Erst haben die Menschen das Atom gespalten, jetzt spaltet das Atom die Menschen. Gerhard Uhlenbruck

Koks für die Wirtschaft

Eine sinnvolle und nachhaltige Energiewende wird ohne Kohle nicht möglich sein. Zu unsicher die bisherige Versorgung mit Ökostrom, zu unsinnig nationale Alleingänge. Wir brauchen politische Zusammenarbeit in Europa, um die Energieversorgung umzubauen.

Die energiepolitische Debatte wird in Deutschland auch nach dem Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie weiterhin intensiv geführt. Um die Frage „Können die erneuerbaren Energien die Kernenergie und zunehmend auch die Kohle ersetzen?“ ist ein regelrechter Glaubenskrieg entbrannt. Unstrittig ist der weitere ambitionierte Ausbau der Erneuerbaren. Der dafür angestrebte Umbau der Energieversorgung steht jedoch auf tönernen Füßen, denn Wunschdenken und Utopien können die Gesetze der Physik und Ökonomie nicht außer Kraft setzen – diese Gesetze zu missachten, setzt die Sicherheit und Bezahlbarkeit der Stromversorgung aufs Spiel.

Maximal zehn Prozent der installierten Leistung erneuerbarer Energien gelten als gesichert. Die Probleme lang anhaltender Flauten sowie geringer Verfügbarkeit der Solarenergie sind ungelöst. Bei einem angenommenen Anteil der Erneuerbaren von 80 Prozent am Stromverbrauch 2050 wären die Herausforderungen gewaltig: Wollten wir nur Speicher zum Ausgleich einsetzen, müssten die heutigen Speicherkapazitäten um das 250- bis 300-Fache erhöht werden. Deshalb brauchen wir für diese Flaute-Phasen weiterhin konventionelle Kraftwerke, die die erneuerbaren Energien flexibel ergänzen und wetterunabhängig die Leistung bereitstellen, die für eine sichere Stromversorgung nötig ist.

Die Lösung heißt Ehrlichkeit

Welche Rolle spielt die Kohle dabei? Mit nahezu 45 bzw. 25 Prozent ist sie ein zentraler Eckpfeiler in der deutschen und europäischen Erzeugungsstruktur. Und wir benötigen die Kohle – da sind sich Experten einig – noch für weitere Jahrzehnte in Deutschland, in Europa sowie weltweit. Auch wenn es nicht in das Bild mancher Kohlekritiker passt: Kohlekraftwerke stehen sicher zur Verfügung und leisten schon heute einen Beitrag, die Schwankungen der erneuerbaren Energien intelligent und flexibel auszugleichen: Moderne, hocheffiziente Anlagen ändern ihre Einspeisung so flexibel wie moderne Gaskraftwerke.

Wie kommen wir nun zu einer offenen Diskussion über den „richtigen Weg“ der Stromversorgung? Die Lösung heißt Ehrlichkeit, denn die Grundrechenarten sind nicht durch guten Willen und Glaubensbekundungen zu ersetzen. Zur Ehrlichkeit gehört natürlich auch die Einsicht, dass die Kohleverstromung mit CO2-Emissionen verbunden ist. Deshalb müssen wir den eingeschlagenen Weg, Kohlekraftwerke sauberer zu machen, fortsetzen. Der konsequente Kurs der Modernisierung und Effizienzsteigerung sowie die Anstrengungen in Forschung und Entwicklung sind die richtigen. Neue Kohlekraftwerke verfügen inzwischen über einen Wirkungsgrad von bis zu 46 Prozent, das sind 30 Prozent mehr als bei älteren Anlagen.

Keine Sonderwege mehr

Nationale Sonderwege wie absolute CO2-Minderungsziele für einzelne Energieträger oder Regionen führen in die industriepolitische Sackgasse und leisten keinen Beitrag zum Klimaschutz. Denn der CO2-Ausstoß wird durch den europäischen Emissionshandel begrenzt: regional eingespartes CO2 würde an anderer Stelle ausgestoßen. Rein nationale Entscheidungen zur Energiepolitik gibt es in Europa nicht, dafür sind die Märkte zu eng miteinander verflochten.

Insofern ist politische Zusammenarbeit in Europa beim Umbau der Energieversorgung unverzichtbar. Widerstände gegen die eingeschlagene Richtung wie auch gegen einzelne Maßnahmen werden nur überwunden, wenn Politik, Unternehmen und Bürger die notwendigen Schritte gemeinsam diskutieren und am Ende auch gemeinsam durchsetzen. Die Kohle wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    neon-golden – 25.07.2011 - 20:31

    Eine Stimme der Vernunft im Land der Öko-Ideologen, die die nächste Diktatur – natürlich eine gute Diktatur, weil ökologisch – herbeireden.
    Danke.
    Was für eine Hybris und Dummheit hinter der Anmaßung stecken, man könne so etwas wie das Wetter beeinflussen oder sogar das Klima “retten” ist sehr schön nachzulesen bei: http://www.eike-klima-energie.eu/

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    Peter Wallenstein – 02.08.2011 - 15:14

    Guten Tag neon-golden,
    schön, dass Ihnen die Lust an der Verschwörungstheorie immer noch nicht abhanden gekommen ist. Viele Grüße auch an Ihre Fans von der Tea-Party.

    Zum Thema Öko-Diktatur: Da bewegen Sie sich ja leider ein paar Monate hinter dem aktuellen Diskurs-Status – sie bilden sozusagen den ‘Besenwagen’ der Debatten-Tour.
    Um Ihnen mal ein Bild von der ‘Spitzengruppe’ zu geben: Wer heute immer noch glaubt, dass es bei Klima-, Energie- und Umweltpolitik um die Beschränkung von persönlichen Freiheiten geht, der diskutiere dies doch z.B. mit Menschen aus China. Dort wird ohne Rücksicht auf Verluste zum Wohl des Wirtschaftswachstums und völlig befreit von ‘Öko-Zwängen’ geholtzt, planiert, verseucht, zerstört.
    Und auch wenn man nicht an den Klimawandel ‘glauben’ würde, muss einem doch schon der gesunde Menschenverstand sagen, dass jegliche Verschwendung endlicher Ressourcen und jegliches unkalkulierbare Risiko (Atommüll) vermieden werden sollte.

  • Avatar
    Peter Wallenstein – 02.08.2011 - 15:19

    Es ist klar, dass die Lobbyisten der großen Energiekonzerne immer noch um ihre Pfründe kämpfen. Daher ist in dem Text ja auch von einer Senkung des Energieverbrauchs durch eine Effizienzsteigerung bei den Verbrauchern nicht die Rede, um nur eine Schwäche dieses Beitrages zu nennen.
    Wesentlich konsequenter durchdacht erscheint mir dagegen folgende Stellungnahme:
    http://www.zeit.de/2011/31/Energiewende-Atomausstieg

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