Währungsreform im Internet
Datum: 2010-07-22
Noch vor kurzer Zeit stellten alle verfügbaren Informationen und ihre Vermarktungsmöglichkeiten die Währung des Internets dar. Die Zentralbank, die dieses Vermögen verwaltete, hieß Google. Google hat es geschafft, alle Bereiche von Informationen zu erfassen, zu speichern, zu strukturieren und schließlich zu monetarisieren.
Doch das Internet entwickelt sich weiter, eine relativ neue digitale Supermacht hat das Betriebssystem des Lebens gestartet: Facebook. Facebook zeigt uns, wie man soziale Beziehungen und alle Informationen darüber erfasst, speichert und strukturiert. Facebook vernetzt Menschen mit Menschen, all unsere Freunde finden wir wieder. Wir wollen da sein, wo unsere Freunde sich aufhalten, weil Freundschaften eine sehr starke Anziehungskraft auf uns Menschen haben. Wir sind gern mit unseren Freunden zusammen, wir halten uns gern an den Orten auf, die unsere Freunde mit uns teilen, egal ob diese Orte real oder digital sind. Empfehlungsmarketing ist durch die Vernetzung mit meinen Freunden überall im Internet, besonders aber bei Facebook, in eine ganz neue Dimension aufgestiegen.
Das Leben wird ein “Live”-Feed
Mehr als das: Die gesamte Kommunikation verändert sich gerade durch die neuen Kommunikationsformen, die gerade entstehen: Das Leben wird ein “Live”-Feed. Alles, was in meinem Leben passiert, kann ich binnen weniger Sekunden mit meinen Freunden teilen, indem ich das gerade erst mit meinem Smartphone aufgenommene Video sofort hochlade und meine Erfahrungen dazu direkt im Chat austauschen kann. Noch vor wenigen Jahren habe ich den besten Urlaubsschnappschuss per MMS an einige wenige Freunde geschickt, oder mich per SMS bei ihnen gemeldet, jetzt poste ich mein Leben bei Facebook, weil meine Freunde wissen wollen, wo ich mich gerade aufhalte.
Man könnte sogar behaupten, dass Facebook der digitale Organisator meines Lebens geworden ist. Die Organisation meiner Termine, Kontakte, Events und meines “Life”-Streams, die richtigen Leute zur rechten Zeit in der rechten Location zu treffen, all das kann Facebook schon heute. Facebook sorgt für eine ganz neue Form der Unterhaltung, alle Unterhaltungsformen und Medien sind auf einer Plattform, niemand muss seine “social Home-Domain” mehr verlassen, um die Feeds seiner Freunde zu verfolgen. Er wird rund um die Uhr in allen seinen Interessengebieten reichlich mit Informationen versorgt.
Aber nicht nur Personen werden vernetzt, mittlerweile geht Facebook dazu über, Websites zu vernetzen. Das einfache Mittel dazu: Der “Gefällt mir”-Button. Dieser kleine Button (man bedenke, dass Youtube von der Sternchen-Bewertung vor kurzem auch zu dieser Kurzform der Bewertung übergegangen ist) sorgt für eine komplette und komplexe Vernetzung von Menschen mit Menschen und Websites mit Menschen. Meine Freunde wissen, was ich mag und was nicht. Ich kann genau verfolgen, welchem meiner Freunde welche neuen Trends gefallen, welche sie ablehnen. “Meine Freunde”, das ist auch ein neuer Informationsfilter, die “Friend-Zone”, die mir Sicherheit vor der Informationsflut des Internets gibt. Ich muss mich nur daran orientieren, was meine Freunde mögen, dann kann dieser Informationsfilter bei richtiger Handhabung sicher Vorteile haben. Ich sehe, welche meiner Freunde welche Seiten schon vor mir besucht haben und ob es ihnen gefallen hat.
Facebook hat die Infrastruktur bereits geschaffen
Der nächste Schritt nach dem “Gefällt-mir-Button” könnte der “Kauf-Button” sein. Ein Produkt, eine Dienstleistung gefällt mir und ich kann sie binnen Sekunden kaufen, ohne jede Eingabe von Adress- oder Kreditkarten-Daten, einfach über meinen “Facebook-Account”. Facebook übernimmt die gesamte Abwicklung vom Bestellvorgang über die Zahlungsüberwachung bis zur Auslieferung und erschafft sich so eine neue, sehr interessante Wertschöpfungskette. Man kann noch weitere Spekulationen anstellen: Wenn schon alles über Facebook abgewickelt wird, dann könnte man vielleicht sogar spekulieren, dass Facebook sein eigenes Währungssystem aufbaut – weltweit ohne jede Währungsrechnerei, vergleichbar und von seinen Freunden empfohlen, einkaufen. Facebook würde dann an jeder Transaktion und an jeder Umrechnung bei Einzahlungen auf das Facebook-Konto verdienen.
Vielen wäre das wohl auch ganz recht so, denn bei “Facebook sind ja alle meine Freunde”.
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Leserbriefe
von Ibrahim Evsan – 22.07.2010 - 10:04
Vielen Dank an Daniel Rettig & Daniel Klemm für die Hilfe die Fehlerteufelchen zu finden :)
Wird gleich schon korrigiert. … Das kann passieren, wenn man schnell lebt.
Antwort verfassenvon Konstantin Neven DuMont – 22.07.2010 - 10:32
In einigen Punkten übertreibt Evsan. Zum Beispiel schreibt er, dass wir all unsere Freunde bei Facebook wiederfinden würden. Wie kommt er darauf von “wir” zu sprechen? Tatsächlich habe ich noch keinen einzigen Freund auf dieser Plattform wiedergefunden. Facebook spielt bei der Kommunikation mit meinen Freunden überhaupt keine Rolle. Mir geht es vor allem um Diskussionen mit losen Bekannten.
Antwort verfassenvon Leonhard – 22.07.2010 - 10:34
Schon mal was von “Facebook Credits” gehört, Ibo? Da braucht man gar keine Spekulation anstellen, das eigene Währungssystem steht kurz vor dem Launch.
Antwort verfassenvon Melanie Bazuk – 22.07.2010 - 11:22
Ibo hat recht. Alle meine Freunde sind bei Facebook. Ich kann gar nicht mehr ohne Facebook.
Antwort verfassenvon gottfried kube – 22.07.2010 - 17:22
Guter Artikel. Mal sehen wo die Reise mit Facebook hingehen wird. Der Link zischen personalisierter Werbung, Empfehlungsmarketing und dem damit direktem Verkauf der Produkte ist sehr naheliegend. Allerdings bezweifele ich, dass Facebook dies selbst machen wird da die Firma ein anderes Geschäftsmodell hat. Siehe hierzu auch die erfolgreichen Spiele auf der Plattform, die von externen Firmen betrieben werden.
Antwort verfassenvon MIcha D. – 25.07.2010 - 07:57
Das Facebook ein großer Shop werden könnte, liegt auf der Hand. Was Herr Zuckerberg da für Umsätze generieren könnte wäre gigantisch.
Ich persönlich sehe das für den Raum Deutschland/Europa jedoch große Mangel an Vertrauen, den man doch bei dem “Online-Shopping” braucht. Die letzten Datenskandale von Facebook und der allgemeine Umgang von Daten der Nutzer wären mir persönlich viel zu riskant, um dort meine Adresse oder gar meine Kreditkartendaten zu hinterlegen.
In Amerika sieht es wahrscheinlich hingegen anders aus, dort wird das Wort Skepsis ja nicht immer so groß geschrieben, dafür viel zu häufig blind vertraut.
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