Keine Frage, dass der Rücktritt eines Kabinettsmitglieds so früh in der Legislaturperiode ein ernsthafter Schaden für Angela Merkel ist. Hätte sich die Debatte über Franz Josef Jung, seine angeblichen Verfehlungen und die tatsächlichen Kommunikationsverläufe im Verteidigungsministerium noch länger hingezogen, hätte daraus eine echte Krise der Regierung erwachsen können.
Politische Gewichtverschiebung
Nun aber hat Merkel die Causa Jung mit einem Paukenschlag beendet, der beträchtliche taktische und strategische Meisterschaft bezeugt: Ursula von der Leyen wird Sozial- und Arbeitsministerin, die weithin unbekannte hessische CDU-Abgeordnete Kristina Köhler wird Familienministerin. Ein weiterer Schritt zur Verjüngung, aber auch Verweiblichung der CDU und eine ganz beträchtliche Verschiebung der politischen Gewichte pro Merkel.
Jung war, wie selbst er nie dementiert hat, vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch ins Kabinett entsandt und stand ihm immer loyal zur Seite. Kristina Köhler nannte zwar im zarten Alter von 14 Jahren schon Helmut Kohl ihr Vorbild und ist seitdem, seit 18 Jahren in der Politik. Doch mit der männerbündlerischen Andenpakt-Kombo von Koch und Konsorten hat sie nichts, aber auch gar nichts am Hut.
Natürlich ist sie konservativ. Aber eben auch eine moderne junge Frau, die twittert, mit einer unkonventionellen Wahlkampagne Heidmarie Wieczorek-Zeul den Wahlkreis abgenommen hat und deren beste Freundin grün wählt. Es wird sehr spannend werden, sie im Familienministerium zu erleben. Und ihre primäre Loyalität wird nicht Roland Koch, sondern Angela Merkel gehören.
Schwache und starke Minister
Glücklich ist heute Abend auch Ursula von der Leyen. Die Niedersächsin wollte unbedingt ein “gewichtigeres” Ressort, um weiter Karriere zu machen. Nun hat sie es. Nicht das erwünschte Gesundheitsministerium, aber doch das nicht minder schwierige und finanziell noch bedeutendere Arbeits- und Sozialministerium. Ein guter Ort, um weiter Profil zu gewinnen.
Die Kanzlerin hat damit einen schwachen Minister mit einer starken Ministerin ersetzt, ein neues Talent auf die Politbühne gehoben, ihre Partei weiter modernisiert und in ihrem Sinne umgebaut. Alle CDU-Minister in diesem Kabinett sind zudem schwarz-grün-fähig, sollte es bei der nächsten Wahl nicht mehr für Schwarz-Gelb reichen.
Meine Prognose ist, dass die Causa Jung damit erledigt ist – und auch Verteidigungsminister zu Guttenberg aus der Schusslinie, in die ihn manche heute schon rücken wollten. Schon Anfang nächster Woche, nachdem er am Montag seine Entlassungsurkunde bekommt, wird Jung kein Thema mehr für die Titelseiten sein. Und damit dürfte sich dann auch der Untersuchungsausschuss erledigt haben.
Stattdessen werden wir seitenlange Porträts über den neuen Politstar Köhler lesen, viele, viele Fotos der telegenen Dame zu sehen bekommen und darüber diskutieren, ob die Ära der weiblichen Politiker nun doch begonnen hat.
Margaret Heckel ist die Chefredakteurin von www.starke-meinungen.de





















