Wer zu doof ist, ein Loch in die Wand zu bohren, ist definitiv ungeeignet, ein AKW zu betreiben. Renate Künast

Hält sie oder hält sie nicht

Das Auseinanderbrechen der Euro-Zone wird derzeit so heftig debattiert wie nie. Doch alle möglichen Szenarien einer Auflösung bergen immense Risiken und Kosten – vor allem ein deutscher Alleingang.

Wie geht es weiter in der europäischen Währungsunion? In diesen Tagen beginnt nach einer kurzen Sommerpause wieder die hektische Suche nach einem Ausweg aus der Krise. Die französische Regierung und die Deutschen ringen um eine einheitliche Linie, der griechische Ministerpräsident reist in die europäischen Hauptstädte und wirbt um Vertrauen für sein Land, und alle warten gespannt auf den Bericht der Troika zu Griechenland. Gleichzeitig wird augenfällig, dass die finanziellen Probleme von Ländern wie Spanien und Italien immer schwieriger in den Griff zu bekommen sind und genau deshalb steigt der politische Druck auf die Europäische Zentralbank immens, eine stärkere Monetisierung der Staatsschulden in die Wege zu leiten.

Verunsicherung führt zu Flächenbrand

In der Öffentlichkeit werden hingegen immer stärker Szenarien des Auseinanderbrechens der Euro-Zone diskutiert, auch wenn die Politik dies derzeit noch nicht wahrhaben will oder kann. Das erste Szenario ist der (erzwungene oder freiwillige) Austritt Griechenlands. Ein solcher Austritt könnte kurzfristig Erleichterung verschaffen, löst aber nicht die strukturellen Probleme der anderen unter Druck stehenden Länder. Die direkten Kosten des Austritts wären für die verbleibenden Länder nur dann verkraftbar, wenn es nicht zu Ansteckungseffekten in der Euro-Zone kommen würde. Aufgrund der aus einem Austritt Griechenlands folgenden zunehmenden Verunsicherung der Anleger und der Vernetzung der Finanzsysteme sollte man jedoch hohe indirekte Kosten einkalkulieren, da es zu einem Flächenbrand mit immensen finanziellen Folgen kommen kann.

Das zweite Szenario wäre ein Austritt von Spanien, Irland, Portugal, Zypern und vielleicht auch Italien. Dies würde wahrscheinlich weitere Ansteckungseffekte vermeiden helfen, die direkten Kosten wären jedoch hier enorm. Eine dritte Möglichkeit, die insbesondere von angloamerikanischen Kommentatoren ins Spiel gebracht wird, ist der Austritt Deutschlands mit einer sukzessiven Rückkehr zur D-Mark. Dies würde dazu führen, dass der (Rest-)Euro stark abwerten würde und dadurch viele europäische Länder Wettbewerbsfähigkeit zurückerlangen könnten. Sie hätten damit auch eine Atempause, um ihre strukturellen Probleme sozialverträglich anzugehen. Für Deutschland wäre dies allerdings mit extrem hohen Risiken verbunden: Der Aufwertungsdruck auf die D-Mark müsste abgefedert werden, die exportorientierte Industrie würde stark leiden, die Arbeitslosigkeit zunehmen und der Finanzsektor müsste höchstwahrscheinlich wieder einmal unterstützt werden.

Bankenunion und Euro-Bonds

All diese Austrittsszenarien sind somit äußerst unattraktiv. Was bleibt also zu tun? Die momentan noch kostengünstigste Variante ist erstens die Einführung einer europäischen Bankenunion unter zentraler Aufsicht, zweitens die Einführung von Euro-Bonds konditioniert auf Struktur- und Anpassungsprogramme, die die Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Länder fördern und die Verschuldungsdynamik außer Kraft setzen, ohne soziale Unruhen zu verursachen. Dies ist eine Herkulesaufgabe und erfordert eine intelligente, aber auch zupackende gemeinsame Politik, stellt jedoch die einzige Möglichkeit dar, wenn man die Euro-Zone wirklich retten will.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Stefano Casertano, Friedrich Thelen, Federico Castiglioni.

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