Das Gedenken an die Opfer fiel still aus. Denn sechs Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti sind keine ausländischen Kameras auf die Insel zurückgekehrt, um über das traurige Jubiläum zu berichten. Nach und nach haben sich in den letzten Wochen auch viele Hilfsorganisationen verabschiedet.
Entwicklungshilfe ist etwas anderes als Katastrophenhilfe. Und doch werden beide nur allzu oft über einen Kamm geschoren, denn die erste ähnelt meist zu sehr der zweiten. Kurzum, häufig leidet Entwicklungshilfe an einem Myopieproblem, basierend auf einem simplen Dilemma: Hilfsorganisationen wollen und müssen nachweisen, dass sie die Lebensumstände vor Ort verändern, um nicht ihren Ruf und zukünftige Spendengelder aufs Spiel zu setzen. Dies verleitet dazu, dort zu helfen, wo die Not am größten und die Hilfsbedürftigkeit am dringlichsten ist – ein legitimes Unterfangen, denn jede Hilfe ist besser als keine Hilfe.
Mehr Nachhaltigkeit
Doch allzu oft bedeutet dies auch, dass mit einer Gießkanne auf einen riesigen heißen Stein gegossen wird, bis dieser aufhört zu glühen. Dann geht es sofort weiter, denn die nächste Krise wartet bereits. Wir plädieren für einen anderen Weg, für Entwicklungshilfe, die auf zwei Säulen beruht: Hilfe zur Selbsthilfe, “Empowerment” genannt, und Nachhaltigkeit. Zeitgemäße Entwicklungshilfe muss Strukturen schaffen, ohne dabei ein neues Abhängigkeitsverhältnis zu kreieren.
Sie darf sich nicht nur darauf beschränken, die Armen und Schwachen dieser Welt zu stützen, sondern muss ihnen in einem zweiten Schritt die Instrumente an die Hand geben, mit denen sie sich selbst helfen können. Anstelle des Feuerlöschers oder der überdimensionalen Gießkanne bedarf es eines gezielten, stetigen Wässerns einer Pflanze, des Aufbaus einer Zivilgesellschaft, der den historischen, kulturellen und ethnischen Gegebenheiten vor Ort Rechnung trägt. Nur wo das Pflänzchen einer robusten Zivilgesellschaft entstehen und gedeihen kann, können vermeidbare Katastrophen wie Misswirtschaft, Hungersnot, Korruption, Bürgerkriege und Unterversorgung in jeglicher Hinsicht verhindert werden. Dies trifft besonders auf Afrika zu.
Mehr Empowerment durch Bildung
Wir haben uns dieses Ansinnen nach Nachhaltigkeit zum Ziel gesetzt und hierfür Aiducation International gegründet. Denn wir glauben daran, dass moderne Entwicklungshilfe nicht mit der Bereitstellung von Infrastruktur endet, sondern dass sie stattdessen den Bürgern eines Landes ermöglichen muss, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Nur so kann eine organische, zukunftsfähige und langfristige Veränderung aus der Mitte der Bevölkerung kommen.
Nur Empowerment, die Hilfe zur Selbsthilfe, kann strukturell Armut verringern. Doch bedingt sie Investitionen nicht in Rohstoffgewinnung und Infrastrukturprojekte, sondern in Humankapital, allen voran in Bildung. Nach Informationen der Weltbank werden 40 Millionen Kinder in Entwicklungsländern ihrer Zukunftschancen beraubt, weil sie keinen Zugang zu weiterführenden Schulen besitzen, obwohl sie talentiert genug wären. Kann sich die Weltgemeinschaft wirklich leisten, dieses riesige Potenzial brachliegen zu lassen?
Dieser Kommentar wurde von Maren Neugebauer in Zusammenarbeit mit Eva Köberl verfasst.

















„Hilfe zur Selbsthilfe“
Hier bedarf es der Ergänzung, wir sollten ihnen helfen all ihre sozialen und administrativen Bedürfnisse aus eigenem Steueraufkommen zu decken.
An sehr vielen Orten/Regionen sind EZA-NGO´s 30-40 Jahre und länger präsent – Nachhaltigkeit – kann polemisch argumentiert werden, bedeutet, sie sind schon lange dort und sie wollen es auch bleiben.
Die Lösungsmöglichkeit, nicht Spenden sondern Beteiligen, in die lokale Produktion mit sozial verträglichen Arbeitsweisen zu steigern – dies ist die Lösung, wird nicht einmal angedacht. Denn dies steht natürlich diametral zur jetzigen EZA-Arbeit welche Abhängigkeiten schafft und nach einem immer größeres Spendenaufkommen verlangt.
Im deutschsprachigen Raum beträgt die Anzahl der berufsmäßigen Helfer zwischen 100 – 200.000 Personen – teils sehr gut bezahlte Jobs.
Es will sich niemand, auch nicht jene Personengruppe vorstellen, was ist, wenn ein Landwirt in den EZA Ländern nur 1/3 des Einkommens eines mitteleuropäischen Landwirtes verdient.
Mehr Geld – keine Erfolge – viel PR. Ein System welches sich eigentlich überflüssig machen sollte aber immer mehr wächst – Spendenaufrufe anstatt Fehleranalysen – System ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT.
Gerhard Karpiniec
Laxenburg/Österreich