Das Wort „alternativlos“ benutze ich nie. Denn es gibt immer Alternativen. Die Frage ist nur: Sind die besser? Jörg Asmussen

Kein Lehrer im Wohnzimmer

Schulen erfüllen bereits ihren Dienst – sie können nicht auch noch die Verantwortung der Eltern übernehmen.

Schule hat einen zweifachen Auftrag: Sie muss den jungen Leuten erstens das Wissen und Können vermitteln, mit dem sie Ausbildung, Studium und Beruf bewältigen können. Die Basis dafür sind alle Schulfächer – im Besonderen die Kernfächer Deutsch, Fremdsprachen sowie die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften). In diesen Fächern werden breit angelegt Fertigkeiten vermittelt, die auch in einer sich ständig wandelnden Welt zukünftige Herausforderungen bewältigen lassen. Zu diesen Fertigkeiten gehört es an erster Stelle, sinnentnehmend lesen, differenziert recherchieren sowie mündlich und schriftlich verständlich kommunizieren zu können. Zweitens hat Schule die Aufgabe, die Heranreifung individueller Identität zu fördern sowie kulturelle Identität und damit Orientierung zu vermitteln. Hier leisten insbesondere die Fächer Geschichte, Politik, Geographie, Religionslehre/Ethik sowie die Fächer der ästhetischen Grundbildung (Kunst und Musik) einen wichtigen Beitrag. Erst wenn beides – Qualifikation und Orientierung – zusammenkommt, entsteht Mündigkeit.

Schule muss keinen Alltag bieten

Ein Schulfach „Alltag“ ist der falsche Weg, und es ist überflüssig. Was in einem solchen Fach gelehrt würde, ist bereits regelmäßig integraler Bestandteil aller Fächer. Wer eigens ein solches Fach kreieren möchte, muss sagen, welchen Unterricht er dafür streichen möchte. Denn auch für Schüler hat die Woche nur fünf Schultage und begrenzte Stundenkontingente.

Themen wie Arbeitsrecht, Altersvorsorge, Krankenversicherung, Bankverkehr, Mietrecht sind – je nach Bundesland – Bestandteil der Fächer Wirtschaft, Arbeit-Wirtschaft-Technik u. dgl. Dafür ist kein eigenes Fach notwendig. Mit gleichem Recht könnte man sonst auch Fächer wie Medien-Kunde, Freizeit-Erziehung, Konsum-Erziehung, Gesundheitserziehung, Ernährungslehre, Umwelt-Kunde und vieles mehr fordern. Die Folge einer Etablierung solcher Bindestrich-Fächer wäre, dass man die ohnehin schon reichlich knapp bemessenen Zeitkontingente herkömmlicher Schulfächer noch weiter dezimieren müsste und die Qualität schulischer Bildung darunter litte. Folge wäre aber auch, dass die Familien, konkret die Eltern, ihre Erziehungsaufgaben noch weniger ernst nähmen und noch mehr Verantwortung für den Alltag der Schüler an den Staat, sprich: an die Schule, delegierten. Was das Leben schon bietet und was Heranwachsende hoffentlich auch am Alltag ihrer Eltern mitlernen, das muss Schule nicht auch noch bieten.

Fokus auf Zukunftsaussichten

Berechtigt erscheint freilich ein konkretes Anliegen: Unsere jungen Leute, gerade auch die angehenden Abiturienten, befassen sich zu wenig mit Fragen ihrer beruflichen Zukunft, mit beruflichen Zukunftsaussichten und mit den Kriterien einer reifen Berufs- bzw. Studienwahlentscheidung. Hier ist in den Schulen schon einiges auf den Weg gebracht worden. In nahezu allen Bundesländern haben Schüler der Hauptschulen, Sekundarschulen, Gesamtschulen und Realschulen Betriebserkundungen und Betriebspraktika. Bei den Gymnasien hat sich Vergleichbares erst in den letzten Jahren etabliert. So gibt es etwa in den gymnasialen Oberstufen das Projekt BUS – Berufs- und Studienorientierung. Die angehenden Abiturienten kommen dabei mit Betrieben und mit Hochschulen in Kontakt – beispielsweise bei Schnuppertagen oder Beratungsprojekten. Gleichwohl gibt es hier noch Entwicklungspotenzial – seitens der Schulen, der Kammern, der Betriebe und der Hochschulen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Patrick Meinhardt, Sandra Scheeres, Kaija Landsberg.

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