Die wichtigste Begabung, um glauben zu können, ist der Sinn für das Schöne. Martin Walser

Nierendeal

Die Forderung nach mehr Regulierung bei der Organspende übersieht den florierenden Schwarzmarkt. Dagegen hilft nur legaler Handel.

Mehr Kontrollen also. Das ist die Schlussfolgerung, die Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery aus dem Organspende-Skandal zieht. Sorry, Herr Präsident, aber das ist armselig.

Schon jetzt ist der Gesundheitssektor reguliert bis zum Gehtnichtmehr. Das gilt auch für die Organspende, bei der zudem mehrere Organisationen zusammenarbeiten. Es ist keine Frage, dass kriminelle Ärzte wie diejenigen, die vermutlich in Göttingen und Regensburg am Werk waren, hart bestraft werden müssen.

Der Schwarzmarkt entsteht unweigerlich

Aber der Kern des Organspende-Skandals ist ein anderer. Es ist der Schwarzmarkt, der unweigerlich entsteht, wenn der Staat regulierend – und natürlich immer in „bester Absicht“ – eingreift und dadurch knappe Güter noch knapper macht. Ob Alkohol in den Jahren der Prohibition in den USA, Drogen weltweit oder auch Organe: Es wird immer Menschen geben, die bereit und in der Lage sind, aberwitzige Summen für den Besitz dieser Dinge auszugeben. Und Menschen, die verzweifelt genug sind, eigene lebenswichtige Organe zu verkaufen – oftmals nicht wissend, in welche Gefahr sie sich begeben.

Was es aber nicht geben muss – und genau das ist der eigentliche Skandal – sind die abkassierenden Mittelsmänner, die sich diese Zwangslage zunutze machen. Sie können ihrem schmutzigen Geschäft nur nachgehen, weil der Staat den offenen – und in diesem Falle durchaus und zu Recht schärfstens regulierten – Handel verbietet.

In dem Moment, wo Drogen oder Organe offen gehandelt werden könnten, wären die kriminellen Mittelsmänner aus dem Geschäft. Statt einem verzweifelten Inder 300 Euro für eine Niere hinzuwerfen und sie dann für 90.000 Euro in der westlichen Welt einem verzweifelten Kranken zu verkaufen, gäbe es bei einem regulierten Handel wahrscheinlich allenfalls Aufwandsentschädigungen, statt derart obszöne Gewinnspannen.

Organe werden gehandelt

Der verzweifelte Inder bekäme wahrscheinlich in etwa das Hundertfache, der verzweifelte Kranke würde ein Drittel bezahlen, der Vermittler bekäme allenfalls noch ein Hundertstel seines früher möglichen Gewinns. So wären alle kriminellen Elemente von heute auf morgen aus dem Geschäft: Denn nun ist es nicht mehr attraktiv.

Wirtschaftswissenschaftler haben diese Argumentation immer wieder vorgebracht, Ethiker haben sie immer wieder auseinandergenommen mit dem Argument, Organe dürften nicht gehandelt werden. Das mag seine Richtigkeit haben, ist aber in der Praxis einfach obsolet: Organe werden gehandelt. Siehe die Geschichte des „Spiegels“ diese Woche aus dem Kosovo. Siehe wahrscheinlich Göttingen und Regensburg. Siehe unzählige Kliniken in Osteuropa, Asien und wo sonst noch.

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