Wir wollen freien Zugang zu Wissen und Kultur. Jens Seipenbusch

Partnerschaft auf Augenhöhe

Es geht nicht um "die Armen", es geht um individuelles Schicksal, um individuelle Solidarität.

Die Frage, ob Entwicklungshilfe in der Dritten Welt sinnvoll ist, stellt sich mir nicht. Entwicklungshilfe ist das falsche Wort, weil es die Passivität der Bedürftigen impliziert. Wir sprechen von Hilfe zur Selbstentwicklung – und wir handeln danach: Eigenengagement der Bevölkerung, der unbedingte Wille zur Zusammenarbeit mit dem Ziel der Selbstständigkeit sind Voraussetzung.

Und wie zynisch ist erst der Begriff Dritte Welt. Wir leben in e i n e r Welt, auf einem Planeten, auf unserer Erde. Die Unterscheidung in erste und dritte Welt ist unheilvoller Rest von Gedankengut der Kolonialherren. Was ich seit der Gründung von MENSCHEN FÜR MENSCHEN 1981 zu vermitteln versuche, ist die Einsicht in die Notwendigkeit von Solidarität von Individuum zu Individuum. Es geht nicht um eine anonyme Masse, um die “Ärmsten der Armen” – es geht um jeden einzelnen Menschen, Frauen und Männer, Mädchen und Jungen, Alte und Kinder, mit ihrem eigenen, individuellen Schicksal.

Es darf nicht hingenommen werden, dass weite Teile der Weltbevölkerung immer noch in extremer Armut leben, während auf der anderen Seite die Errungenschaften einer vernetzten Welt gefeiert werden. Dass finanzielle Ressourcen für die nachhaltige Beseitigung von Hunger und Armut existieren, zeigen die kostenintensiven Maßnahmen, die ergriffen werden, um die Folgen der globalen Wirtschaftskrise zu reduzieren.
Wir konzentrieren uns mit MENSCHEN FÜR MENSCHEN auf eines der ärmsten Länder dieser Erde – Äthiopien. Laut jüngstem Weltentwicklungsbericht der Vereinten Nationen, dem “Human Development Index”, rangiert das Land auf Rang 171 von 182 Staaten. Viele Jahre lang hatte Äthiopien die letzte Position inne.

Beständige Arbeit zeigt Wirkung.

Im Rahmen unserer “integrierten ländlichen Projekte” verzahnt MENSCHEN FÜR MENSCHEN gemeinsam mit der in der Region lebenden Bevölkerung Projekte aus den Bereichen Bildung, Landwirtschaft, Wasser, Gesundheit, Infrastruktur und Soziales. Wir haben mit den Spenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 230 Schulen, 5 technische Ausbildungsstätten, 1 Technische Fachhochschule, 7 Polikliniken, 3 Krankenhäuser, 86 Gesundheitsstationen oder 1.412 Wasserstellen gebaut. Mit dem Bau von Brücken und befahrbaren Wegen bekommen die Menschen in den entlegensten Gebieten des Landes Anschluss an Bildung und den wirtschaftlichen Kreislauf; mit breit angelegten Aufforstungen und Terrassierungen wird Landwirtschaft wieder möglich gemacht. Familienplanung, Aufklärungskampagnen über HIV/Aids und gegen die schädlichen Traditionen wie Genitalbeschneidung von Mädchen und Kinderheirat, haben das Bewusstsein verändert.

Hilfe zur Selbstentwicklung

Wir werden unsere Arbeit fortsetzen, solange sie notwendig ist. Aber wir haben viele unserer Projekte längst den Einheimischen übergeben, mit denen wir sie aufgebaut haben. Vier Millionen Menschen haben wir Zukunftsperspektiven eröffnen können. Vier Millionen Mal ein Mensch, dem unsere Spender ihre Solidarität geschenkt haben, vier Millionen Mal ein Mensch, der seine Selbstentwicklung in die Hand genommen hat.

Unsere wichtigste Aufgabe bleibt, alles dafür zu tun, dass Afrika, dieser Kontinent mit all seinen fantastischen menschlichen und wirtschaftlichen Ressourcen im Welthandel, in der Politik, in der Kultur ernst genommen wird als wertvoller gleichberechtigter Partner. Es geht nicht um Geben und Nehmen, es geht allein um Partnerschaft auf Augenhöhe.

Von Karlheinz und Almaz Böhm

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Andreas Brenner – 26.10.2009 - 00:22

    Vielen Dank dass Sie den Welthandel auf Augenhöhe als eine wichtige Aufgabe ansehen. Nach der Lektüre des Buches “The New Asian Hemisphere” muss ich glauben dass diese Ihre wichtigste Aufgabe sein sollte. Mich würde interessieren wie Ihre Insider-Ansicht zu den aktuellen Bemühungen Chinas ist, afrikaniche Resourcen zu nutzen. Ich sehe gute und schlechte Seiten, finde in der Presse aber weitestgehend negative Berichterstattung.

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