Verurteilt mich; das hat nichts zu bedeuten; die Geschichte wird mich freisprechen. Fidel Castro

Viel Lärm um Lärm

Die Diskussion um Lärm ist hitzig – doch dabei werden oft die tatsächlichen Dimensionen des Problems außer Acht gelassen. Statt schlagworthafter Diskussion braucht es gemeinsame Lösungen von Luftfahrt und Bevölkerung.

Es wird derzeit viel Lärm um Lärm gemacht – und meist erscheint die Luftverkehrsbranche als Buhmann Nummer eins für aufgebrachte Bürger. Trotz der Lautstärke der Diskussionen um Flughäfen aber ist die Debatte wenig hilfreich für die Bürgerinnen und Bürger. Denn sie hat sich inzwischen weit von der Realität entfernt.

Wir brauchen gerade beim Thema Fluglärm mehr als Schlagworte. Denn das Thema ist komplex – und der Weg zu Lösungen auch.

Lärmbelastung ist nicht nur in Schallpegeln zu messen

Was ist eigentlich Lärm? Schon die Antwort auf diese Frage ist schwieriger, als man denkt. Eine Boeing 787 ist beim Start in 450 Metern Entfernung leiser als ein Rockkonzert. Eine Bruckner-Symphonie ist lauter als eine Kettensäge. Und manchmal kann das leise Ticken eines Weckers mehr stören als alles andere in der Welt.

Fakt ist, dass Lärmbelastung keineswegs nur einfach in Schallpegeln zu messen ist. Denn Lärmbelastung hat vor allem auch etwas damit zu tun, wie wir Lärm bewerten. Die Motoren der DC-3 zu Zeiten der Berliner Luftbrücke waren lauter als die der Flugzeuge von heute – und dennoch waren die Rosinenbomber vermutlich Musik in den Ohren der Berliner.

Weg von Schlagworten, hin zu wirklichen Lösungen, das bedeutet auch, Relationen nicht aus dem Auge zu verlieren. Nach den Zahlen des Umweltbundesamtes sind in Deutschland mehr als 4,2 Millionen Menschen von Straßenlärm über 50 dB in der Nacht belastet. Mehr als 3,7 Millionen sind nachts umgeben von Schienenlärm. Die Anzahl derer, die zu nächtlicher Stunde von Fluglärm betroffen sind, liegt laut Umweltbundesamt bei 259.100 in ganz Deutschland.
Tatsache ist, dass für die wenigsten Bürger das Leben wirklich leiser wird, selbst wenn kein einziger Flieger mehr an Deutschlands Himmel wäre.

Tatsache ist auch, dass das Schlagwort „Fluglärm macht krank“ von Wissenschaftlern wie z.B. dem Bremer Epidemiologen Eberhard Greiser nicht zur Aufklärung beiträgt, sondern zur Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger.

Denn in medizinischen Fachkreisen und auch in der Rechtsprechung stehen gerade Greisers Methoden inzwischen unter Dauerkritik. Der Vorwurf: Seine Gutachten klammern gleich eine ganze Reihe von Krankheitsfaktoren aus. So behauptet Greiser z.B. in einem Gutachten von 2009, dass Fluglärm zu Krebserkrankungen führt, ohne auch nur die Frage zu stellen, wer von den Erkrankten rauchte oder nicht.

Es sagt viel, dass selbst der Auftraggeber dieses Gutachtens – der Rhein-Sieg-Kreis – Greisers Ergebnisse so weit anzweifelte, dass er das Gutachten nicht zur Veröffentlichung freigab. Die Luftverkehrsbranche hat Verständnis für Menschen, die ihren Schlaf und ihre Lebensqualität geschützt sehen möchten. Daher mein Appell: Lassen Sie uns über Lösungen reden. Nicht über Feindbilder. Über konkreten Schallschutz, der konkrete Erleichterung für die Anwohner von Flughäfen bringt.

Lösungen sind komplex

Denn die Luftfahrt ist nicht Gegner, sondern Verbündeter der Betroffenen, wenn es um Lärm geht. Und sie ist hierbei Experte wie kaum ein anderer: Flugzeuge sind heute um 80 Prozent leiser als vor 60 Jahren. Die deutschen Flughäfen haben bereits über 500 Millionen Euro in passive Schallschutzmaßnahmen investiert; am Flughafen in Frankfurt nimmt die „Allianz für Lärmschutz“ weitere 335 Millionen für zusätzliche Maßnahmen in die Hand. Flugrouten werden so berechnet, dass sie – wie in Berlin – möglichst wenige Anwohner belasten. Und die Luftfahrt unterstützt die Lärmwirkungsstudie NORAH – Deutschlands erste groß angelegte Studie, die die Wirkung von Flug-, Schienen-, und Straßenlärm in seiner Gesamtheit erforscht.

Das Thema Verkehrslärm ist komplex. Die Lösungen dafür sind es auch. Alles andere ist nur Lärm um Lärm.

Hinweis der Redaktion: Die Investitionssumme in passiven Schallschutz stammt von einer Erhebung des ADV aus dem Jahre 2010 und bezieht sich auf die Zeit seit Ende der 70er-Jahre.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dirk Treber, Gunnar Suhrbier, Dieter Janecek.

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