Manchmal muss erst ein Unfall geschehen, damit die Leute gewarnt sind. Der TSV 1860 München ist kurz vor dem Aufprall. Erst heftig geschlittert, dann mit einem riskanten Manöver das Lenkrad herumgerissen und schließlich auf der Gegenspur gelandet.
Hasan Ismaik hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie sein Engagement beim Zweitligisten aus München zu bewerten sei. Bei der Präsentation im vergangenen Sommer sprach der jordanische Investor von „einem Mittel, um die Geschäfte in Deutschland und Europa zu forcieren“. Und ab sofort war dieser Verein eine Puppe: spielen, ausprobieren, zappeln lassen. Ja, der 35-jährige Multimillionär rettete den verschuldeten Klub auch vor einem Zwangsabstieg. Doch wie viel war diese scheinbare Rettung wert?
Mitleid darf man nicht haben
In dieser Woche hat das Chaos in München eine neue Dimension erreicht. Die Fans sind entsetzt, die Verantwortlichen verzweifelt. Denn Ismaik hat jetzt angekündigt, solange kein Geld mehr bereitstellen zu wollen, bis Präsident Dieter Schneider zurückgetreten ist.
Erpressung könnte man das auch nennen. Sich darüber jetzt zu empören, ist brutal naiv. Über 20 Millionen Euro hat der Immobilienkaufmann in den klammen Klub investiert. Gewiss nicht nur aus Spaß. Hasan Ismaik hat sich sein Recht auf Einfluss erkauft. Der Meister von 1966 hat das zugelassen. Mitleid darf man also nicht haben
Was wäre die Alternative gewesen? Ein Neuanfang im Amateurbereich? Auch wenn es arg romantisch klingt, vielleicht wäre das die ehrliche Entscheidung gewesen. Es ist doch die allergrausamste Version, die sich aktuell abspielt. Ein reicher Mann aus Arabien, mit keinerlei Verbindung zum Fußball, noch weniger Identifikation mit München, einzig Leidenschaft für Geschäfte, hat das Sagen bei einem Verein, der seit 151 Jahren besteht, sich Traditionsklub nennen darf, noch bis 2004 im Oberhaus eine Rolle spielte.
Fast zynisch liest sich das, was Ismaiks Vertrauter Hamadi Iraki jetzt in einem Interview von sich gab: Der Aufstieg in die erste Liga 2014 bleibe das Ziel. Ein Satz, der gnadenlos aufzeigt, wie weit diese Investoren in Gedanken vom Verein entfernt sind. Selbst die verträumtesten Fans dürften momentan damit zufrieden sein, wenn ihr Verein überhaupt in der zweiten Liga bleibt. Gerade erst hat Mittelfeldspieler Stefan Aigner seinen Abschied wegen der Mobbing-Versuche gegen Präsident Schneider angekündigt.
Der Fehler liegt beim Verein
Und noch mal: Der Fehler liegt nicht beim Investor. Der Fehler liegt beim Verein. 1860 München ist eben die perfekte Warnung dafür, wie sich der deutsche Profi-Fußball nicht entwickeln darf. Achtung, englische Verhältnisse! Ist ein Klub erfolglos, hat er sich dazu stark verschuldet, dann muss er die Konsequenzen tragen. Abstieg, Ausverkauf, Neuanfang, Aufstieg. Der Zyklus der Bundesliga. Die Münchener tragen derzeit eine andere Art von Konsequenzen. Sie sind wesentlich unerträglicher.
Leserbriefe
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besser hätte den Bericht nicht schreiben können-denn eines ist doch glas klar-wer über 20 Millionen investiert hat und bereit ist weitere was weiß ich wieviele Millionen zu investieren ,der spielt nicht nur den stillen Teilhaber-und das hätte jeder in der Vorstandschaft wissen m ü s s e n ! ! ! sorry mein Traumverein aber Gang in die Bayernliga wäre im nachhinein wohl die bessere Entscheidung gewesen ! ! !
Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf! Leider….
Keine Rauswurf Schneiders ! JETZT HANDELN !
Die Lage sehr gut beschrieben. So darf es einfach nicht weitergehen.
Daher ist die einzige Möglichkeit, dass der Verein wieder Herr im eigenen Haus ist, der Neuanfang im Amateurbereich.
Guter Artikel.
Ein Zwangsabstieg war mir von Anfang an das beste.
Der Verein hat alles was er braucht!
Ein klasse Präsi, nen guten Trainer und das wichtigste, erstklassige Fans die hinter der Manschaft und dem Verein stehen.