Ich kann mir vorstellen, Minister zu werden. Christoph Metzelder

Die PhysikerInnen

Warum spielen Frauen in der Physik kaum eine Rolle? Warum gewinnen sie keine Nobelpreise? Eine Antwort findet sich an ungewohnter Stelle: in der Bibel.

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Unter den 27 Nobelpreisträgern, die sich vorige Woche in Lindau trafen, war keine einzige Frau. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass etwa die einzigen beiden Frauen, die bisher einen Physik-Nobelpreis bekamen (Marie Curie 1903, Maria Goeppert-Mayer 1963) bereits verstorben sind. Besonders bedenklich ist, dass der Anteil der Frauen an den Preisträgern offenbar nicht steigt, obwohl man doch annehmen sollte, dass heute, da die Naturwissenschaften auch Frauen offenstehen, mehr von ihnen in die Spitzenforschung vorstoßen und somit auch mehr Frauen zu Preisträgern werden. Aber davon ist nichts zu sehen.

Urknall für die Männer, Halbleiter für die Frauen

Wo ist der Denkfehler? In der Tat ist der Anteil der Forscherinnen in der wissenschaftlichen Community in den letzten Jahrzehnten natürlich gestiegen. Das Gleiche gilt für den Anteil von Professorinnen, von Veröffentlichungen und Vorträgen von Wissenschaftlerinnen. Sie sind immer noch in einer Minderheit, aber ihr Anteil wächst. Nur bei den Preisträgern tauchen sie kaum auf.

Die „FAZ“ äußerte vor ein paar Tagen die Vermutung, dass sich die Frauen beim Forschen einfach nicht für die großen, wichtigen Fragen interessieren würden, sondern stattdessen an Detailproblemen arbeiten. Nach dem Urknall und den Elementarteilchen fragen die Männer, während Frauen Halbleiter untersuchen oder die Sonnenoberfläche beobachten.

Die großen Fragen einer männlich-christlichen Religion

Hier wird man stutzig: Wer entscheidet eigentlich, was die großen, wichtigen Fragen sind? Was uns die Forscher vom Higgs-Teilchen erzählen, klingt gewichtig und gewaltig: Was die Welt im Innersten zusammenhält, was der Materie die Masse gibt, woher alles kommt, wie das Universum entstanden ist, um solche Dinge geht es, und wer sich solchen Fragen stellt, der kann auf die höchste Weihe durch die Verleihung der Nobelpreis-Würde hoffen. Das sind die Fragen einer männlich-christlichen Religion. Sie knüpfen an Schöpfungsgeschichten an, sie sollen diese ersetzen, nicht nur beseitigen, sondern an ihre Stelle treten. Nicht umsonst taucht, von wem auch immer forciert, das Wort „Gott“ im Zusammenhang mit dem CERN und dem Higgs so oft auf.

Religiöse Fragen sind Männerfragen. Sie sollen dem Grundlegenden auf die Spur kommen, und daraus erhalten sie ihre vorgebliche Bedeutung. Das sind die letzten und höchsten Weisheiten, die in den abrahamitischen Religionen immer Männer verkünden – und in dieser Tradition steht die moderne Naturwissenschaft. Die Herrschaft alter Männer über die Entscheidung, welche Fragen „groß“ und „wichtig“ genannt werden, zeigt, dass sich die moderne Wissenschaft noch nicht von der Religion emanzipiert hat, dass sie im Gegenteil deren Fortsetzung mit anderen Mitteln ist.

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