Den ungerechtesten Frieden finde ich immer noch besser als den gerechtesten Krieg. Marcus Tullius Cicero

Circle Culture Gallery, Berlin, zeigt: „2 cm über dem Zenit“

Die Circle Culture Gallery ist eine der wichtigen Galerien für zeitgenössische Kunst, regelmäßig ist sie auf den internationalen Kunstmessen vertreten. Gegründet wurde sie im Jahr 2001 von Johann Haehling von Lanzenauer und Dirk Staudinger in Berlin. Die von der Galerie vertretenen Künstler lassen sich in kein Genre pressen. Susanne Lettner sprach mit Johann Haehling von Lanzenauer.

Susanne Lettner: Die Circle Culture Gallery wurde von dir 2001 initiiert. Wie hat es sich ergeben, die Galerie zu eröffnen und was hat dich dazu motiviert?

Johann Haehling von Lanzenauer: Zu Beginn waren wir ein Projektraum für junge Kunst und Kultur. Dirk Staudinger und ich luden kreative Freunde aus der ganzen Welt ein um ihre Projekte aus Fotografie, Street Art, Avantgarde Mode, Musik und bildender Kunst zu zeigen. Eine Leidenschaft. Es ging nicht um Verkauf, sondern darum der Berliner Szene eine internationale Plattform zu geben. Finanziert haben wir das durch unsere kreative Beratungsagentur Cc:. Es war purer Idealismus und Kulturaktivismus der uns dazu getrieben hat. Nach einigen Jahren hatte sich das Programm komplett der bildenden Kunst zugewendet. Es entstand ein Markt und eine starke Nachfrage, was uns dazu veranlasste unsere Passion zu professionalisieren und aus dem ehemaligen Projektraum eine kommerzielle Galerie zu etablieren. Heute haben wir drei Galeriestandorte in Berlin und Hamburg und stellen auf internationalen Messen aus.

Susanne Lettner: Die Circle Culture Gallery vertritt zeitgenössische Künstler. Die Anfänge der Galerie liegen in der Street Art und Urban Art. Welches Konzept verfolgst du aktuell in deiner Arbeit als Kurator und Galerist?

Johann Haehling von Lanzenauer: Unsere Geschichte und Entwicklung liegt in der Tat in den urbanen Subkulturen. Heute würde ich unser Programm aber schlichtweg als zeitgenössische Kunst bezeichnen. Was aus den Subkulturen der 2000er übrig blieb, ist lediglich eine Haltung sowie spezifische technische und inhaltliche Ansätze. Ein gutes Beispiel dafür ist XOOOOX, der heute fast nur noch abstrakte Malerei und Installationen zeigt. Der berühmteste Deutsche Street Art Künstler hat ein Jahrzehnt lang Schablonen von Frauen gesprüht und immer die Inspiration auf der Strasse gesucht. Diese Energie spürt man heute in seiner Malerei und Fotografie sehr stark. Nun wollte XOOOOX sich künstlerisch weiterentwickeln und hat sich von den Street Art Klischees, die er selbst geprägt hat, etwas distanziert. Er destilliert seine Erfahrungen von der Straße. So wie man einen feinen Weinbrand herstellt: Das beste, der Geist der Frucht bleibt übrig. Auch Jean-Michel Basquiat hat seine Erfahrungen als Street Artist in die Malerei übersetzt. Circle Culture befasst sich heute aber auch mit ganz klassisch, akademischen Positionen, so wie bei dem sehr talentierten Lennart Grau.

Susanne Lettner: Welchen deiner präsentierten Künstler sollte man auf jeden Fall im Auge behalten?

Johann Haehling von Lanzenauer: Die isländische Künstlerin Katrin Fridriks feiert große Erfolge in Auktionshäusern wie Sotheby’s und Phillips. Ihre wunderbaren, sehr expressiven und Kraftvollen abstrakten Malereien sind sehr gefragt. Ich freue mich für Katrin, sie ist eine der wenigen weiblichen Malerinnen, die sich tatsächlich im globalen Markt durchsetzen.

Susanne Lettner: Die Circle Culture Gallery ist an zwei Standorten vertreten – in Berlin und Hamburg. In Berlin seid ihr neben der Gipsstraße noch in die Potsdamer Straße eingezogen. Wie kam es dazu?

Johann Haehling von Lanzenauer: Wir behalten unsere Fläche in der Gipsstrasse. Die Galerie in der Potsdamer Straße ist das Ergebnis einer langen Suche. Wir brauchten dringend größere Flächen für unsere Ausstellungen. Unsere Künstler sind es zunehmend gewohnt ihre Kunst museal zu inszenieren. Außerdem sind wir ein Team von sieben bis neun Mitarbeitern, die 140 Quadratmeter auf der Gipsstraße wurden einfach zu eng. Nun verfügen wir über 560 Quadratmeter. Eine schöne neue Herausforderung, so zu kuratieren.

Susanne Lettner: Eure Retrospektive von Sister Corita Kent war sehr beeindruckend. Kannst du mehr dazu sagen?

Johann Haehling von Lanzenauer: Genau, bei uns zu sehen gab es die Retrospektive der „Pop Art Nonne" Sister Corita Kent in der Berliner Potsdamerstrasse 68. Ernsthaft: Eine katholische Nonne, die schon in den 50 Jahren anfing, inspiriert von der Ästhetik der amerikanischen Werbeindustrie, Pop Art zu machen. Corita hat die Idee der Pop Art historisch mit geprägt. Noch Jahre vor Andy Warhol. Ihre Kollaborationen und Freundschaften mit Alfred Hitchcock, Ray & Charles Eames sowie dem legendären Grafiker Saul Bass unterstreichen ihren Einfluß auf die amerikanische und damit globale Kulturgeschichte. Ein sehr eindrucksvolles und schrilles Lebenswerk, das die Kuratoren Aaron Rose und Sasha Carrera kuratorisch begleiteten. Die beiden Kalifornier zeigten Arbeiten aus drei Jahrzehnten, sowie Filme und Installationen. In einer Workshop-Ecke konnten die Besucher Werke kreieren im Sinne von Corita Kent.

Susanne Lettner: Am 26. Februar 2016 eröffnete in der Berliner Galerie die Ausstellung „2 cm über dem Zenit" des Berliner Künstlers Lennart Grau. Welche Werke gibt es dort zu sehen?

Johann Haehling von Lanzenauer: Die Ausstellung präsentiert opulente und farbenprächtige Gemälde. In seinen Werken überträgt Lennart Grau Sujets und Vorlagen der Vergangenheit in eine gegenwärtige Malerei. Seine Kunst zeichnet sich dabei durch eine Übersteigerung aus, welche den oberflächlichen Glanz der vergangenen Epochen sprichwörtlich schmelzen lässt.

Hat Ihnen das Interview gefallen? Lesen Sie auch ein Gespräch mit Dilek Kolat: „Berlins Arbeitsmarkt ist eine Herausforderung“

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