Wir gehen mit der Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum. Jane Fonda

Der Raubzug geht weiter

Die EZB bewahrt die Märkte mit Geldspritzen vor dem Tod. Das geht auf Kosten der Sparer und macht deren Enteignung perfekt.

Mehr denn je ist deutlich, dass die Notenbanken seit dem Krisenjahr 2008 nur eines sich und uns teuer erkauft haben – Zeit. Die Probleme wurden nicht einmal im Ansatz angegangen und gelöst, sondern lediglich mit enormen Geldsummen überdeckt und in die Zukunft verschoben, wo sie sich weiter potenzieren. Dies hat bislang sieben Jahre funktioniert, aber es war teuer – sehr teuer.

Die EZB – unter der Leitung vom ehemaligen Investmentbanker Mario Draghi, welcher niemals demokratisch gewählt wurde – ist mittlerweile die „wahre“ Macht in Europa. Sie hat seit 2008 mehrfach die auf der Intensivstation liegenden Finanzmärkte und die dazugehörige Industrie vor dem sicheren Tod bewahrt und mit Geldspritzen wiederbelebt. Um den Patienten am Leben zu erhalten, druckt sie mehr Geld denn je und greift in die Märkte ein. Jedoch wurde noch niemals in der Geschichte ein Problem durch „Gelddrucken“ oder Planwirtschaft gelöst.

„Der Absturz ist programmiert und notwendig“

Die große Masse der Anleger lässt sich derzeit durch die fatale Notenbankpolitik und die dadurch stetig steigenden Aktienmärkte auf ein riskantes Spiel ein: Aktien- und Anleihekurse erreichen Rekordstände, völlig losgelöst von der Realwirtschaft. Aber weder die Börse noch die Immobilienmärkte sind eine Einbahnstraße nach oben – der Absturz ist programmiert und notwendig, um endlich die wahren Probleme anzugehen.

Global versuchen die Notenbanken mit historisch niedrigen Zinsen und folglich einer Flut billigen Geldes der Krise in ihren Volkswirtschaften entgegenzusteuern, die ja erst aufgrund zu niedriger Zinsen entstanden ist. Ob Dax, Dow Jones, Nikkei – alle großen Aktienindizes haben sich seit ihrem Tief im Jahr 2009 mindestens verdoppelt, teilweise sogar verdreifacht, und parallel sind die Immobilienpreise weiter inflationär gestiegen.

Im Oktober 2014 wurde uns allen klar verdeutlicht, was geschieht, wenn die Notenbanken auch nur leicht mit dem Gedanken spielen, die Zeiten des billigen Geldes einzuschränken. Die Märkte knickten abrupt ein. Sofort fühlten sich international die Zentralbanken verpflichtet, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Die Bank of Japan ist inzwischen offensichtlich komplett dem geldpolitischen Wahnsinn verfallen und verfolgt geradezu eine Kamikaze-Geldpolitik. Und die Europäische Zentralbank (EZB) hat mittlerweile mit ihrem 1,14 Billionen Wahnsinnspaket mit dem Aufkauf von Staatsanleihen im Volumen von 60 Milliarden Euro pro Monat begonnen.

Die EZB „prügelt“ den Euro immer weiter nach unten und sorgt damit einerseits dafür, dass sich der Urlaub in vielen Nicht-Euroländern sowie Importe verteuern, andererseits, dass unsere Exportwaren noch günstiger werden. Die Folge ist, dass wir die ganze Welt noch mehr mit unseren hochqualitativen und innovativen Waren überfluten werden. Jedoch mit jedem Tag, mit dem die deutsche Wirtschaft mehr exportiert und stärker wird, werden unsere europäischen Freunde wie beispielsweise Frankreich und Italien mit ihren nicht konkurrenzfähigen Volkswirtschaften immer mehr Marktanteile verlieren und sukzessive Richtung Pleite steuern.

Die Verarmung wird verheerend sein

Dafür, dass der Boom an den Finanzmärkten bereits seit 2009 anhält, haben sich die Notenbanken Jahr für Jahr mächtig ins Zeug gelegt. Die EZB hat den Leitzins mittlerweile auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Was bedeutet dies im Einzelnen? Einerseits hat dies den Märkten einen jahrelangen Boom beschert, aber kaum der realen Wirtschaft nachhaltig geholfen. Andererseits werden wir Sparer tagtäglich schleichend enteignet und der Möglichkeit eines Aufbaus einer adäquaten Altersvorsorge beraubt, nur um die Märkte ständig zu retten. Die Auswirkungen und die damit verbundene Verarmung werden verheerend sein.

Heute ist die Welt schwer abhängig von dem billigen Geld. Wir gehen fest davon aus, dass uns die Niedrigzinsphase noch sehr lange erhalten bleibt. Denn Notenbanken können die Zinsen kaum anheben. Damit würden sie das zarte Miniwachstum vollends abwürgen, einen Sturz der Aktienbörsen lostreten und die Pleiten mehrerer Länder auslösen.

Aufgrund der Niedrigzinsphase müssen wir uns mit zwei unangenehmen Wahrheiten auseinandersetzen: keine Renditen und Wohlstandsverluste! Die Zeit der Renditen ist vorbei! Bereits heute werden wir durch die momentane Niedrigzinsphase der Notenbanken schleichend enteignet. Unser Geld verliert durch die verheerende Notenbankpolitik jeden Tag mehr an Kaufkraft. Die Verzinsung auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten liegt bei plus/minus null Prozent. Die offizielle Inflation ist weit darüber. Bereits im vierten Quartal 2014 hat die erste deutsche Bank, die Skatbank, eine Internet-Tochter einer Volksbank in Thüringen, Negativzinsen eingeführt.

Ende November 2014 spricht Deutschlands zweitgrößte Bank, die Commerzbank, von der Einführung einer sogenannten „Guthabengebühr“ bei einzelnen großen Firmenkunden mit hohen Guthaben sowie bei „Großkonzernen und institutionellen Anlegern“. Auch die Deutsche Bank schließt einen Negativzins nicht aus. Hierzu Co-Vorstandschef der Deutschen Bank und Präsident des Deutschen Bankenverbands, Jürgen Fitschen: „Jedes einzelne Institut muss sich mit dem Thema auseinandersetzen.“ Auch wir sind uns sicher, dass der Negativzins früher oder später für alle gelten wird.

Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen sind Negativzinsen für Guthaben auf privaten Bankkonten unzulässig. Laut dem obersten Verbraucherschützer Klaus Müller könnten gegebenenfalls bei neuen Verträgen negative Zinsen vereinbart werden. „Dann aber noch von einem Sparkonto zu sprechen, wäre nicht nur widersinnig, sondern auch klar irreführend“, so Müller. Sollten Negativzinsen für Guthaben auf privaten Bankkonten rechtlich nicht zulässig sein, stellt sich selbstredend die Frage, wie lange es dauern wird. bis die Politik die Gesetze ändert und uns diese Gesetzesänderung als alternativlos verkauft, um damit einem bereits gescheiterten Währungs- und Finanzsystem abermals Leben einzuhauchen.

Es droht ein Bank-Run

Negativzinsen für Sparer sind die schlüssige Folge der verheerenden EZB-Niedrigzinspolitik. Aufgrund dessen ist es logisch, wenn die Banken die Kosten an die Sparer weiterreichen. Dies wird kommen! Da jedoch viele Bürger rechnen können, werden sie ihre Guthaben abziehen und ins Schließfach legen, sobald die Negativzinsen die Schließfachgebühr übersteigen.

Wenn immer mehr Menschen ihr Erspartes von der Bank abheben, ist von einem sogenannten Bank-Run zu sprechen. Dieser muss jedoch unter allen erdenklichen Umständen verhindert werden, da lediglich zwei Prozent – also jeder fünfzigste Euro – physisch existieren. Ist diese kritische Marke überschritten, fliegt uns das gesamte Finanzsystem um die Ohren. Aus diesem Grund werden sehr schnell drastische Bargeldabhebungsbeschränkungen eingeführt werden.

Bereits heute leiden Großanleger unter der gravierenden Niedrigzinsphase, welche nicht nur in der Euro-Zone vorherrscht. Bei unseren Nachbarn in der Schweiz überlegen sich beispielsweise einige Pensionskassen, einen Teil ihres Rentengeldes anstatt auf dem Konto in einem externen Tresor zu lagern. Laut den Berechnungen einer Pensionskasse würde diese allein bei 10 Millionen Franken 25.000 Franken Rentengeld sparen, wobei hier bereits Unkosten für Tresormiete, Geldtransport und weiteren Ausgaben abgezogen wurden. Laut den Recherchen von „10vor10“ gibt es bereits eine Bank, welche innerhalb einer gewissen Frist kein Bargeld in derart hohen Summen aushändigen möchte. „10vor10“ liegt das Schreiben einer großen Schweizer Bank vor, in welchem sie der Pensionskasse sagt: „Wir bedauern, dass innert Frist keine Ihren Erwartungen entsprechende Lösung gefunden werden konnte.“

Als nächster Schritt wird und muss das bereits von Kenneth Rogoff, ehemaliger Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), im November 2014 geforderte Bargeldverbot kommen. Denn dann könnten die Zentralbanken laut Rogoff „auf diese Weise leichter Negativzinsen durchsetzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln“. Rogoff hat erkannt, dass „Papiergeld das entscheidende Hindernis ist, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken“. Er sieht in der Beseitigung von Papiergeld eine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem. Damit wäre einerseits ein jeder komplett kontrollierbar und andererseits könnte sich niemand mehr der Enteignung entziehen. Es werden harte Zeiten für Sparer kommen. Wir alle werden verlieren und abgeben müssen, die Frage ist nur, wie viel ein jeder abgeben will. Noch ist Zeit, sich auf das, was kommen wird, vorzubereiten, um den Schaden zu minimieren.

Die beiden Ökonomen, Querdenker und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 zusammen den Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Seit April 2014 gibt es eine aktualisierte und überarbeitete Taschenbuchausgabe.
Mit ihrem zweiten Buch, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, haben sie es bis auf Rang 2 der „Spiegel“-Bestsellerliste geschafft sowie auf Rang 1 im „Manager Magazin“ und „Handelsblatt“. In ihm haben sie u.a. die EZB-Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezins bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl richtig prognostiziert. Auch einen heftigen Börsencrash haben sie darin in Aussicht gestellt. Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de und bei Facebook.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Stefan Groß, Thomas Mayer, Joseph Huber.

Leserbriefe

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