Redefreiheit ist das Leben. Salman Rushdie

Es fehlt eine offene Haltung

Ideen haben viele, allein es fehlt an der Durchsetzungskraft. Kaum einmal reicht in Deutschland die Leidenschaft aus, eine Innovation zur Marktreife zu bringen. Jetzt muss die Politik ran.

Wenn die Deutschen ihre Zukunft beschwören, dann dauert es nicht lange, bis ein Zauberwort fällt: Innovation. Deutschland – so heißt es – sei das Land der Ideen, einfallsreich, geprägt von schöpferischer Leidenschaft und visionärem Denken. Das hört sich gut an. Das Problem: Allzu oft reichen unsere Leidenschaft, unser Einfallsreichtum nicht aus, um die Mehrzahl dieser Ideen bis zur wirtschaftlichen Marktreife zu überführen. Das selbst ernannte Land der Ideen ist kein Land der Innovationen.

Betrachtet man einzelne Bausteine unseres nationalen Innovationssystems, steht Deutschland exzellent da: Viele Forschungsinstitutionen oder Universitäten schneiden bei Grundlagenforschung im weltweiten Maßstab hervorragend ab, und auch die Innovationskraft deutscher Unternehmen gilt in vielen exportorientierten Branchen als vorbildlich. In den wachstumsintensiven Leitindustrien der Zukunft spielt Deutschland jedoch eine vergleichsweise geringe Rolle. Gerade in den technologiegetriebenen Zukunftsbranchen zeigt sich immer mehr, dass die starke Versäulung des deutschen Innovationssystems keine ausreichende Innovationsdynamik mehr schafft.

Innovationspolitik als Kaskade staatlicher Ordnungspolitik

Das Instrument zur Stärkung der Innovationskraft Deutschlands ist scheinbar schnell gefunden: Deutschland brauche eine “Innovationspolitik für das 21. Jahrhundert”, die Innovationen “beschleunigt” und Innovationspotenziale “aktiviert”. Als Schlüsselfaktor dient eine angebotsorientierte Forschungs- und Technologiepolitik, die durch finanzielle Fördermaßnahmen zielgerecht auf die Umsetzung von Forschungsergebnissen aus der Wissenschaft in eine breite industrielle Anwendung einwirkt – getreu dem Motto: Innovationspolitik als Kaskade staatlicher Ordnungspolitik.

Es soll kein Zweifel aufkommen: Staatliche Forschungs- und Technologieförderung bleibt eine zentrale Aufgabe moderner Gesellschaftspolitik. Jede Strategie zur Stärkung der Innovationskraft in Deutschland stößt schnell an die Grenzen der Realität, denn: Innovationskraft entsteht nicht, sie wächst. Innovationen können sich nur in einem gesellschaftlichen Klima durchsetzen, das den potenziellen Nutzen des Neuen nach entsprechender Risikobewertung höher einschätzt als den Erhalt des Status quo. Sprich, eine Gesellschaft, die davon überzeugt ist, dass die besten Jahre noch vor ihr liegen, schafft die besten Voraussetzungen für Innovationen.

Es fehlt eine offene gesellschaftliche Haltung gegenüber Innovationen

Dem gegenüber steht die aktuelle, von kleinteiligem Pragmatismus geprägte Debatte über die Zukunft unserer Gesellschaft, in der deutsche Untugenden besonders gut zum Vorschein kommen: Freiheitsskepsis und Risikoaversion. Ohne Wissen von der Materie wird allzu oft jede auch noch so kleine Idee im Keim erstickt. Was fehlt ist eine offene gesellschaftliche Haltung gegenüber Innovationen. Der Begriff der Innovation mag das Zauberwort der politischen Zukunftsdebatte in Deutschland sein. Im Land der Innovationen ist die politische Klasse dennoch allein damit beschäftigt, den Status quo von einem Jahr ins nächste zu retten. Wohin die Reise gehen soll, das weiß jedoch keiner.

Eine Gesellschaft, die innovativ sein will, braucht klare Ziele. Das Definieren dieser Ziele erfordert Selbstbewusstsein und Selbstkenntnis, ihr Erreichen hängt ab vom Vertrauen in die eigene Stärke.

Deutschland verfügt über eine ganze Reihe von Stärken als Technologie- und Innovationsstandort. Es ist die Aufgabe der Politik, endlich einen Weg für die Gesellschaft aufzuzeigen, der diese Stärken strategisch nutzbar macht.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Volker Weyer – 20.03.2010 - 15:40

    Das Leben im Rückwärtsgang.

    Der obige Kommentar trifft einen wunden Punkt, geht aber, wie so oft zu kurz, da er in genau dem Denken verharrt, welches er anprangert.

    Im Wesentlichen bezieht sich der Autor letztlich auf die Problematik, es sei ausreichend Innovationskraft vorhanden, allein es sei Sache der Politik, dem Ei beim schlüpfen zu helfen. Unter Innovation versteht der Autor also etwas, was sich auf Wirtschaft, Technologie und wissenschaftlichen Fortschritt bezieht. Diese in jenen Bereichen tätige Innovationskraft benötige nun letztlich im bestehenden Kontext unseres gesellschaftlichen und politischen Gefüges der Unterstützung gerade dieser Politik, um aufzublühen. Die Politik solle den Weg weisen. Insofern sind die ansonsten durchaus treffenden Ausführungen als eine Reduzierung des Problems auf die wirtschaftlich – technologische Seite zu sehen.

    Die Kritik am herrschenden Stillstand – was anderes ist „positiv“ ausgedrückt ein Mangel an Innovation? – muß aber noch weitergehen.
    Es ist gerade die Gesellschaft und die hiervon abgeleitete Politik selbst, die eben jene eingeforderte Innovation verhindert. Es ist das System selbst, das zum Stillstand gekommen ist, so dass sich die Frage aufdrängt, ob das System aus sich selbst heraus überhaupt noch eine Reform und Erneuerung des Systems gewährleisten kann.

    Es sei nicht missverstanden, was hier unter dem Begriff System gemeint ist: nicht als ideologische Begrifflichkeit im Sinne einer Gegenüberstellung zweier weltanschaulicher Sichten, wie in der 68er Generation verwandt, sondern als Oberbegriff der Beschreibung unsere gesamten politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Ordnung, wie sie derzeit vor unseren Augen steht.

    Seit der Ära Kohl, mithin seit guten dreißig Jahren, ist es zu keinen wesentlichen Veränderungen dieser Grundordnung gekommen, seitdem herrscht Stagnation in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht. Daß sich etwas tun muß, Veränderung dringend erforderlich ist, wird von niemandem bestritten.
    Und so wurde auch in der Schröderzeit der erste zaghafte Versuch unternommen, über dessen Rückgängigmachung heute alledings wieder diskutiert wird. Die Gegenseite bezieht ihr Rezept unter dem Titel Neoliberalismus jedoch ebenso aus einer Idee, deren Wurzeln schon von erheblichem Alter zeugen (wozu bräuchte man sonst die Vorsilbe „Neo-“).
    Die große Koalition nun hatte, was Mehrheiten und Versprechungen anbelangte, alle Trümpfe in der Hand, um ein großes, wenn auch hartes und natürlich unbeliebtes Reformwerk anzupacken. Allein was an Erinnerung bleiben wird, ist eine Mehrwertsteuererhöhung und der Begriff des „moderierenden Führungsstils“, ein Euphemismus für Untätigkeit. Denn letztlich war es fehlender Wille, Angst vor dem Unbeliebtmachen, das Schielen auf die nächste Wahl, welches die große Koalition diese Chance – vielleicht die letzte – ungenutzt verstreichen ließ. Die Partner dieser großen Koalition dachten ausschließlich in ihrem erlernten politischen System, ohne jemals fähig zu sein über den Tellerrand hinauszuschauen, ohne den Mut zum großen Wurf zu haben, aus Furcht, hierfür abgestraft zu werden.
    Der andere möge den ersten Schritt machen, sich vorwagen, damit man im Zweifel bei Erfolg auf den fahrenden Zug aufspringen könne, bei Misserfolg die Verantwortung abwälzen könne.

    In Konsequenz waren es also sämtlich systemimmanente Gründe, die eine Reform des System aus sich selbst heraus verhinderten und auch verhindern. Daß die derzeit amtierende Regierung hieran wirklich etwas ändern könnte, daran dürften wohl die wenigsten, am wenigsten die derzeit Regierenden selbst glauben.

    Diese Stagnation der letzten dreißig Jahre wurde durch zwei objektive Gründe, die sich in fataler Weise subjektiv, auf die Mentalität der Gesellschaft auswirkten, gefördert und verstärkt.

    Das war zum einen der „Sieg“ der westlichen, kapitalistischen Weltordnung über den Kommunismus. Mit Clinton begann eine kurze, goldene Ära westlicher Dominanz, der Zenith wurde erreicht. Dieser Sieg bestärkte in dem Glauben, das bessere, stärkere System habe sich durchgesetzt, mit der Folge, dass man diesen status quo, diese pax americana nur erhalten müsse, um der Menschheit das Paradies auf Erden zu bringen. Das nichts wahrer ist als jene alte Weisheit: Alles fließt – wurde dabei übersehen.
    Es sei daran erinnert, dass ein amerikanischer Geschichtsphilosoph in einem vielbeachteten Buch „Das Ende der Geschichte“ proklamierte. Daß sich im menschlichen Leben, in menschlicher Entwicklung nichts auf Dauer konservieren lässt, sondern beständigen Veränderungen unterworfen ist, wich der Auffassung, mit dem Triumph der westlichen liberalen Demokratien sei in einer Art Abwandlung der aristotelischen Stufenlehre von der Entwicklung der Staaten deren absoluter, nicht mehr zu übertreffender Höhepunkt erreicht worden. Und diese Auffassung, diese Selbsteinschätzung herrscht im Kern bis heute noch vor. Wie überfordert hat der Westen auf das Phänomen des islamischen Terrors reagiert, wie hilflos steht der Westen den eben noch bemitleideten Drittweltländern gegenüber, die plötzlich zur Sonne streben und uns damit auch unseren Platz an derselben streitig machen, wer hatte 1990 Indien und China auf der Rechnung?

    Zum anderen ist innerhalb von lediglich drei Generationen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges etwas bemerkenswert seltenes, vielleicht einzigartiges geschehen.
    Diesen drei Generationen ist es in den westlichen Demokratien gelungen, binnen kürzester Frist einen derartigen Wohlstand zu generieren, wie es zuvor keiner Gesellschaft jemals gelungen war, wozu andere, historische Gemeinwesen, um einen zeitgemäßen „Sättigungsgrat“ zu erreichen, wesentlich länger, meist Jahrhunderte benötigten. Binnen nicht einmal hundert Jahren ist in unseren Gesellschaften dieser Sättigungsgrat in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit und Fülle erreicht worden, so dass sich eine Mentalität hieraus viel schneller entwickelte, deren Ziel es ist, weil man kaum mehr an Wohlstand erwirtschaften kann, diesen status quo zu bewahren, zu erhalten, zu konservieren. Wer jemals in einer beliebigen indischen Stadt einem Rikschafahrer zuhörte, der erklärt, die Plackerei auf sich zu nehmen, damit seine Kinder lernen könnten und es eines Tages besser hätten, wer sich hierbei an die Worte der eigenen Großeltern erinnert sieht, erkennt den kolossalen Unterschied.

    Als These sei also formuliert, dass das Problem mangelnder Innovation weniger ein technisches, wirtschaftliches ist, als vielmehr unsere politische, gesellschaftliche Ordnung an eine Grenze gestoßen ist, die daraus gezogen wurde, dass man bis vor einiger Zeit den eigenen Entwicklungsstand als der Weisheit letzten Schluß ansah und dazu überging, diesen status quo nicht mehr weiter zu entwickeln, vorwärts zu treiben und dem sich ewig ändernden Umfeld anzupassen, sondern höchstes Ziel die Bewahrung und Konservierung wurde. Unsere Gesellschaft ist also im Wortsinne nicht allein konservativ geworden, sondern reaktionär, deshalb, weil der bewahrende Stillstand gegenüber dem verändernden Fortschritt anderer Regionen und Länder sich als Rückschritt abzeichnet. Unser System ist unfähig geworden, sich selbst zu erneuern.
    Die politische Diskussion wird im wesentliche von Interessenverbänden geprägt, die zwar alle Reformwillen vorgeben, Reformbedarf aber beim jeweils anderen sehen und ihre entscheidende Aufgabe darin sehen, die Interessen, die Besitzstände, die Pfründe ihrer Mitglieder zu verteidigen. Woraus sich ein gordischer Knoten mit verschiedenen Enden bildet, an welchem alle kräftig in ihre Richtung ziehen, vorgeblich um ihn zu lösen, faktisch ihn aber immer weiter verfestigen.

    Dieser Zustand erinnert weniger an die von wenig historisch bewanderten proklamierten spätrömischen Zustände, als vielmehr an jene problematische Situation, in welcher sich Österreich – Ungarn vor dem ersten Weltkrieg befand. Beladen mit einer Vielzahl von internen Konflikten zwischen Parteien, die in unterschiedlichste Richtungen strebten, alle davon überzeugt waren, dass etwas geschehen, sich etwas verändern müsse, aber nicht willens waren im Interesse des großen und ganzen an der eigenen Position Abstriche zuzulassen sondern darauf verwiesen, ein anderer müsse den Anfang machen, nicht in der Lage auch nur andeutungsweise an einem Seil zu ziehen, ließ sich dieses Land nicht mehr aktiv regieren, sondern nur noch passiv verwalten, jeglicher Handlungsspielraum war als gemeinsame Schnittmenge aller Interessen auf ein Minimum reduziert, wobei Sinnbild dieses sprichwörtlichen Gewurschtels der große, alte Verwaltungskaiser Franz Josef wurde. Der „moderierende Führungsstil“ und mit diesem die Kanzlerin Merkel haben alles Zeug dazu, ebenfalls unheilvolles Sinnbild einer Zeit des verwalteten Stillstandes zu werden.

    Wir leben also im Stillstand, in einem neuen Zeitalter der Reaktion, dem gerade ein neues Biedermeier folgt: Eine kurze Epoche, die geprägt war vom Rückzug ins Private, wirtschaftliche Handeln und Leben als Folge darauf, in der Möglichkeit politischer Mitwirkung und Veränderbarkeit enttäuscht worden zu sein.

    Deshalb, und dies wird aus dem Kommentar des Autors deutlich, ist es zu kurz gedacht, die Sicht auf das Problem auf die wirtschaftlich – technologische Seite zu beschränken, im Gegenteil ist diese Sicht der Dinge gerade Zeichen jenes oben genannten „NeoBiedermeiers“.

    Angestoßen werden muß weitergehend eine Diskussion, die auch vor einigen heiligen Kühen nicht halt macht, die das verpönte und böse Wort des „Systemwechsels“ in den Mund nimmt, nicht als ideologisch verbrämte Floskel, sondern als konstruktiver Anstoß, auch zu akzeptieren, dass wir mit unserer eurozentrischen, westlich – liberalen Sicht der Dinge, mit unserer Idee des bewahrenden nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Daß wir eventuell, so stabil und unerschütterlich alles derzeit wirkt, gar nicht mehr soviel Zeit haben, um den Versuch der Modernisierung unserer Gesellschaft zu wagen, bevor wir von der Zeit, die selbst Fakten schafft, überholt werden. Unsere Gesellschaft, unser politisches System muß auf den Prüfstand, da es festgefahren ist, ohne dass allerdings, was zu befürchten ist, der Anstoß zu einer solchen Diskussion mit der Ächtung als „ideologischer Systemdisput“ totgeschlagen wird. Was passieren kann, wenn nichts passiert, wissen wir aus der Geschichte:
    Auf das Biedermeier folgte der Vormärz, auf das K.u.K. Gewurschtel….

  • Theeuropean-placeholder
    Christoph Blumberg – 20.03.2010 - 16:00

    Warum einfach wenn es auch kompliziert geht?
    Beide Kommentatoren hohlen hier schon die ganz große Keule raus. Der Versuch im Luhmannschen Sinne Systeme zu rekonfigurierien, die jeoch per definitionem nicht direkt beeinflusst werden können, muss scheitern.
    Es geht auch einfacher.
    Van Hippel z.B. hat in seiner viel beachteten 13jährigen Studie von 1988 festgestellt, dass Innovationen zu über 2/3 auf Feedback und Wissen vom Kunden zurückgeführt werden können.
    Da soll es einen nicht verwundern, dass – wie schon oft und zurecht exemplifiziert- innovative Unternehmen wie Apple, Google, Amazon etc. nicht aus Deutschland kommen…

  • Theeuropean-placeholder
    Tobias Knobloch – 01.04.2010 - 12:12

    Der Autor benennt sehr schön das zentrale Problem der deutschen Haltung gegenüber Innovativität: am liebsten staatlich verordnen.
    Das aber kann nicht funktionieren. Um innovativ zu sein, braucht es keine Gesetze und nur begrenzte staatliche Förderung. Vielmehr müssen die Menschen freiheitsliebend und risikofreudig sein.
    Entgegen landläufiger Ansichten braucht ein Land, brauchen Firmen, um innovativ sein zu können, auch Ressourcen, die der direkten Verwertungslogik entzogen sind (sog. slack resources). Cyert und March haben das schon in den 1960er Jahren in ihrem Buch “A behavioral theory of the firm” dargelegt. Bestätigt wird ihre Ansicht durch zahlreiche Poduktentwicklungsgeschichten (z.B. die des Kopierers oder des mp3-Formats) sowie durch die Organisationsstrukturen erfolgreicher – meist amerikanischer – Firmen, die in innovationsabhängigen Branchen agieren (z.B. Google).
    In Deutschland stehen die Zeichen leider in die genau entgegen gesetzte Richtung. Nicht nur, dass Innovationen als Ausfluss staatlicher Ordnungspolitik eine Fiktion sind, wie der Autor richtig betont. (Nebenbei bemerkt fließt schon wissenschaftliches Anwendungswissen nicht kaskadisch aus wissenschaftlichem Grundlagenwissen, wie die Wissenschaftstheorie unlängst erkannt hat.) Auch weisen politische Weichenstellungen wie die Reform der universitären (Aus-)Bildung in eine fatale Richtung: Sammeln, Sichern, Nachplappern – und das alles unter Druck. Wer soll dabei innovativ sein? Unter diesen Umständen nimmt es kaum wunder, dass Abbrecher, Umsteiger und Quereinsteiger seit jeher zu den kreativsten Köpfen zählen.
    Innovativität bedarf aber zusätzlich der Umsetzung – und die wiederum erfordert manche der als deutsch bezeichneten Tugenden: Beharrlichkeit, Fleiß, Frustrationstoleranz und auch ein gerüttelt Maß an Sicherheit.
    In diesem Licht betrachtet, nimmt sich der Versuch, ein Klima der Innovativität zu schaffen, wie die berühmte Kreisquadratur aus, da die notwendigen Ingredienzen widersprüchlicher Natur zu sein scheinen: Freiheit und Sicherheit, Spaß und Ernst. Doch der Widerspruch ist nur ein scheinbarer. Jeder neugierige, unerschrockene Entdeckergeist mit Durchsetzungswillen lässt sich weder von staatlicher Ordnungspolitik noch von fehlender Sicherheit schrecken – er innoviert einfach und hat Spaß dabei.

  • Theeuropean-placeholder
    Christoph Blumberg – 09.04.2010 - 13:11

    Super Kommentar Tobias.
    Was ich dem noch hinzufügen möchte ist, dass eine Definition von dem was der Autor unter dem schillernden Begriff der Innovation versteht die Debatte etwas einfacher gestaltet hätte.
    Und das schon Simon und March 1958! in ihrem viel beachteten Buch “Organizations” darauf verwiesen haben, dass die meisten Innovatoren findige Anwender und nicht Entdecker sind. Innovation ist nicht Invention, die kommerzielle Anwendung macht aus einer “Erfindung” erst eine Innovation. Aber hier kommen wir wieder auf das Definitionsproblem zurück. Ich persönlich halte es mit der Schumpeterschen klassischen Definition.

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