Das einzige Tier bei uns zu Hause bin ich. Oliver Kahn

Kein Platz an der Sonne

Die Pleiten von Q-Cells, Solon und First Solar werden in Deutschland nicht die letzten bleiben. Sie sind Folgen einer völlig verfehlten Subventionspolitik.

Mit der in dieser Woche angekündigten Schließung von First Solar in Frankfurt/Oder verlieren nicht nur 1200 Menschen in einer strukturschwachen Region ihren Arbeitsplatz. Das Aus für eine der größten Solarfabriken in Deutschland zeigt erneut, dass Wirtschaftslenkung per Subventionen einfach nicht funktioniert.

Deutschland hat der Welt den Gefallen erwiesen, die Erneuerbaren Energien global marktfähig zu machen. Der Beginn war das von den Grünen maßgeblich geforderte 1000-Dächer-Programm, das später zum 100.000-Dächer-Programm aufgestockt wurde. Später wurden jedem, der Photovoltaik-Zellen auf sein Dach schraubte, für 25 Jahre garantierte Renditen in Form von Stromeinspeisegarantien versprochen. Das war ein Angebot, das für jeden, der rechnen konnte und ein Dach zur Verfügung hatte, einfach zu gut war, um es liegen zu lassen.

Eines der größten Umverteilungsprogramme in der deutschen Geschichte

Interessant wäre es, im Nachhinein zu erfahren, ob den grünen Vordenkern dieses Programms – unter anderen der verstorbene Solarpionier Hermann Scheer – klar war, dass sie damit nicht nur die Photovoltaik global marktreif machten, sondern auch eines der größten Umverteilungsprogramme der Geschichte der Bundesrepublik in Gang setzten.

Denn die Solardächer stehen vor allem im reichen Süden der Republik auf den Dächern von Wohlhabenden. Die Windräder stehen zwar im ärmeren, aber windreicheren Norden, gehören aber – oft über Fondskonstruktionen – den Wohlhabenden der Republik. Ihre Rendite, die Einspeisevergütung, jedoch zahlen alle Stromkunden, und natürlich aufgrund ihrer hohen Zahl vor allem die Ärmeren und die Mittelschicht. Schon jetzt ist das Volumen der Umverteilung höher als der Länderfinanzausgleich und wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen.

Neben dieser problematischen Geldumleitung von Arm zu Reich fütterte die staatlich garantierte Einspeisevergütung eine Industrie an, die in wenigen Jahren explosionsartig wuchs. Plötzlich wurden aus kleinen Solarklitschen Weltmarktführer, ein Unternehmen nach dem anderen machte in Deutschland Solarfabriken auf. Bevorzugt natürlich in Ostdeutschland, wo es zusätzliche Subventionen abzugreifen gab.

Doch statt nach dem gelungenen Start der neuen Industriebranche die Subventionen zurückzufahren, begann die übliche Lobbyarbeit. Längst hatten die Grünen Unterstützung bekommen, die mit ihnen gegen Kürzungen stritt – eine kuriose Koalition von Sozialdemokraten, die aus ideologischen Gründen für weitere Förderung waren, und auch von allen Möglichen aus CDU und vor allem CSU, die erkannt hatten, wie stark ihre Wählerklientel finanziell von der Förderung profitierte (inklusive nicht weniger CSU-Abgeordneter mit Solardächern sowie Wind- oder Wasserrädern auf heimischen Grund).

So nahm das Unheil vorhersehbar seinen Lauf, um nun im totalen Crash zu enden. Zwar sind die Erneuerbaren etabliert, doch den langfristigen Gewinn werden andere Nationen abräumen. Angefüttert vom deutschen Stromkunden, sind die Firmen hierzulande viel zu sehr verfettet und träge, um dem extrem scharfen Wettbewerb der Branche standhalten zu können. Q-Cells, Solon, First Solar – bei diesen Pleiten wird es wohl leider nicht bleiben.

Das ist ein verheerendes Ergebnis. Es hätte nicht so kommen müssen, wenn die staatliche Fütterung früher zurückgefahren worden wäre – wenn also die Unternehmen schon vor drei, vier Jahren auf Entzug gesetzt worden wären und die Einspeisevergütung zurückgefahren worden wäre.

Wir werden noch den Kopf schütteln

Wenn überhaupt Subventionen, dann muss schon mit dem Start das Ende der Zahlungen definiert werden, beziehungsweise der Abbaupfad der Förderung. Alles andere führt zu den Marktverzerrungen, die im Fall der Solarförderung überdeutlich zu sehen sind, aber auch in allen anderen Subventionsbranchen üblich sind.

In einigen Jahrzehnten werden wir zudem die Köpfe schütteln, wie wir so dumm gewesen sein konnten, Solarmodule im sonnenarmen Deutschland auf die Dächer zu schrauben. Die Technologie gehört in den Sonnengürtel der Welt, am besten in die Wüsten. Mit solarthermischen Kraftwerken, wie sie beispielsweise von der Desertec-Stiftung in Tunesien unterstützt werden, lässt sich dort Strom für die Region, aber auch für den Export nach Europa zu wettbewerbsfähigen Preisen bei der dreifachen Sonnenstrahlung gewinnen. Das Potenzial dort ist unendlich: Sechs Stunden Sonneneinstrahlung reichen aus, um so viel Energie zu gewinnen, dass die Menschheit ein Jahr mit Strom versorgt werden kann.

Die Autorin hat eine kurze Geschichte der Desertec-Idee geschrieben, welche bei Amazon als E-Book erhältlich ist.

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Margaret Heckel: Kann er Kanzler?

Leserbriefe

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