Friseurgespräche sind der unwiderlegliche Beweis dafür, dass die Köpfe der Haare wegen da sind. Karl Kraus

Verändern Sie die Welt!

Warum ich das hier aufschreibe? Weil ich gerade auch jungen Mädchen und Frauen Mut machen will, neue, ungewohnte Wege einzuschlagen. Ich weiß, wie viel Kraft es kostet, sich von einer gewohnten Umgebung zu verabschieden und sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Mein Elternhaus steht an der Elbe – nicht weit von Torgau in Sachsen. Wir hatten einen Bauernhof. Damals, in den fünfziger Jahren in der DDR, wurde man damit nicht reich. Aber es hat zum Leben gereicht. Hof und Grund gehören uns noch heute.

Dass ich eines Tages Bundesministerin für Bildung und Forschung sein würde, in einem vereinten Deutschland und einem befriedeten Europa, das war mir nicht in die Wiege gelegt.
Aber vieles ist möglich, wenn man sich selbst etwas zutraut und Dinge auch einfach erst mal ausprobiert. Das habe ich gelernt und dafür bin ich sehr dankbar.

Ich war die erste in meiner Familie, die studiert hat

Ausgebildet bin ich eigentlich als Agrotechnikerin. Ich kann also auch Trecker fahren. Aber dann konnte ich doch Mathematik studieren, ein Fach das mich bis heute fasziniert. Eine Welt der Ordnung und der Schönheit. Ich war übrigens die erste in der Familie, die studiert hat.

Deshalb weiß ich genau, wie sich das anfühlt, und das dazu auch Mut gehört. Bereut habe ich diese Entscheidung nie. Auf einer Mathematik-Olympiade habe ich zudem schon früh meinen Mann, den Vater meiner Kinder, kennengelernt, und die Ehe hält bis heute.

Berufliches und Privates gingen also Hand in Hand. Das hat viele Herausforderungen leichter gemacht.

Die friedliche Revolution und der Fall der Mauer haben mein Leben verändert

Als Oberassistenten haben mein Mann und ich später an der Hochschule in Merseburg im heutigen Sachsen-Anhalt gelehrt. Die friedliche Revolution und der Fall der Mauer 1989 haben dann unser und mein Leben auf den Kopf gestellt.

Wir haben uns in der Bürgerbewegung engagiert. Plötzlich öffneten sich Chancen, die vorher undenkbar waren.
So konnten mein Mann und ich doch noch Professoren werden, was uns die DDR vorher verwehrt hatte, weil wir beide nicht in der SED waren. In Merseburg wurde ich zur Rektorin der dortigen Fachhochschule gewählt.

Im Jahr 2000 berief mich der damalige brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe als Wissenschaftsministerin in sein Kabinett.

Im Jahr 2010 habe ich die gleiche Aufgabe in der Landesregierung Niedersachsen unter Ministerpräsident Christian Wulff übernommen, bis mich im Frühjahr 2013, ein halbes Jahr vor der letzten Bundestagswahl, Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Bundesministerin für Bildung und Forschung machte.

Ich möchte jungen Frauen Mut machen

Warum ich das hier aufschreibe? Weil ich gerade auch jungen Mädchen und Frauen Mut machen will, neue, ungewohnte Wege einzuschlagen. Ich weiß, wie viel Kraft es kostet, sich von einer gewohnten Umgebung zu verabschieden und sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Nicht immer klappt alles. Es gibt auch Niederlagen. Das gehört zum Leben dazu. Und es hilft sehr, wenn da im entscheidenden Moment auch Menschen sind, die einem erst einmal etwas zutrauen. Aber das Entscheidende ist, nichts für selbstverständlich und unabänderlich zu halten.

Heute sind die meisten Frauen auch im Westen, in der DDR war das schon früher so, berufstätig. Das ist ganz wichtig, weil es das eigene Selbstbewusstsein stärkt, wenn man als Frau nicht vom Einkommen eines Mannes abhängig ist.

Leider ist es aber noch immer so, dass Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen deutlich unterrepräsentiert sind.

Der Wille etwas zu ändern ist entscheidend

Das hat auch Auswirkungen auf ihr Gehalt, weil gerade in diesen Bereichen oft mehr und besser verdient wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass auch Frauen einen Kopf für Mathematik und Natur- oder Ingenieurwissenschaften haben.

Sie müssen es nur ausprobieren, und das darf ruhig im Haus der Kleinen Forscher schon vor der Schule beginnen und sollte nicht vor den Pforten der Universität enden.

Vieles ändert sich, zum Glück. Vor gut hundert Jahren war es kaum denkbar, dass auch Frauen etwa Ärztinnen sein können. Heute nehmen mehr Studentinnen ein Medizinstudium auf als Studenten.

In anderen Ländern wie etwa Russland, Brasilien oder Frankreich gibt es etwa schon heute prozentual viel mehr Frauen als Mathematikprofessorinnen als bei uns.

Warum soll sich also auch in Deutschland nicht noch etwas verändern? Mein Ministerium unterstützt das auch unter anderem mit dem Professorinnen Programm.

Veränderung ist möglich. Das habe ich in meinem Leben immer wieder erfahren. Doch das Entscheidende ist und bleibt der Wille der Menschen, etwas verändern zu wollen.

Deshalb ganz einfach: Trauen Sie sich etwas zu und verändern Sie die Welt!

Quelle: Huffpost

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Christina Rauch, Jens Spahn, The European.

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