Seit es uns Menschen gibt, sind wir von ansteckenden Krankheiten und Seuchen bedroht. Mit der Einführung von Antibiotika und Impfstoffen wurde Infektionskrankheiten insbesondere in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine abnehmende Bedeutung in den Industrieländern attestiert. Viele Kinderkrankheiten verloren ihren Schrecken. Eine verbesserte individuelle Hygiene und die Verwirklichung seuchenhygienischer Maßnahmen vor allem im Trink- und Abwasserbereich trugen dazu bei, dass das Ausmaß der Infektionskrankheiten deutlich rückläufig war.
Neue Herausforderungen für die Medizin
Erst mit dem Auftreten von AIDS und neuer, bisher unbekannter Infektionen wie der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) begann ein Umdenken. Seitdem fordern immer weitere Erreger die Medizin im weitesten Sinn heraus, so wie z.B. Ebola, die Vogelgrippe, die Schweinegrippe, der SARS-Erreger und nun der EHEC-Erreger. Tatsächlich wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten praktisch jedes Jahr ein neuer Krankheitserreger identifiziert. Infektionskrankheiten gelten als zweithäufigste Todesursache weltweit.
Gerade in den Industrieländern ist die Rückkehr von Infektionskrankheiten durch die Menschen selbst verursacht. Technologischer Fortschritt, mangelnde Technikfolgenabschätzung, Veränderungen der Umwelt und im Lebensstil sind nur einige Ursachen.
Hinzu tritt die weltweite Vernetzung der Menschen und der Wirtschaft. Die stark erhöhte Mobilität der Menschen und der internationale Austausch von Waren führen dazu, dass Infektionskrankheiten keine regionalen Ereignisse bleiben. Am aktuellen Beispiel EHEC zeigt sich einmal mehr, dass sich Infektionskrankheiten in Zeiten der Globalisierung schnell ausbreiten können.
Zudem fördert der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika sowohl in der Humanmedizin als auch in der Tiermast die Resistenzentwicklung bei Bakterien. Dies gefährdet die Therapierbarkeit von Infektionskrankheiten.
Aus all diesen Gründen werden Infektionskrankheiten für das Krankheitsgeschehen in den Industrieländern an Bedeutung gewinnen mit drastischen Folgen für die Betroffenen, die Gesellschaft und die Wirtschaft. Wir brauchen deshalb ein Umdenken in der Gesellschaft und der Wirtschaft, um Infektionskrankheiten präventiv zu begegnen.
Prävention statt Krisenplanung
Erfahrungen mit neuen Erregern haben in der Vergangenheit aber auch gezeigt, dass die Ausbreitung von Infektionskrankheiten, gegen die es zunächst keine Impfungen und Therapien gibt, zu stoppen ist. Wesentliche Voraussetzungen sind eng zusammen arbeitende Gesundheitssysteme mit gut vorbereiteter Infrastruktur, bereitstehenden Maßnahmenkatalogen und rasch verfügbaren Informationsangeboten für die Bevölkerung. Pandemieplanungen wie im Fall der Influenza sowie die Europäische Frühwarn- und Reaktionssysteme sind nur zwei Beispiele für die internationale Zusammenarbeit.
In Deutschland haben wir mit dem Robert-Koch-Institut, dem Bundesinstitut für Risikobewertung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wirksame Instrumente für die Prävention, Aufklärung, Erkennung und die Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Informationen und insbesondere auch Verhaltenshinweise für die Menschen sind wie aktuell im Fall von EHEC hier abrufbar.
Angst, Panik und Hysterie sind bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten die schlechtesten Berater. In der aktuellen Situation besteht Anlass zur Vorsicht und zu einem verantwortungsvollen Handeln. Das besonnene Verhalten der Menschen gibt Grund zur Annahme, dass sowohl die aktuelle Situation wie auch künftige Epidemien durch Information und eine gute Zusammenarbeit der Verantwortlichen bewältigt werden können.














