Ägypten hat die Wahl. Zumindest theoretisch. Denn vieles deutet darauf hin, dass die Wahlen nicht frei sein werden.
Die erste TV-Debatte zwischen den beiden in Umfragen führenden ägyptischen Präsidentschaftskandidaten fokussierte sich auf die Vergangenheit beider Kandidaten und endete unentschieden.
Die jüngsten Proteste in Ägypten haben vor allem den religiösen Kandidaten geschadet. Gegenüber Muslimbrüdern und Salafisten herrscht mittlerweile ein tiefes Misstrauen. Die Propaganda der staatlichen Medien ist daran nicht unschuldig.
Die Muslimbrüder verlieren in den Umfragen kurz vor den Wahlen in Ägypten an Rückhalt. Jetzt läuft alles auf ein Duell zwischen dem ehemaligen Mubarak-Minister Amr Mussa und dem moderat-religiösen Abul Fotuh hinaus.
Der Ausschluss zahlreicher Kandidaten für das Präsidentenamt in Ägypten ist nur auf den ersten Blick glaubwürdig. Hinter den Kulissen werden strategische Überlegungen angestellt. Deren Folgen sind gravierend.
Droht Ägypten ein neuer Mubarak? Um dies zu verhindern, bringen die Muslimbrüder einen eigenen Kandidaten ins Spiel.
Die internationale Staatengemeinschaft steht vor einem Dilemma – denn ohne Waffengewalt wird das Morden in Syrien wohl nicht enden. Dann jedoch droht ein blutiger Stellvertreterkrieg. Doch die Alternativen sind ebenso wenig verlockend.
Die Muslimbrüder scheinen ihre Wahlversprechen in Ägypten einzuhalten. Die Konfrontation mit dem Militär aber scheuen sie – noch.
Die ägyptischen Muslimbrüder suchen händeringend nach einem zu unterstützenden Präsidentschaftskandidaten. Sollten sie nicht bald einen aus dem Hut zaubern, könnte es auf Mubaraks ehemaligen Außenminister Amr Moussa hinauslaufen.
Der ägyptische Militärrat hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Die 43 festgesetzten Europäer und Amerikaner müssen das innenpolitische Machtspiel nur ausbaden. Dass am Ende die Militärhilfe auf dem Spiel steht, muss den Übergangsrat dabei nicht stören.
Am Montag hat Ägyptens politisches System eine historische Wandlung vollzogen: Der regierende Militärrat hat ein frei gewähltes Parlament als Gegenspieler bekommen. Gleichzeitig hat sich damit auch institutionell das vollzogen, was schon seit Monaten immer offensichtlicher wurde: die Aufspaltung der Opposition in innerhalb des Systems und auf der Straße kämpfende Akteure.
Bei der Weihnachtsfeier in Ägypten hofierte der koptische Papst ausgerechnet die Generäle des herrschenden ägyptischen Militärrats. Mit seinem Verhalten versucht er, konservative Kirchenpolitik ins neue Ägypten zu retten.