Wer glaubt, dass jeder Facebook-Kontakt ein Freund ist, der weiß nicht, was Freundschaft bedeutet. Mark Zuckerberg

Fleischhauers verquere Feminismuslogik

Frauen legen biologische Faktoren so aus, wie es ihnen passt, behauptet SPON-Kolumnist Jan Fleischhauer. Das ist nicht nur falsch, sondern zeugt auch davon, dass der Autor sich noch nie mit feministischen Theorien auseinandergesetzt hat.

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten, möchte man „SPON“-Kolumnist Jan Fleischhauer als Ratschlag mit ins Wochenende geben. Der hat bekanntlich so seine Probleme mit dem Feminismus im Allgemeinen und der Frauenquote im Besonderen. Manchmal ist das lustig zu lesen und anzuschauen (wie in diesem Video, wo Fleischhauer mit Franza Drechsel von den Grünen über geschlechtergerechte Sprache diskutiert).

Die Macht der Geschlechternormen

Lustig ist tatsächlich auch die neueste Kolumne von Fleischhauer – absurd lustig. Es geht um die Frauenquote und die Diskussion darüber, wie Unternehmen von einem höheren Frauenanteil profitieren können, d.h. inwiefern „weibliche“ Eigenschaften besser sind als „männliche“. Für Quoten-Gegner Fleischhauer eine wunderbare Gelegenheit, sämtliche Klischees auszupacken, die ihm mal eben so zum Thema Geschlechterrollen einfallen. In Bezug auf den Frauenanteil in Unternehmen und in der Wirtschaft schreibt Fleischhauer:

Offenbar hängt es am verfolgten Ziel, wie sehr man an die Macht der Biologie glaubt. Einigen wir uns vielleicht einfach darauf, dass Frauen sich dort grundsätzlich von Männern unterscheiden, wo dies von gesellschaftlichem Vorteil ist, und ansonsten Opfer ihrer Erziehung sind.

Lieber Herr Fleischhauer, so einfach ist es nicht. Zwar wird gerne so getan, als würden alle Feministen und Feministinnen der einen Religion anhängen (genannt „Gender“). Tatsächlich ist man sich innerhalb der Bewegung aber extrem uneinig darüber, wie sehr das Geschlecht (also die Biologie) soziales Verhalten bestimmt. Feministinnen wie Simone de Beauvoir oder Alice Schwarzer z.B. repräsentieren den sogenannten Gleichheitsfeminismus: Männer und Frauen sind grundsätzlich gleich, Unterschiede entstehen nur durch gesellschaftliche Machtstrukturen und eben Erziehung. Andere Feministinnen gehen von einer grundsätzlichen Verschiedenheit der Geschlechter aus, die aber nicht Grund für Benachteiligungen sein darf (Differenzfeminismus). Wiederum andere vertreten einen essentialistischen Feminismus, der Weiblichkeit als Maßstab anlegt, was im Extremfall sogar die Forderung nach dem Matriarchat beinhaltet. Diese Positionen sind hier nur sehr vereinfacht zusammengefasst – was jedoch reicht, um zu zeigen, dass biologisches und soziales Geschlecht keine Themen sind, zu denen alle Feministinnen die gleiche Meinung haben. Gleiches gilt für die Frauenquote.

Nachteil Mann

Fleischhauers Behauptung, Feministinnen würden sich biologische Faktoren, wenn es um die Quote geht, so hinlegen und sie so benutzen, wie es ihnen passt, ist deswegen schlicht und einfach falsch: Viele Feministinnen lehnen eine Frauenquote eben deswegen ab, weil sie nicht aufgrund ihrer Weiblichkeit bevorzugt werden wollen. Der Kolumnist sollte sich vielleicht einfach Folgendes merken: „Gender“ ist nicht die Antwort auf alles, das sieht man auch innerhalb des Feminismus so. Gendertheorien können allerdings ein hilfreiches Analyse-Instrument gesellschaftlicher Rollen sein, deren Prägung durch biologische Faktoren es zu hinterfragen gilt. Aber Hinterfragen scheint nicht wirklich Herrn Fleischhauers Stärke zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass er ein Mann ist. Denn die, wie jeder weiß, denken den ganzen Tag nur an Sex – und sich dabei umfassend über ein Thema zu informieren, ist eben schwierig.

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Julia Korbik: Ganz in Rosa gegen Sexismus

Leserbriefe

Aus der Kolumne

Das F-Wort

Ganz in Rosa gegen Sexismus

Big_bf7eadd2ec 3

Mit „Es reicht! Gegen Sexismus im Beruf“ hat Alice Schwarzer einen neuen Sammelband vorgelegt. Der bietet leider nichts wirklich Neues und hat vor allem ein großes Manko.

Small_77905b2b9b
von Julia Korbik
04.05.2013

Das Märchen von der „guten“ Feministin

Big_7c96058333 1

Über die eigene Magersucht zu schweigen, bedeutet nicht, die feministischen Ideale zu verraten.

Small_77905b2b9b
von Julia Korbik
30.03.2013

Oh, Mann

Big_18010d485a 12

Wie kann moderne Gleichstellungspolitik aussehen? Das fragt Markus Theunert in seinem neuen Buch – und entlarvt dabei augenscheinlich pro-feministische Männer als Saboteure der Emanzipation.

Small_77905b2b9b
von Julia Korbik
02.03.2013

Mehr zum Thema: Spiegel-online, Feminismus, Gender

Kolumne

Medium_625704e22f
von Jörg Friedrich
30.04.2013

Kolumne

Medium_056fc3650d
von Richard Schütze
22.04.2013

Debatte

Die Debatte um die Frauen-Quote

Medium_ddb1ce3369
5

(Alb)Traumquoten

Allenthalben wird die Frauenquote zum Kampfbegriff. Dabei wollen doch alle dasselbe. Oder etwa nicht? weiterlesen

Medium_b3ff33f52d
von Nils Pickert
19.04.2013
meistgelesen / meistkommentiert