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Boygroup des Grauens

Philipp Rösler will in den elektoralen Pop-Olymp. Dabei soll ihm seine neue FDP-Boygroup helfen. Doch Groupies allein machen noch keine Band …

It’s showtime! Am Wochenende wählt die FDP auf ihrem Bundesparteitag den neuen Super-Liberalen. Und schickt nebenbei mit Guido Westerwelle ihren Polit-Star des vergangenen Jahrzehnts in Rente. Philipp Rösler wird also nun die Nummer eins der FDP-Charts erklimmen. Ganz ohne die Hilfe von Dieter Bohlen, dafür aber mit der Unterstützung von Neu-Fraktionschef Rainer Brüderle.

Damit nicht genug. Denn Rostock soll der Auftakt zu einer liberalen Comeback-Tour werden und gleichzeitig deutlich machen: Die FDP wechselt das Genre. Raus aus der Heavy-Metal-Ecke der neo-klassischen Wirtschaftslehre, von Reaganomics und Thatcherismus; rein in den elektoralen Pop-Olymp des „einfühlsamen Liberalismus“ – statt Steuersatz-Riff nun also Solidaritäts-Synthesizer.

Röslers Boygroup

Zu diesem Zweck hat der designierte Parteivorsitzende, welcher sich als Solist nicht wirklich wohl fühlt, eine freiheitliche Boygroup um sich geschart, mit der er sowohl seiner Partei als auch der Wählerschaft das programmatische Umsatteln glaubhaft machen will: Christian Lindner (32 Jahre), Patrick Döring (38), Daniel Bahr (34) und Johannes Vogel (29). Sie alle säuseln wiederkehrend Röslers Refrain, wonach die FDP „stets eine Partei von Maß und Mitte“ statt von MAN und Mövenpick gewesen sei.

Hinzu kommt eine gänzlich neue Melodie von Werten wie „Fairness“, „Gemeinschaft“ und „Solidarität“, mit welcher die Liberalen die farbliche Präferenz der linksliberalen Mitte von grün auf gelb umzustimmen suchen. Doch genau hierin liegt das Bohlen’sche Problem der freiheitlichen-demokratischen Kombo: Ihre Besetzung mag sich ändern, die „Mucke“ jedoch bleibt dieselbe.

Christian Lindner kann ich die „Humanisierung“ der FDP noch abnehmen. Wer aber einmal Daniel Bahrs Einlassungen im Bundestag zur Gesundheitspolitik nachverfolgt, der stellt schnell fest, wie viel Fairness uns vom designierten Gesundheitsminister blüht: mehr Wettbewerb, mehr Anforderungen an Patienten, mehr Zweiklassenmedizin. So einfach geht „einfühlsamer Liberalismus“.

Und weil für Patrick Döring „arm oder reich nicht die große soziale Frage“ darstellt, muss die FDP – natürlich ganz einfühlsam – zuallererst Hartz IV überdenken sowie die Qualitätsstandards bei der Kinderbetreuung senken. Wir haben ja eigentlich auch keine Armut, sondern nur immer weniger Reichtum. Und überhaupt, findet das assoziierte Boygroup-Mitglied Pascal Kober, macht sich „Armut nicht alleine im Materiellen fest“.

Groupies statt Boygroup?

Lindner, Döring, Bahr und Co verkörpern vor allem eines: eine neue Politikergeneration, welche ihre politische Karriere, sowie die dazu nötigen parteipolitischen Netzwerke, seit jungen Jahren formt. Bahr trat als 14-Jähriger den jungen Liberalen bei, Lindner und Vogel mit 16, Döring mit 18 Jahren. So wird denn auch verständlich, warum sich die neue Riege so leicht mit der (vermeintlichen) programmatischen Neuausrichtung tut: Ideologie und Ideale spielen bei ihnen keine Rolle mehr. Wichtig ist allein, was beim Publikum ankommt – und so dem eigenen Chartserfolg dient. Allerdings nur bis zur Wahl.

Immerhin ist Döring, wenn auch unfreiwillig, so ehrlich einzugestehen, dass der so vielbesungene neue Liberalismus nur als Leerformel dient, um die FDP „über ihre klassische Klientel hinaus wählbar zu machen“. Dies klärt dann auch die Frage, wie viel Empathie und Willen zur gesellschaftlichen Umwälzung der Wähler von partei-internen Karriere-Groupies erwarten kann, die ihr Bundestagsmandat allesamt ihrem Listenplatz anstelle einer Direktwahl durch die Bürger verdanken.

Es wird sich zeigen, ob es die neue FDP-Boygroup schafft, mehr als nur ihre Tonlage zu ändern. Zweifel sind angebracht – umso mehr nach dem Liberal Song Contest um den Fraktionsvorsitz.

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