Das Angebot an hochwertigen Lebensmitteln ist in Deutschland so vielfältig wie nie zuvor. Mehr als 170.000 verschiedene Lebensmittel und Getränke stehen heute in unseren Supermärkten. Der Preis, den wir als Verbraucher dafür bezahlen, ist dabei im Vergleich zum Einkommen günstig und über die Jahrzehnte immer günstiger geworden. Doch dürfen Lebensmittel grundsätzlich nicht zur Ramschware werden.
Dass wir in einer Überflussgesellschaft und mitunter auch in einer Wegwerfgesellschaft leben, ist vielen von uns durchaus bewusst. Wie viele noch genießbare Lebensmittel als Abfall in die Tonne wandern, wussten wir jedoch bis vor Kurzem noch nicht. Deshalb hat mein Ministerium eine Studie gefördert, welche die Mengen an weggeworfenen Lebensmitteln ermittelt hat. Die Zahlen verdeutlichen den Handlungsbedarf: Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen bei Industrie, Handel, Großverbrauchern und in Privathaushalten im Müll – Jahr für Jahr. Der Großteil fällt bei uns Verbrauchern im Haushalt an. Jeder von uns wirft etwa 82 Kilogramm Lebensmittel weg – das ist im Monat pro Person ein voller Einkaufskorb. Gleichzeitig wirkt sich die Verschwendung von Lebensmitteln auch auf unsere Haushaltskasse aus. In einem Vierpersonenhaushalt werden etwa im Schnitt pro Jahr Lebensmittel im Wert von 940 Euro weggeworfen. Das ist Geld, das wir für andere schöne Dinge sparen könnten. Denn, auch das hat die Studie offengelegt, zwei Drittel der Lebensmittelabfälle in Privathaushalten wären vermeidbar.
Der Handel muss akzeptieren, dass Vielfalt zur Natur gehört
Deshalb habe ich die Informationskampagne „Zu gut für die Tonne!“ gestartet. Auf unserer Kampagnenhomepage www.zugutfuerdietonne.de finden Verbraucherinnen und Verbraucher viele Informationen und Tipps zum richtigen Umgang mit Lebensmitteln – vom Einkauf, über die Lagerung bis hin zur Resteverwertung. Gemeinsam mit Vertretern von Landwirtschaft, Industrie, Handel, Großverbrauchern, Kirchen, Verbänden und Verbraucherorganisationen gehen wir das Problem der Lebensmittelverschwendung an. Der Handel zum Beispiel muss darüber nachdenken, warum Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum in Kürze abläuft, nicht generell preisreduziert angeboten werden. Zudem sind Handelsnormen infrage zu stellen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Obst und Gemüse genormt in der Theke liegen. Aber Handel und Verbraucher sollten akzeptieren, dass Vielfalt zur Natur gehört und die Natur nicht genormt ist. Das verstehe ich unter ehrlichem Essen.
Sich bewusst, ausgewogen und gesund zu ernähren, beeinflusst von Kindheitstagen an bis ins hohe Alter unser Wohlbefinden. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher setzen sich aber heute nicht mehr so mit dem Essen auseinander wie noch zu früheren Zeiten. Dies ist oft dem Alltagsstress geschuldet, der nicht immer Zeit zum Kochen und zur gemeinsamen Mahlzeit lässt. Fehlernährung und zunehmendes Übergewicht in unserer Gesellschaft hängen aber auch mit einem unzureichenden Verpflegungsangebot außer Haus und fehlendem Wissen über eine ausgewogene Ernährung zusammen. Deshalb hat mein Ministerium zusammen mit dem Gesundheitsministerium den nationalen Aktionsplan „IN FORM“ ins Leben gerufen. In diesem Rahmen hat beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung „Qualitätsstandards für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder“ sowie „Qualitätsstandards für die Schulverpflegung“ erarbeitet. Diese unterstützen die für mich so bedeutenden Ansprechpartner wie Kindertagesstätten und Schulen bei der Zusammenstellung ihres Verpflegungsangebots. Die Ernährungsbildung fördert „IN FORM“ beispielsweise mit dem „Ernährungsführerschein“ in Grundschulen. Eine halbe Million Kinder in Deutschland haben den Ernährungsführerschein bereits erworben. Auch das bedeutet für mich ehrliches Essen.
Lebensmittel haben unsere Wertschätzung verdient
Der Blick auf die Verpackung eines Lebensmittels zählt für viele Menschen zur Einkaufsroutine. Verbrauchervertrauen in die vielfältigen Produkte schaffen wir nur durch Transparenz. Vor einem Jahr ist deshalb das Online-Portal der Verbraucherzentralen www.lebensmittelklarheit.de an den Start gegangen. Die Resonanz war und ist groß. Mehr als 5.000 Produkte wurden von den Verbraucherinnen und Verbrauchern gemeldet, und eine Reihe von Aufmachungen wurde bereits von den Herstellern als Folge des Dialogs auf der Plattform geändert. Die Lebensmittelwirtschaft muss vor Transparenz keine Angst haben. Transparenz stärkt das Verbrauchervertrauen in unsere Lebensmittel und kann neue Absatztrends – wie etwa die Regionalität – stärken. Auch das gehört für mich zu ehrlichem Essen.
Lebensmittel sind keine Ware wie jede andere. Sie sind die Grundlage für unser Wohlbefinden, in ihnen stecken wertvolle natürliche Ressourcen und die Arbeitskraft der Beschäftigten in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Deshalb mache ich mich für unsere Lebensmittel stark. Sie haben unsere Wertschätzung verdient.
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