Der Getriebene

von Lars Mensel5.04.2013Gesellschaft & Kultur

Für Facebook ist Erfolg auf den Handymarkt Pflicht. Doch so visionär Mark Zuckerbergs neuste Vision auch klingen soll, sie ist eigentlich überflüssig.

bq. „Wir haben für Computer und was sie für unser Leben bedeuten noch keine klare Definition gefunden. Ich glaube, sie wird sich an erster Stelle um Menschen drehen.“

Am Donnerstagabend ließ Mark Zuckerberg ein wenig die Muskeln spielen. Facebook betrat den umkämpften Handymarkt mit seiner Trumpfkarte: dem enormen Datenschatz von den mehr als einer Milliarde Benutzern.

Immer mehr Werbung

In den vergangenen Monaten war viel über diesen Tag spekuliert worden. Dass Facebook an einem Auftritt für das Handy arbeitete, war klar – doch wie sollte dieser aussehen? Würden die Kalifornier ein eigenes Handy bauen, ein eigenes Betriebssystem entwickeln? Sicher war nur, dass Facebook zwangsläufig eine größere Rolle im mobilen Sektor spielen muss, denn es war schleichend von den großen Konkurrenten abhängig geworden: Auf Googles Android oder Apples iOS ist Facebook nur eine Applikation unter vielen. Das passte schlecht zu Zuckerbergs Vision, die Facebook im Zentrum aller Internet-Handlungen sieht. So betrachtet, ist das gestern vorgestellte „Facebook Home“ eine logische Entwicklung: Es verwandelt das Betriebssystem in eine Facebook-Oberfläche und stellt die eigentliche Plattform mit ihren vielen Apps, Funktionen und Schaltern hinten an. Beim Einschalten des Handys erwartet einen ein aufgeräumtes Interface mit großen Fotos – praktisch ein aufgeblasenes Facebook, aus dem man auch Zugriff auf seine ganz normalen Apps hat.

Der Ansatz ist clever. Er nutzt die Stärken des Unternehmens (es menschelt in der kalten, digitalen Welt) und verhindert gleichzeitig die Investition, die bei der Entwicklung eines eigenen Betriebssystems zwangsläufig angefallen wäre. Facebook Home nistet sich auf den Android-Handys ein und erfordert so weder den Bau eines eigenen Handys noch einer eigenen Plattform. Dass das nur auf Android funktioniert, hat einen einfachen Grund: Apple lässt eine derartige Modifizierung des Betriebssystems nicht zu. Google positioniert sich dagegen seit Jahren als „offene“ Alternative und “muss diese blaue Kröte daher schlucken”:http://www.theverge.com/2013/4/4/4184006/opportunity-meet-problem-facebook-home-uneasy-relationship-google.

Trotzdem wirkt Home wie Zuckerbergs Antwort auf eine nie gestellte Frage. „Endlich, eine Facebook-App, die mein Handy dominiert“ werden außer Zuckerberg nur ganz eingefleischte Fans ausrufen. Bereits beim Börsengang vor einem Jahr warnte (der zur Ehrlichkeit verpflichtete) Konzern, sein Geschäftsmodell könne nur dann funktionieren, wenn entweder immer neue Mitglieder gewonnen werden _oder_ die bestehenden Mitglieder sich intensiver mit dem Netzwerk beschäftigen würden. Heißt: Wenn mehr Zeit damit verbracht und somit mehr Reklame gezeigt werden kann. Facebook Home soll die Beziehung der Nutzer mit dem Produkt intensivieren – denn bei aller träumerischen Rhetorik über Menschen als Mittelpunkt des Computers steht für Facebook selbstverständlich der Gewinn im Zentrum – was man einem börsennotierten Unternehmen nicht direkt übel nehmen kann.

Zu banal

Die Frage ist also, ob diese Rhetorik auch die Nutzer überzeugt. Facebook Home ist zweifellos schön, aber seine bunte Welt mit großen Fotos voller grinsender Gesichter löst zu wenige echte Probleme, um die Installation zu rechtfertigen. Das Netzwerk bleibt also eher das, wozu es schon länger geworden ist: Eine nette Beschäftigung für nebenbei, die aber letztlich zu banal ist, um das Leben drumherum zu strukturieren. So betrachtet, klingen Zuckerbergs Worte über eine Neudefinition des Computers schon fast ein wenig verzweifelt.

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