Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Albert Einstein

Sch(l)eichende Entwicklung

Ehrgeizige Wirtschafts- und Bildungspläne sollen den Golfstaaten den Weg in die Zeit nach dem Öl weisen. Doch oberflächliche Veränderungen reichen nicht aus. Die politischen und ökonomischen Strukturen müssten von Grund auf verändert werden, erst dann kann sich zeigen, ob sich die Golfstaaten zu wichtigen globalen Akteuren entwickeln können.

Während des letzten Jahrzehnts haben sich die Golfstaaten als einflussreiche globale Akteure positioniert und ihren Fingerabdruck auf globalen Machtstrukturen hinterlassen. Die Basis dafür bildete der beispiellose Kapitalanstieg während des Ölpreisbooms zwischen 2002 und 2008. Die Golfstaaten waren durch ihre institutionellen und politischen Strukturen wie keine zweite Region in der Lage, die unerwarteten Profite langfristig zu nutzen. Gleichzeitig haben die strukturellen Veränderungen der globalen Wirtschaftsordnung und der Handelsrouten seit dem Beginn des Jahrhunderts dazu beigetragen, neue Märkte und Möglichkeiten in der Golfregion zu schaffen. Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate wurden zunehmend einflussreicher durch unabhängige Vermögensbildung und Investitionen in westliche Volkswirtschaften, während Saudi-Arabien international für die Stabilisierung der Ölpreise während des globalen Konjunkturabschwungs gelobt wurde.

Undurchsichtige Machenschaften

Gleichzeitig haben alle Golfstaaten Programme vorgelegt, die die Wirtschaft diversifizieren und auf eine Zeit nach dem Ölboom vorbereiten sollen. In manchen Bereichen trägt das bereits Früchte: Saudi-Arabien, Katar und Bahrain sind Marktführer auf dem Gebiet der Petrochemie und der Aluminiumindustrie. Doch Abhängigkeit von Kohlenwasserstoff ist geblieben. Und die politischen Strukturen haben sich auch nicht verändert. Skandale der letzten Jahre sowie die aktuellen Proteste machen deutlich, welchen Einfluss Familienverbände und undurchsichtige Machenschaften haben. Der Übergang zu transparenten Marktstrukturen mit hohen politischen und wirtschaftlichen Standards wird verkompliziert.

Besonders die Erfahrung Dubais ist ein warnendes Beispiel für den Versuch der Golfstaaten, einen ordnungsgemäßen Übergang zu bewältigen. Dubais schnellspuriges, regierungsgesteuertes Entwicklungsmodell sollte das Emirat ursprünglich in ein internationales Zentrum für Service und Logistik verwandeln. Das „Dubai-Modell“ stellt den radikalsten Versuch im Golf dar, sich in die Richtung einer ölunabhängigen Wirtschaft zu bewegen. Es gelang anfänglich, den Beitrag des Ölsektors zum Bruttoinlandsprodukt auf 5,1 Prozent bis 2006 zu senken. Aber es stellte sich heraus, dass es nicht in der Lage war, der globalen Wirtschaftsflaute standzuhalten. In den Jahren 2008 bis 2009 zeigten sich die Schwächen eines Systems, das auf der leichten Verfügbarkeit von Krediten und steigenden Immobilienpreisen basierte. Am Ende zählte doch wieder das Öl: Dubai erhielt Hilfszahlungen aus dem ölreichen Nachbarland Abu Dhabi.

Verkrustete interne Strukturen erneuern

Ein zweites Standbein soll durch Investitionen in den Wissenssektor geschaffen werden. Massive Investitionen in Bildung haben eindrucksvolle Resultate erzielt, wie die Gründung von Institutionen wie der King-Abdullah-Universität für Naturwissenschaften und Technik in Abu Dhabi beweist. Weltberühmte Universitäten haben ebenfalls Niederlassungen in Katar gebaut. Doch wieder einmal haben diese sichtbaren Reformen die notwendigen unsichtbaren Veränderungen unberührt gelassen.

Beide Beispiele zeigen, dass es einfach ist, Geld für neue Projekte auszugeben. Deutlich komplizierter dagegen ist der Versuch, verkrustete interne Strukturen zu erneuern. Bis solche Schwachstellen behoben werden, wird ein großes Fragezeichen über dem Potenzial der Golfstaaten als signifikante globale Akteure hängen.

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