Nun mal ehrlich: Ich habe eine Schwäche für bayerische Rauhaardackel, MiuMiu-Handtaschen, grantelnde Österreicher und enthusiastische Feministinnen. Letztere mag ich vor allem deshalb, weil sie mich meistens unsympathisch finden. So auch Birgit Tombor, die nicht nur Frauenrechtlerin, sondern gleichzeitig in der österreichischen Medienlandschaft als Journalistin aktiv ist. Sie hat sich vorige Woche meines Kommentars über Quote, Schlips und Stöckelschuhe angenommen und ist dabei zu einer ganz und gar erstaunlichen Erkenntnis gelangt. So lesen wir auf „diestandard.at“ (also der feministischen Variante von „Der Standard“) Folgendes:
„‚Quatsch‘, ‚Germany’s Next Top Model‘, ‚Frisur‘, ‚Stutenbissigkeit‘, ‚High Heels‘: Alles Begriffe, die in dem Text von Jennifer Nathalie Pyka fallen, in dem sie erstaunlicherweise die längst eingetretene Gleichberechtigung in der westlichen Welt herbeischreibt.“
Ohne Furcht vor Peitschenhieben
Im ersten Moment machte ich mir Sorgen. Berichtete die Autorin etwa gar nicht aus Österreich, sondern eher aus Weißrussland oder der Ukraine? An Orten also, wo Gleichstellung zwischen Mann und Frau tatsächlich herbeigeschrieben wird, anstatt zu existieren? Doch nein, wir waren ja noch beim Thema „Frau, Job und Quote“, wobei Frau Tombor in unseren westlichen Breitengraden, insbesondere zwischen Wien und Kiel, offenbar keine Gleichberechtigung verspürt.
Vielleicht ist es daher mal wieder an der Zeit, ein paar grundsätzliche Dinge zu klären. Was die „Wir Frauen“-Fraktion gerne vergisst, ist, dass wir mittlerweile in einer zivilisierten Demokratie leben, die sich in vielen Punkten von Steinzeitregimen wie Saudi-Arabien unterscheidet. Anders als dort können Frauen hier tun und lassen, was sie wollen, und zwar ohne männlichen Vormund oder Furcht vor Peitschenhieben: Auto fahren, Abtreibungen vornehmen, zwischen Minirock oder Latzhose wählen und heiraten, wen und so oft sie wollen.
Auch sind hierzulande, übrigens ebenso wie in Österreich, Frauen und Männer vor dem Gesetz gleich. Sie dürfen wählen, können gewählt werden und sich für den Beruf entscheiden, der ihnen zusagt – sie genießen also summa summarum die gleichen Rechte und Pflichten wie Männer. Damit sind die essenziellen Weichen gestellt, um sich in einem freien Land je nach Gusto entfalten zu können, oder es eben bleiben zu lassen. All das verdanken wir selbstverständlich auch einer Frauenbewegung, deren Engagement kleinzureden infam wäre.
Hand in Hand mit einer regulierungswütigen Elite
Im Gegensatz dazu kämpft die Feministin von heute dort für absolute Gleichheit, wo sich eigentlich ein auf demokratischen Grundrechten basierter Individualismus entfalten sollte. Unter dem Banner des Geschlechterkampfes geht es heute um ein staatlich verordnetes Recht auf einen Platz im Chefsessel. Dadurch verlässt die Frauenbewegung des 21. Jahrhunderts geflissentlich das Terrain ihrer ehrenwerten Vorgängerinnen und marschiert Hand in Hand mit einer regulierungswütigen Elite, die beim Gedanken an absolute Gleichheit in Ekstase verfällt.
Es steht natürlich jedem und jeder frei, dennoch für die Quote einzutreten – auch das gehört übrigens zu den Vorzügen der Demokratie. Nur sollte man dabei nicht vergessen, dass dieser K®ampf schon längst nicht mehr auf legitime Gleichberechtigung, sondern einzig auf kollektivistische Gleichmacherei abzielt. Ein hehres Ziel, das – nebenbei bemerkt – spätestens an den Gesetzen der Biologie scheitert, die es Männern bedauerlicherweise verbietet, Kinder zu bekommen. Aber vielleicht gelingt es Frau Tombor und Kolleginnen, die angesichts meiner „Entsolidarisierung noch viel Arbeit vor sich haben“, auch hier Abhilfe zu schaffen.
Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Jennifer Nathalie Pyka: Lasst die Barbie im Dorf!













