I am not convinced. Joschka Fischer

Instinkt im digitalen Zeitalter

Illegales Downloaden zählt zu einer der Lieblingsbeschäftigungen der jüngeren Generation. Abgesehen von der kriminellen Handlung entwickeln sie auf diese Weise sinnvolle Möglichkeiten, Wissen neu zu sortieren – und komplexes Denkvermögen fördern sie gleich mit.

In einem Gespräch mit einem Jugendlichen wurde mich erst klar, dass es eine Art Sammelsucht gibt. Beim Sammelsüchtigen geht es nicht um das illegale Sammeln von Daten, sondern darum, ein einmal gesetztes Ziel zu erreichen. Ein Ziel kann sein, dass man alle Künstler von A–Z in einem Archiv speichern möchte.

Ich unterhalte mich gern mit Menschen darüber, was sie über die verschiedenen digitalen Themen denken. Bei einem dieser Gespräche erzählte mir ein 17-Jähriger, dass er sich sehr viele Musikstücke als MP3 aus dem Internet heruntergeladen hätte. Auf die Tatsache angesprochen, dass dieses Verhalten illegal sei und ihn zu einem Kriminellen machen würde, erklärte er mir, dass er nach kurzer Zeit einfach nicht mehr damit aufhören konnte, mehr und mehr Songs herunterzuladen. Er hätte eine regelrechte Besessenheit entwickelt, so viele Lieder wie nur irgend möglich auf seiner Festplatte zu speichern.

Sinnvolle Beschäftigung

Dieser Jugendliche hatte überhaupt kein Unrechtsbewusstsein bei seinen illegalen Downloads, er redete sich damit heraus, dass „das ja alle machen“. Es ging ihm gar nicht darum, die Musikstücke alle zu hören, er schaffte sich damit vielmehr eine Freizeitbeschäftigung, indem er die MP3-Dateien auf seiner Festplatte nach Musikrichtung, Sprache, Interpreten, persönlicher Bewertung und Qualität ordnete. Der junge Mann war – in seinen Augen sinnvoll – beschäftigt.

Das Ziel seiner Sammlung war es, alle Lieder seiner Lieblingsstile vollständig in seinem Computer verfügbar zu haben. Auch wenn dieses Beispiel sicher extrem ist, so müssen wir uns darüber klar werden, dass das, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, heute die Realität ist.

Das Internet fördert komplexes Denkvermögen

Es scheint mir, dass einige Menschen heute viel weiter gefasste Möglichkeiten haben, ihre Interessen zu verfolgen, Nachrichten auszuwerten, Wissen neu zu sortieren und das alles in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Die Komplexität des Internets scheint ein komplexeres Denkvermögen zu fördern, wenn es ein mehr oder weniger sinnvolles Ziel gibt, das der Nutzer verfolgen kann. Sprachkenntnisse, Wissen über moderne Informations- und Kommunikationstechnik und eine strukturierte Vorgehensweise scheinen dabei ganz nebenbei gelernt zu werden.

Was für eine unfassbare Zeit. Alles fließt, alles ändert sich.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Peter Mainer – 10.06.2010 - 10:15

    Ich kann das vollkommen nachvollziehen und empfinde bei mir auch eine Sammelsucht.

    Daten, PDF, Dokumente, Videos, Musik, Fotos, etc. – Das macht mich teilweise nervös, wenn ich all die Daten sortieren muss. Ich gebe Dir aber recht, dass ich selbstständig über Regeln nachdenke, wie ich alles sortiere.

    Mal wieder ein toller Artikel.

  • Theeuropean-placeholder
    Markus jaCOB – 14.06.2010 - 02:29

    Instinkt im digitalen Zeitalter-
    “Leider kann ich sie nicht riechen”

    Oder vielleicht zum Glück? Das wird wohl einer der Gründe sein, warum es Vollidioten gibt, die das Computersystem des Verteidigungsministeriums, z.B. der USA hackern, weil sie, die auf der anderen Seite nicht riechen können!! Sonst hätten sie Angst.

    Erlich gesagt gibt es viel Information im Internet und man kann eine Menge lernen, aber ich bin nun mal altmodisch, ich muß sie nun einmal riechen…, das mit den chat.. na ja Zeitvertreibung , Beschäftignung, aber es fehlt doch manchmal der Geruch . . .

    des Liebes-E-mail; Ohne Perfürm ist es nicht das Gleiche.

    Der “gute Riecher” hat nicht nur mit Instinkt zu tun, sondern auch mit Intuition. Der Instinkt ist dafür verantwortlich, daß wir vom Computer loskommen, weil wir Pipi machen müssen, nachdem wir uns überzeugt haben, daß der Computer uns nicht weglaufen wird, wenn wir den PC alleine lassen. Denn, der PC hat ja keine Instinkte.

    Die Intuition ist, daß was wir wissen, wir benützen um Entscheidungen zu nehmen, dessen wir uns aber noch nicht bewußt sind. So passiert es uns oft, daß wir uns nicht an eine Funktion eines Programmes erinnern, aber daß unsere Maus-Hand, wenn sie ein mal auf der Maus ist, sofort weiß was sie tuen muß.

    Sinnvolle Beschäftigung, ohne Sucht ist gut. Doch muß man vorsichtig sein.
    Einge Leute, vor allem jugendliche verwechseln ein paar Konzepte und verwirren sich.
    Es ist nicht das Gleiche Komplexität wie Überlegenheit.
    Komplexes denken, kann sich zu einen Überlegenheitsgefühl entwickeln, der ohne unser Riechorgan-Angst, zu Übermut führen kann.
    Auf der anderen Seite, macht die Wahl-Freiheit, z.B. die Möglichkeit ein eigenes “Ordnungsprinzip” zu erstellen, die Hirnwäscherei der Gesellschaft und der Autorität viel schwieriger.
    Mann kann z.B. wenn man alle Lider zusammen in seiner Festplatte hat, sein eigenes Abspielprogramm herstellen. Autoren vermischen, die folge der Lieder z.B. von Blues zum Rock hin ordnen, um den Gemütszustand aufzupumpen. Etc.,
    Doch kann es auch zu einen so einzigartigen “Ordnungsprinzip” führen, ohne gemeinsamen Nenner, daß dann niemand mehr den jungendlichen versteht, und er sich, nach ein paar Jahren, selbst von der Gesellscaft isoliert hat. Das kennen alle Ausländer die ihre Heimatsprache mit der anderen Sprache vermischen.

    Leçon deux Texte A: Spain-glish auf deutsch.

    Das illegale Verhalten, das gerechtfertigt wird, weil es alle tuen, ist nur ein Teil des Problems. Die Relativirung von gut und böse, ist die Folge von Folterung.
    Der Gesellschaftliche Druck, kann auch als Folter erlebt werden.

    Das Sammeln von Daten, ohne zu verstehen was man sammelt, kann heut zu Tage in den Tod führen, denn die Neuordung der gesammleten Daten, kann uns zu einen Verbrecher führen, ohne daß wir es wissen. Und wenn die Zeit die wir brauchen, um unsere Daten-Sammlung auszuwerten länger ist, als die Zeit die der Verbrecher braucht, um zu merken das wir ihn auf die Spur gekommen sind und sich uns, als “Wolf im Schafpelz” zu nähren, dann sind wir Tod.
    Denn nicht nur wir, die unschuldigen netten, guten, ehrenvolle Jugendliche benützen das Internet.Auch die Verbrecher.Und was für welche, militärische und Ausländische…

    Bei so viel Information brauchen wir, um so mehr, die Fähigkeit des Verstehen zu entwickeln. Also mehr Pyschologie, Mathematik, Physik, Biologie Musik, Logik-und Bürger-Rechte-Pflichten Fächer in der Schule.
    Es gibt Künstliche Intelligenz, doch gibt es noch nicht Künstliche Weisheit.
    Wie handelt man wenn man zufälligerweise in ein Hochverrat-Verbrechen verwickelt wird? Wie stellt man heraus ob es Zufall war, oder dafür ausgewählt wurde?
    Denn, so sag der I-Ching: “Wenn man auf dem Turm ist, dann kann man nicht nur weit sehen, sondern man wird auch von weitem gesehen.”

    Wer ist demokratischer??
    Die Autorität, die ohne jegliche Kontrolle, Web-Seiten erlaubt, die die Wahl-Freiheit der Bürger nichr respektiert, wo Fenster, ohne meinen Willen aufgehen, und mich zwingen etwas zu sehen, von dem ich nichts wissen will,
    Oder
    Die Autorität, die diese Seiten verbietet, und so verhindert das gewisse Leute die Bürger zwingen können etwas zu sehen, daß wir nicht sehen wollen (und uns Bürger damit beschützen) ?

    Übrigens, für die Seiten, die Kinder noch nicht verstehen, denn man muß ja Erwachsen sein, um die Gesichter auszuwerten, bräuchte man nur ein X an www ran zu hängen.
    So könnten die Eltern direkt mit einen Password die wwwx Seiten sperren.

    Systems stinks!!

    Yes, I know, I’m also already stinking!

    Ist bei ihn der Fremden-Geruch, auch schon angekommen??
    Entfremdung a la carte.

    Die Entfernung zwischen das Eigene, das Familiere und das Fremde vermindert sich,

    Wenn das Fremde mehr wert ist als das Eigene, dann ist das ein Beweismittel für die Exsistenz von Folterung, Trauma und/oder Erpressung.
    Emotionele oder Verbrecherische Erpressung, also Angst, verlassen zu werden, nicht geliebt zu werden, oder eine Kugel im Kopf zu bekommen.

    Apropo, hat jemand detektiv sHeR.Loch ImKopf gesehen?

    Wir haben alle 5 Löcher im Kopf, nur er nicht,

    er hat 6.

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