Die Beamten denken und der Minister hält die Festreden. Norbert Blüm

Mit König gegen Papst

Der Christopher Street Day ist und bleibt wichtig – denn auch heute sind Lesben, Schwule und Transsexuelle noch weit von der Akzeptanz in unserer Gesellschaft entfernt.

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Wer glaubt, die gesellschaftliche Liberalisierung habe den CSD überflüssig gemacht, der irrt. Viel zu oft finden auch heutzutage noch Pöbeleien, Beleidigungen und gezielte Gewalt gegen Lesben, Schwule und Transgender statt. Und wir müssen mit großer Sorge zur Kenntnis nehmen, dass „schwul“ das Schimpfwort Nummer 1 an Schulen ist, nicht selten verbunden mit Ausgrenzung und Mobbing.

Diesen gesellschaftlichen Missständen muss man entschieden entgegentreten; der CSD ist eine Möglichkeit, sich für die eigenen Rechte einzusetzen. Als Lesben- und Schwulenverband (LSVD) wirken wir natürlich beim CSD 2011 mit. Wir sind eine Bürgerrechtsorganisation und arbeiten darauf hin, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Hierfür muss man die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft für die eigenen Anliegen gewinnen.

Mit Papa-Mobil und Päpstinnen

So werden wir in diesem Jahr bei der Demonstration auf die menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik des Papstes hinweisen. Ein wichtiges politisches Thema. Dabei machen wir uns aber auch plakative und witzige PR-Gags zunutze. Mit Papa-Mobil, Päpstinnen, DJ und Ralf-König-Karikatur wollen wir auf unser Anliegen aufmerksam machen. Zu einer unpolitischen Party wird der CSD deswegen aber noch lange nicht.

Beim CSD geht es vielmehr darum, für gleiche Rechte auf die Straße zu gehen. Wir als LSVD setzen uns für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sowie gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgender in allen Bereichen der Gesellschaft ein. So sollen z.B. auch die lesbische Soldatin und der schwule Polizeibeamte die gleichen Möglichkeiten haben wie ihre heterosexuellen Kolleginnen und Kollegen. Und homosexuelle Eltern müssen bei der Familienpolitik endlich mitgedacht werden.

Der CSD widmet sich drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen, in diesem Jahr insbesondere dem Thema Homophobie im Sport. Sei es in Dresden oder Berlin, es wird gegen die Ausgrenzung, Tabuisierung und Diskriminierung im Sport ein deutliches Zeichen gesetzt. DFB-Präsident Theo Zwanziger unterstützt den CSD in Berlin persönlich.

Darüber hinaus findet eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte statt, u.a. bei einer Gedenkstunde für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Hier wird auch die politische Forderung nach Rehabilitierung deutlich herausgestellt.

Gleichberechtigung und Lebensfreude

Beim CSD wird aber auch gefeiert. Trotz nach wie vor existierender Diskriminierung, Ausgrenzung und zahlreichen – insbesondere gesetzlichen – Benachteiligungen demonstrieren Lesben, Schwule und Transgender fröhlich und selbstbewusst für ihre Rechte. Sie zeigen, dass man den gesellschaftlichen Herausforderungen und Missständen auch mit Humor und optisch überraschend begegnen kann. Menschen mit und Menschen ohne Migrationshintergrund, Familien, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung – alle Bevölkerungsgruppen finden sich beim CSD wieder. Der CSD ist eine sehr einladende Demonstration, bei der viele Menschen mitfeiern, auch ohne selbst lesbisch oder schwul zu sein. Die Demonstration wird vom Streben nach Gleichberechtigung und Lebensfreude getrieben.

Und wem das zu wenig ist und sich in den Niederungen der Lobbyarbeit verdient machen will, ist an den anderen 364 Tagen im Jahr herzlich willkommen beim Lesben- und Schwulenverband in Deutschland und seinen Landesverbänden, dann aber leider ohne Papa-Mobil und DJ.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Thaihead – 10.07.2011 - 17:54

    Hallo Herr Steinert,

    leider lassen Sie unerwähnt, von wen die Diskriminierungen gegen Schwule hauptsächlich in westeuropäischen Großstädten ausgehen – von Asiaten?,von Christen?, von Juden oder Buddhisten etc etc?
    Wir wissen alle von wen es weit überproportional ausgeht. Und Christen wollen uns auch nicht steinigen, nichteinmal die reaktionärsten und konservativsten, im Islam allerdings schon.
    Wie wäre es einmal, wenn Sie sich auf die wirkliche Bedrohung konzentrieren, den konservativen und politischen Islam, der immer mehr Einfluß in Europa gewinnt.

    Wer auf diessem Auge blind ist, ist nicht glaubwürdig.

  • Theeuropean-placeholder
    Sascha – 10.07.2011 - 18:25

    @Thaihead: Falscher Film?

    Wer hat denn beispielsweise in Uganda die Todesstrafe für Homosexuelle auf die politische Agenda gesetzt? Waren das etwa nicht evangelikale Faschisten aus den USA?

    Und wer will auf UN-Ebene Hand in Hand mit autoritären Regimen und Diktaturen sogar den elementarsten Schutz vor Gewalt für Schwule und Lesben verhindern und hetzt nahezu täglich gegen Schwule, Lesben und deren gleiche Lebensrechte?

    Sind das etwa nicht dieselben klerikalen und religiösen Faschisten, die auch hierzulande homosexuellen Menschen gleiche Rechte vorenthalten und sie gezielt zu BürgerInnen zweiter Klasse machen?

    Und welche Religionszugehörigkeit haben nochmal die politisch Verantwortlichen, die genau das zulassen und den Hassprediger Nr. 1 als Dankeschön noch in den Bundestag einladen?

    Die Jugendlichen, die ich im öffentlichen Raum erlebe und die in jedem zweiten Satz “schwul” als Schimpfwort verwenden, sind übrigens hinsichtlich ihrer Religionszugehörigkeit ebenfalls äußerst heterogen.

    Mit plumpen, fremdenfeindlichen Parolen können Sie vielleicht bei PI punkten, aber nicht bei historisch und aktuell auch nur halbwegs informierten Schwulen. Die wissen schon, dass eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht besser ist als die andere. Und dass man in allen Bereichen den Anfängen wehren muss.

  • Theeuropean-placeholder
    _Chris_ – 11.07.2011 - 01:55

    Mit der von der Schwulen-Gemeinschaft gesteuerten Hetze-Kampagne gegen den Vertreter der römisch-katholischen Kirche nach dem Motto jeder soll jede Schweinerei frei leben und propagieren können, wird sehr bald in eine Sackgasse führen. Nicht die römisch-katholische Kirche sondern die Schwulen/Lesben-Gemeinschaft selbst versinkt in einer ideologischen zur Schaustellung der eigenen schwächen und möchte möglichst viele “umpolen” zur Verherrlichung jeder nur erdenklichen Sauerei.
    Genau die Freiheit nach der sie schreien wollen sie den anderen Menschen gar nicht zu erkennen. Wenn ich der Meinung bin, dass die Verherrlichung von schwulen Praktiken moralisch-ethisch nicht vertretbar ist, dann bin ich in meiner Meinung genauso frei wie die Schwulen-Gemeinschaft – ob es denen passt oder nicht ist für mich irrelevant. Ich bleibe bei meiner Meinung ohne menschliche Schwächen zu verurteilen jedoch weit entfernt von einer Verherrlichung menschlicher Schwächen.
    Ich kenne viele Schwule die sich in ihrer Haut einfach nicht wohl fühlen und damit nicht zurecht kommen – und nicht weil sie etwa von Mitmenschen nicht akzeptiert würden. Das keiner von uns Menschen frei von Schwächen ist, ist klar, nur dürfen Schwächen nicht verherrlicht werden sondern jeder soll zu seinen eigenen stehen.

  • Avatar
    Sigrun Steinert – 16.08.2011 - 10:40

    Schwächen sind z.B. Intoleranz, Menschenverachtung, Hass, Dummheit…
    Von all dem finde ich viel in dem Beitrag von Chris.

  • Avatar
    Franz Sobrietas – 11.07.2011 - 10:51

    …Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen…

    Woher stammt dieser Text? Nicht aus einem christlichen Schwulenverband, sondern aus dem Katechismus der katholischen Kirche – maßgeblich erstellt von Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt! Mich stört das Wort „Mitleid“ allerdings. Ich begegne einem Homosexuellen nicht pauschal mit Mitleid. Aber das Wort sagt es schon selbst. Ich leide da mit, wo überhaupt selbst einer leidet, und das trifft für manche in meinem Bekanntenkreis absolut zu. Wichtige Forderung ist es aber ebenso, ihnen mit ACHTUNG und TAKT zu begegnen und sich davor zu hüten, sie in IRGEND EINER WEISE ungerecht zurückzusetzen. Mit anderen Worten, es ist SÜNDE für einen Katholiken, das gegenüber Homosexuellen nicht zu beachten.

    Die Kirche fordert PRINZIPIELL Keuschheit von jedem Menschen, AUCH von Eheleuten. Die einzige Ausnahme ist der Zeugungsakt. Dass das der ureigenste Sinn des Geschlechtsverkehrs ist, braucht einem aber nicht die Kirche zu sagen, das weiß sicher jeder Mensch. Genauso fordert sie aber auch Maßhalten in allen anderen Bereichen des Lebens. Saufen, Rauchen, Drogen, Fressen, Arbeitssucht, Reichtum etc. Mit anderen Worten alles Sachen, die uns – auch mir – immer wieder mal viel Spaß machen oder gemacht haben. Spielverderber! Wer schafft das schon? Kaum einer! Dennoch glaube ich, dass da etwas Wahres und Sinnvolles dran ist. Die Kirche verlangt von uns, sich darüber bewusst zu sein. Und das von Homos und Heteros gleichermaßen. Diese Forderungen stellen auch viele asiatische Philosophien, die auch hierzulande immer mehr Anhänger finden – aber gegen die protestiert keiner.

    In den USA gibt es tatsächlich evangelikale Gruppen, die Hass gegen Schwule verbreiten. Für mich als Katholik sind das Verbrecher, die die Religion missbrauchen. Wer meinen Text bisher gelesen hat, sollte erkennen, dass er den Papst nicht mit denen in eine Schublade stecken soll. Wollen Homosexuelle etwa in Schubladen gesteckt werden aufgrund von einigen Perversen, die zufällig auch gleichzeitig schwul sind? Wohl kaum.

    Ob bunte bornierte oder frivole Parolen gegen den Papst daher die richtige Wahl sind, wage ich zu bezweifeln. Der Papst liebt Schwule mindestens(!) genauso wie Nicht-Schwule, er ist zu ihnen nur genauso streng in seinen Forderungen. Forderungen, die man ignorieren kann oder über die man auch mal länger nachdenken kann. Ich liebe Schwule auch und fühle mich als Sünder, wenn ich ihnen nicht mit Achtung und Takt begegne oder etwas tue, dass sie in irgend einer Form ungerecht zurücksetzt!

  • Theeuropean-placeholder
    Die Redaktion – 11.07.2011 - 11:50

    Bitte beachten Sie die Netiquette. Diffamierende Kommentare werden gelöscht.

    - Die Redaktion

  • Theeuropean-placeholder
    NOCHMALS – 11.07.2011 - 16:15

    Liebe Redaktion, was ist so Schreckliches daran, wenn man auf die generell homophobe Einstellung des Islams hinweist? Nicht der Vatikan steinigt und hängt Schwule, sondern diverse moslemische Staaten tun das unter großer Zustimmung vieler hierzulande lebender Moslems. Warum wird ein Leserbrief solchen Inhalts gelöscht? Oder hat der Hinweis auf den Opportunismus der bundesdeutschen Parteien nicht ins Konzept gepaßt? Ist die Wahrheit diffamierend?

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