Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten, möchte man „SPON“-Kolumnist Jan Fleischhauer als Ratschlag mit ins Wochenende geben. Der hat bekanntlich so seine Probleme mit dem Feminismus im Allgemeinen und der Frauenquote im Besonderen. Manchmal ist das lustig zu lesen und anzuschauen (wie in diesem Video, wo Fleischhauer mit Franza Drechsel von den Grünen über geschlechtergerechte Sprache diskutiert).
Die Macht der Geschlechternormen
Lustig ist tatsächlich auch die neueste Kolumne von Fleischhauer – absurd lustig. Es geht um die Frauenquote und die Diskussion darüber, wie Unternehmen von einem höheren Frauenanteil profitieren können, d.h. inwiefern „weibliche“ Eigenschaften besser sind als „männliche“. Für Quoten-Gegner Fleischhauer eine wunderbare Gelegenheit, sämtliche Klischees auszupacken, die ihm mal eben so zum Thema Geschlechterrollen einfallen. In Bezug auf den Frauenanteil in Unternehmen und in der Wirtschaft schreibt Fleischhauer:
Offenbar hängt es am verfolgten Ziel, wie sehr man an die Macht der Biologie glaubt. Einigen wir uns vielleicht einfach darauf, dass Frauen sich dort grundsätzlich von Männern unterscheiden, wo dies von gesellschaftlichem Vorteil ist, und ansonsten Opfer ihrer Erziehung sind.
Lieber Herr Fleischhauer, so einfach ist es nicht. Zwar wird gerne so getan, als würden alle Feministen und Feministinnen der einen Religion anhängen (genannt „Gender“). Tatsächlich ist man sich innerhalb der Bewegung aber extrem uneinig darüber, wie sehr das Geschlecht (also die Biologie) soziales Verhalten bestimmt. Feministinnen wie Simone de Beauvoir oder Alice Schwarzer z.B. repräsentieren den sogenannten Gleichheitsfeminismus: Männer und Frauen sind grundsätzlich gleich, Unterschiede entstehen nur durch gesellschaftliche Machtstrukturen und eben Erziehung. Andere Feministinnen gehen von einer grundsätzlichen Verschiedenheit der Geschlechter aus, die aber nicht Grund für Benachteiligungen sein darf (Differenzfeminismus). Wiederum andere vertreten einen essentialistischen Feminismus, der Weiblichkeit als Maßstab anlegt, was im Extremfall sogar die Forderung nach dem Matriarchat beinhaltet. Diese Positionen sind hier nur sehr vereinfacht zusammengefasst – was jedoch reicht, um zu zeigen, dass biologisches und soziales Geschlecht keine Themen sind, zu denen alle Feministinnen die gleiche Meinung haben. Gleiches gilt für die Frauenquote.
Nachteil Mann
Fleischhauers Behauptung, Feministinnen würden sich biologische Faktoren, wenn es um die Quote geht, so hinlegen und sie so benutzen, wie es ihnen passt, ist deswegen schlicht und einfach falsch: Viele Feministinnen lehnen eine Frauenquote eben deswegen ab, weil sie nicht aufgrund ihrer Weiblichkeit bevorzugt werden wollen. Der Kolumnist sollte sich vielleicht einfach Folgendes merken: „Gender“ ist nicht die Antwort auf alles, das sieht man auch innerhalb des Feminismus so. Gendertheorien können allerdings ein hilfreiches Analyse-Instrument gesellschaftlicher Rollen sein, deren Prägung durch biologische Faktoren es zu hinterfragen gilt. Aber Hinterfragen scheint nicht wirklich Herrn Fleischhauers Stärke zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass er ein Mann ist. Denn die, wie jeder weiß, denken den ganzen Tag nur an Sex – und sich dabei umfassend über ein Thema zu informieren, ist eben schwierig.
Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Julia Korbik: Ganz in Rosa gegen Sexismus


















