsame Posse hat durchaus komische Züge, allerdings auch einen schalen Beigeschmack. Denn Cain und Perry scheinen sich deshalb so gerne mit gegenseitigen Verbalattacken einzudecken, weil sie inhaltlich nur wenig zu sagen haben.

So plant Perry, wie nahezu alle republikanischen Präsidentschaftskandidaten, verschiedene Regierungsbehörden aufzulösen, um Steuergelder zu sparen. Nur welche Behörden auf seiner Streichliste stehen, konnte er sich in einer landesweit übertragenen Debatte trotz aller Anstrengungen nicht in Erinnerung rufen. Ups! Derweil hat Cain weiter zu seinem zweifelhaften Ruf beigetragen, indem er sich – in bester Palin-Manier – erst keine Meinung zu den jüngsten Geschehnissen in Libyen bilden konnte, um anschließend die Taliban und al-Qaida in der libyschen Regierung zu verorten.

Voodoo, Gott und Kinderrecht

Da ist es fast schon überflüssig zu erwähnen, dass beide Kontrahenten weder an Klimawandel noch an Evolution glauben, was sie wiederum mit Michele Bachmann verbindet. Bachmann, eine wiedergeborene Christin, hält den wissenschaftlichen Konsens über die Erwärmung des Planeten für Voodoo und wird von Matt Taibbi als religiöse Eiferin beschrieben, „deren Gehirn einem tobenden, elektrischen Sturm göttlicher Visionen und paranoider Wahnvorstellungen“ gleicht. So mag es denn auch nicht verwundern, dass Bachmann eine Verbindung zwischen Homosexualität und Satan konstruiert, während ihr Mann über Jahre eine Therapie angeboten hat, um die jeweils Betroffenen von ihren satanischen Neigungen zu „heilen“. (Zu einem „Best of“ von Bachmanns Ansichten geht es hier.)

Selbst die beiden moderateren Kandidaten Mitt Romney und Newt Gingrich haben sich beim Thema Klimawandel um nahezu 180 Grad gedreht und zweifeln mittlerweile an der Validität der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Im Falle Gingrichs sind die Erkenntnisse des IPCC nicht das einzige Hinterfragenswürdige für einen wachen Geist. Ganz oben auf seiner Liste: die U.S.-Gesetze zur Kinderarbeit. Denn indem sie die gewerbliche Tätigkeit von 9- bis 14-Jährigen verbieten beziehungsweise strikt reglementieren, tragen sie maßgeblich zur hohen Kinderarmut in amerikanischen Großstädten bei. Und damit seien sie, so Gingrich, truly stupid.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    kleinErna – 23.11.2011 - 13:51

    Eigentlich dürfte man aus europäischer Sicht, aus dem “alten Europa” sozusagen, zu den republikanischen Vorwahl-Kandidaten gar nichts sagen, ohne das atlantische Bündnis zu gefährden. Es ist nur grotesk, was von da drüben an Informationen zu uns herüber weht!

    Wir schimpfen oft und zu Recht über unsere hiesigen Politiker, wie dumm, verlogen, machtgeil etc. sie sich verhalten und wie sie das Volk oft genug regelrecht “verarschen”. Was sich dort drüben jedoch als Präsidentschaftskandidaten und -Kandidatinnen präsentiert, entspricht größtenteils noch nicht einmal dem Intellekt des letzten Hinterbänklers in unserem Bundestag. Sogar unsere FDP-Führungs-Küken, allesamt noch nicht ganz trocken hinter den Ohren, stecken diese “Kandidaten” noch mit links in ihre Westentaschen! Mich wundert auch nicht, dass der zu Recht von uns “verstoßene” KTzG dort drüben so exzellent ankommt.

    Es ist erstaunlich, dass die wirklich gebildeten und hoch intelligenten Amerikaner, die es ja ebenso gibt, sich das gefallen lassen und nicht für Alle vernehmbar und deutlich laut werden. Warum ist das nur so???

    Natürlich kann man sagen, schlimmer als unter George W. Bush jr. kann es in USA nicht mehr werden, aber einen solchen “Ausrutscher” wie ihn sollte sich die USA auch nur einmal pro Jahrhundert (maximal!) leisten, weil die ganze Welt (wirtschaftlich, sicherheitspolitisch etc.) darunter zu leiden hat und ihre Stabilität in Gefahr gerät, nicht nur in den USA.

    Ich bin gespannt, wer das Rennen bei den Republikanern machen wird und ob Der- oder Diejenige dann auch gegen Obama (von dem ich mir auch mehr erwartet hatte, der aber dennoch von allen jetzt Bekannten der immer noch bessere Kandidat ist) ein ernst zu nehmender Konkurrent sein wird.

  • Theeuropean-placeholder
    Mark – 24.11.2011 - 19:51

    Liebe kleinErna,

    das ging mir ganz genauso! Ich habe mich an meinen Beitrag “Boyband des Grauens” erinnert und gedacht: wenn man dies sieht, muss ich mich bei der FDP fast schon wieder enbtschuldigen…

    Schade, dass eine solche Minderheit soviel Einfluss geniesst…

  • Theeuropean-placeholder
    Guido Gabriel – 24.11.2011 - 15:06

    Der Beitrag trifft in sämtlichen Punkten zu. Traurig ist nur das sich die Aufzählung noch Seitenweise fortsetzen ließe.

    Bis auf den chancenlosen Huntsman zeichnen sich alle Kandidaten durch einen sehr freien Umgang mit der Realität aus.

    Dies fällt besonders auf wenn man sich einige der derzeit gängigen Argumente der Präsidentschaftskandidaten der Republikaner ansieht mit denen sie begründen warum Obama der falsche Mann im weißen Haus ist.

    1 Schuld an den derzeitigen Problemen der USA, der drückenden Wirtschaftskrise mit 9 Prozent Arbeitslosen und der ausufernden Staatsverschuldung ist allein Obama.
    Es gab zwar eine Krise vor Obama
    doch die wurde in erster Linie von den Liberalen verschuldet
    und wurde zweitens von Obama um ein vielfaches verschlimmert
    was drittens unter einem republikanischen Präsidenten niemals passiert wäre.

    2 Obama zerstört die Grundfeste der USA und ist eine Gefahr für die Freiheit der Bürger. Seine Mittel sind eine erzwungene Gesundheitsreform, Steuererhöhungen und unzählige neue Regulatorien.
    Mit seiner Gesundheitsreform verfolgt er das Ziel die privaten Krankenversicherungen zu vernichten und so die Menschen in die Abhängigkeit der Regierung zu zwingen.
    Das gleiche Prinzip verfolgt er mit der hohen Arbeitslosigkeit. Über die Verteilung von Arbeitslosenhilfen macht er die Arbeitslosen abhängig von staatlichen Hilfen. Die wollen natürlich derartige Geschenke fürs nichts tun behalten und sind so gezwungen für seine Wiederwahl zu stimmen.
    Deswegen behindert Obama wo er nur kann die freie Wirtschaft. Gesetze für den Umwelt- oder Verbraucherschutz werden nur beschlossen um der Wirtschaft das Leben schwer zu machen und neue Arbeitsplätze zu verhindern.

    3 Obama betreibt den moralischen Verfall der USA.
    Schon immer sind die Liberalen von den Demokraten für ihre laxe Moral und Missachtung traditioneller amerikanischer Werte bekannt.
    Mit Obama ist aber alles noch schlimmer geworden. Seine Toleranz gegenüber Schwulen und schwulem Verhalten Beispielsweise, führt dazu das Werte wie Ehe und Familie immer weiter verfallen.
    Schlimmer noch. Mit der linken Propaganda fürs Schwul sein besteht für alle Kinder in den USA die Gefahr das sie zum Schwul sein verführt werden.
    Dabei weis jeder das eine Nation in der die schwulen das Kommando übernehmen dem Untergang geweiht ist.

    4 Obama zerstört die Weltmachstellung der USA.
    Das schlimmste dabei ist das er sich bei aller Welt für amerikanische Fehler der Vergangenheit entschuldigt. Ein amerikanischer Präsident entschuldigt sich aber bei niemanden für gar nichts.
    Vielmehr hat Amerika als Anführer der freien Welt die Aufgabe dafür zu sorgen, das die freie Welt auch frei bleibt.
    Das bedeutet das Amerika entsprechend handeln darf, sogar muss. Das gilt für benötigte Ressourcen die man sichern muss und für die vielen Feinden der freien Welt die in ihre Schranken gewiesen gehören.
    Obama hat sowohl im Irak wie auch in Afghanistan versagt. Er zieht die Truppen aus dem Irak ab nur weil die Iraker das wollen. Er verheizt die US Soldaten in Afghanistan.
    Das er Osama Bin Ladin fassen und ausschalten konnte verdankt er dagegen einzig der weisen Politik seines Vorgängers der dafür die Basis gelegt hat. Das gleiche gilt für die Zerschlagung von AL Kaida.
    Das Obama Foltermethoden wie das Waterboarding abgeschafft hat zeigt das er unfähig und Unwillens ist die geeignetsten Mittel im Kampf gegen den Terror anzuwenden.

    Dagegen bedeutet die Unterstützung Obamas für die Revolutionen im Nahen Osten nur die weitere Schwächung amerikanischer Positionen.
    Die alten Despoten waren zwar schlecht aber wenigsten wusste man was man an ihnen hatte.
    Die Nato Aktion in Libyen war falsch. Besser wäre es gewesen es völlig anders zu machen.
    Dagegen wäre es im Fall Syrien richtig zur Beschleunigung eines Regimewechsels eine Flugverbotszone durchzusetzen.

    Obama ist ein klarer Feind Israels weil er den Palästinensern das Recht auf einen eigenen Staat zugesteht.

    5 Insgesamt gab es noch nie einen derartig schädlichen Präsidenten der USA wie Barack Obama.

    Jeder der ein bisschen die Medienlandschaft in den USA kennt wird die Meisten der oben beschriebenen Positionen – die ja auch nur eine Auswahl der derzeit gängigsten Lügen sind – schon einmal gehört haben.

    Der dahinterstehende politische Irrsinn erwartet uns wenn ein Kandidat der Republikaner im nächsten Jahr zum Präsidenten gewählt werden sollte.

  • Theeuropean-placeholder
    Herb – 24.11.2011 - 17:14

    Ist ja nett, wenn man jemanden nicht leiden kann. Und legitim. Was ich nie verstehen werde, ist, dass man Menschen, die anderer Meinung sind, immer sofort allesamt als dumm bezeichnen muss.

    Die Kanidaten sind seit Wochen regelmäßig auf großer Bühne, um vor Millionen von Zuschauern ihre Ansätze, Argumente, Ansichten und Pläne für ein Präsidentenamt dazulegen. Vollgespickt mit Zahlen und Begründungen. Insgesamt mögen da einige zig Stunden Material zusammen kommen. Da verspricht sich einmal jemand, oder hat ein Mal eine Zahl nicht im Kopf – und schon steht für einen deutschen Journalisten fest: die sind alle etwas ballaballa da drüben.

    Ist Ihnen schon mal irgendein Versprecher von Barack Obama aufgefallen? Nein? Könnte daran liegen, dass der deutsche JournalismusVersprecher Obamas nicht anerkennt, sie ignoriert. Obama ist viel zu smart, um nicht clever zu sein. (Obama ist verbal wie ein Fisch auf dem Land, wenn er ihne Telprompter reden muss. Aber ist auch egal, konzentrieren Sie sich lieber auf die wenigen Sekunden Fehlerhaftigkeit in mitten zahlloser Stunden von freundlichen, zivilisierten und intelligenten Debatten der republikanischen Kandidaten. Ich bin dieses deutschen Geplärres, das dann als Kenntnis über die politische Gegenseite in den USA verkauft wird, langsam müde.)

  • Theeuropean-placeholder
    Mark – 24.11.2011 - 20:06

    Lieber Herb,

    es ging im Beitrag nicht um Obama, sondern um die republikanischen Alternativen. Und da gibt es durchaus zwei, die ich fuer sehr vernuenftig halte: Ron Paul und Jon Huntsman. Es sagt aber schon einiges ueber den Zustand der Partei aus, dass solche wohl reflektierenden Kandidaten absolut keine Chance auf eine Praesidentschaftskandidatur haben.
    Und das Problem sind ja nicht die Versprecher: Das Problem steckt im Gedankengut. Und da sind die hier vorgebrachten Beispiele keine Ausnahmen. Einstellungen der Kandidaten zur Krankenpflege, zur Sozialgesetzgebung oder zur Aussenpolitik kann man debattieren. Diese moegen nicht unmittelbar etwas mit Intelligenz zu tun haben.
    Aber wer glaubt, dass die Erde vor 4000 Jahren erschaffen wurde und Menschen auf Dinosauriern ueber sie ritten (Bachmann) oder wer postuliert, dass der US Praesident ein “Leader” und kein “Reader” sein muss (Cain), den will ich nur ungern im Besitz des weltweit groessten Atomarsenals sehen.
    Wahnsin, nach Albert Einstein, ist es wiederholt dasselbe zu tun und einen anderen Ausgang zu erwarten. Lassen Sie uns mit diesem Diktum im Hinterkopf, die Wirtschaftspolitik der Kandidaten analysieren…

  • Theeuropean-placeholder
    Herb – 24.11.2011 - 17:15

    Ist ja nett, wenn man jemanden nicht leiden kann. Und legitim. Was ich nie verstehen werde, ist, dass man Menschen, die anderer Meinung sind, immer sofort allesamt als dumm bezeichnen muss.

    Die Kanidaten sind seit Wochen regelmäßig auf großer Bühne, um vor Millionen von Zuschauern ihre Ansätze, Argumente, Ansichten und Pläne für ein Präsidentenamt dazulegen. Vollgespickt mit Zahlen und Begründungen. Insgesamt mögen da einige zig Stunden Material zusammen kommen. Da verspricht sich einmal jemand, oder hat ein Mal eine Zahl nicht im Kopf – und schon steht für einen deutschen Journalisten fest: die sind alle etwas ballaballa da drüben.

    Ist Ihnen schon mal irgendein Versprecher von Barack Obama aufgefallen? Nein? Könnte daran liegen, dass der deutsche JournalismusVersprecher Obamas nicht anerkennt, sie ignoriert. Obama ist viel zu smart, um nicht clever zu sein. (Obama ist verbal wie ein Fisch auf dem Land, wenn er ihne Telprompter reden muss. Aber ist auch egal, konzentrieren Sie sich lieber auf die wenigen Sekunden Fehlerhaftigkeit in mitten zahlloser Stunden von freundlichen, zivilisierten und intelligenten Debatten der republikanischen Kandidaten. Ich bin dieses deutschen Geplärres, das dann als Kenntnis über die politische Gegenseite in den USA verkauft wird, langsam müde.)

  • Theeuropean-placeholder
    kleinErna – 24.11.2011 - 19:41

    Hallo Herb, Sie klingen wie Heather De Lisle, blind rechts, kritiklos was die Republikaner und kenntnislos, was das Gechehen in der weiten Welt betrifft, aber gegen Alle, die weltoffen sind und sich in der Welt auch auskennen (es berührt und beeinträchtigt ja den Mikrokosmos der aus vielen Nationen zusammengewürfelten amerikanischen “Gesellschaft”! ha-ha-ha).
    Gerade Letzteres macht diese rechten Amis so gefährlich, weil sie keine echte, gewachsene Heimat haben und sich daher eine Solche selbst zurechtzimmern. Christlich-fanatisch (und gar nicht so anders) wie die Islamisten, traditionslos weil ihnen die eigene Geschichte fehlt, rücksichts- und verständnislos was Erfahrungen Anderer betrifft und daher darf dort auch nicht sein, was man selber nicht kann, weiß, oder hat u.s.w.
    Wenn Sie die Lieben Rep-Kandidaten in Schutz nehmen, dann nehmen Sie sicher auch George W. Bush jr. in Schutz, der 2 Ligislaturperioden offenbar die beste Politik gemacht zu haben scheint. Ich fass es nicht!

  • Theeuropean-placeholder
    Mark – 01.12.2011 - 11:14

    Lieber Herb,

    das ist genau das, was ich meine: http://goo.gl/DbKGE

    LG,

    Mark

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