iPad & Co
Datum: 2010-05-06
Wenn wir über die Emotionalisierung des Internets sprechen, dann müssen wir auch auf die elektronischen Lesegeräte eingehen: Txtr, Kindle, iPad sind hier an erster Stelle zu nennen. Das iPad verlangt – wie jede Maschine – einen relativ hohen Grad an Selbstorganisation, um es optimal einsetzen zu können. Der Kindle, den ich seit einem Jahr nutze, macht es wegen des geringeren Funktionsumfangs einfacher.
Deine Gedanken sind jederzeit abrufbar
Ich habe bereits mehr als 40 Bücher auf dem Gerät gelesen und stelle fest, dass dieses Gerät, auch wenn es weniger Funktionsumfang hat, doch sehr nützlich für mein Leben geworden ist. Es zentralisiert mein Wissen aus den Büchern an einem Ort und erlaubt es mir, die Notizen, die mir zu einem bestimmten Zeitpunkt wichtig waren, gleich mit abzuspeichern. Das stellt für mich einen hohen Mehrwert da, den ich bei gedruckten Büchern nicht habe. Diese Maschine sagt mir: Du hast diese Bücher gelesen und hier sind deine Gedanken dazu, jederzeit abrufbar.
Der gedruckte Text wird lebendiges Wissen
Ein klassisches Buch hatte für mich immer nur während des Lesens einen Wert, meine Gedanken zu den gelesenen Themen waren nicht speicherbar, nicht frei verfügbar. Bücher bekommen einen ganz anderen Stellenwert, weil die investierte Zeit nicht mehr “verloren” ist, die Ergebnisse des Lesens und “Darübernachdenkens” sind jederzeit an jedem Ort reproduzierbar. Man kann das Neuerlernte wesentlich besser teilen und mit anderen diskutieren. Aus dem gedruckten Text wird lebendiges Wissen, das immer abrufbar bleibt.
Ich bin sehr gespannt, wie das iPad andere Bereiche des Lebens wie z. B. das Spielen oder das Video-Ansehen verändert wird. Es ist jedoch wichtig, dass man das iPad so einrichtet, dass man selbst davon profitiert.
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Leserbriefe
von Sachar – 06.05.2010 - 13:26
Ein Manko aber gibt es: Du kannst ein elektronisches Buch nicht verschenken. So banal es klingt, in meinen Augen ist das ein gigantisches Problem.
Antwort verfassenvon Ibrahim Evsan – 06.05.2010 - 13:52
Sachar, das stimmt. Aber auch das wird sich sehr bald regeln. Ich denke, die Kreativität fängt jetzt an.
Antwort verfassenvon kimch_granz – 06.05.2010 - 13:54
Warum sollten man ein elektronisches Buch nicht verschenken können? … mit einem “wisch” fliegt das Buch aus meinem iPad in deins! Das Ganze wird dann angelehnt an “The Bump App for iPhone”. Wenn Kinder das mit den Pokemon hinbekommen, dann die Erwachsenen mit dem iPad schon lange :)
Beste Grüße und sehr guter Artikel.
Antwort verfassenKim
von Thomas Wanhoff – 06.05.2010 - 13:57
Das iPad hat noch einen anderen Vorteil, nämlich das fehlende Multitasking. Somit bleibe ich lieber beim e-Book oder Magazin, und werde nicht abgelenkt von ankommenden Twitternachrichten und Mails. Ich schätze das derzeit sehr.
Antwort verfassenvon Sachar – 06.05.2010 - 14:03
Thomas, dieser Vorteil lässt sich schnell ausradieren: durch das stets präsente iPhone. :-)
Antwort verfassenvon thorsten ising – 06.05.2010 - 14:14
Sehe ich auch anders. Natürlich wird es für das gedruckte Buch unweigerlich schwerer – aber das Aus werden Endgeräte wie iPad, wepad oder kindle dem Buch nicht bringen.
Vor Jahren hat auch mal jemand das Aus für gedruckte Duden und Lexika vermeldete und dabei auf wikipedia & Co hingewiesen hat – ebenfalls deutlich zu voreilig.
Möglich also, dass es irgendwann soweit kommt – aber ich bezweifle, dass meine Generation (Geb. 1972) es noch mitbekommen wird, dass das Buch als Medium aus dem täglichen Umfeld verschwindet.
Antwort verfassenvon Sabine – 06.05.2010 - 14:31
Zwei große Nachteile: Man kann ein eBook nicht in der Wanne lesen (Gefahr zu groß, dass es nass wird) und am Strand ist es auch unpraktisch (zu hoher Wert, um es liegenzulassen, während man im Wasser ist + Sand).
Vorteil: Man hat mehrere Bücher dabei ohne sie alle transportieren zu müssen. Was hätte ich mir das letztens auf einer 5stündigen Zugfahrt gewünscht, als das von mir mitgenommene Buch sich als höchst langweilig entpuppte.
Ich persönlich hoffe, dass Bücher nicht aussterben. Es haftet ihnen einfach ein anderer Zauber inne als einem elektronischen Gerät. Dazu gehören auch der Geruch und die Haptik.
Robert Gernhardt hat über die Thematik übrigens ein nettes Gedicht geschrieben: Ums Buch wird mir nicht bange…
Antwort verfassenhttp://www.deanita.de/buecher07.htm
von kimch_granz – 06.05.2010 - 16:02
Ich habe mir nochmals zu dem Artikel gedanken gemacht und habe diese in einem kleinen Blog zusammengefasst. http://bit.ly/9NCowz
Viele Grüße,
Antwort verfassenKim
von Thrawn – 06.05.2010 - 16:18
Totgesagte leben länger. Der wievielte Niedergang des Buches wird hier eigentlich prophezeit? Ich würde mich selbst als “Internet-Junkie” bezeichnen, vebringe täglich Stunden im Netz – und doch werde ich mein Buch aus Papier niemals gegen eine Datei tauschen. Wenn mich ein Buch besonders berührt hat oder zu besonderen Gedanken inspiriert, dann überdauern diese länger, als einen Klick. Dann sind keine Notizen nötig (ok, bei Fachliteratur kann die digitale Arbeitsweise durchaus von Vorteil sein). Bücher sind bereits zeitlos kommen seit Jahrhunderten auf einem bewährten Medium daher und werden auch in weiteren Jahrhunderten noch so ausgeliefert, wenn .pdf und .doc bereits nur noch in Geschichtsbüchern zu finden sind (Formatwandel). Nein, ich verdamme das iPad, Kindle und Co nicht, neuartige technische Helferlein haben für eine begrenzte Zielgruppe immer ihen Nutzen. Irgendwann werde ich sicher auch so ein Gerät besitzen. Doch ich habe es nicht eilig. Und den Großteil meines Lesestoffes werde ich weiter analog haben.
Antwort verfassenvon petra – 06.05.2010 - 16:32
Zum Titel: Warum sind Bücher aus Digitalien eigentlich keine Bücher? Da beschwört man den Untergang von Büchern und lädt sich ganze Bibliotheken herunter?
Ich denke, mit den Büchern ist das wie mit dem Abendland: Totgesagte leben länger.
Nein, ich bin kein Ausdrucker. Ich hänge den ganzen Tag beruflich am Computer und bin froh, wenn ich abends meinen Augen und Schultern Gutes tun kann, indem ich von Papier lese.
Antwort verfassenvon Martina Violetta Jung – 06.05.2010 - 18:40
Ibo, ich kann Dir nicht folgen. Ich bin kein Datenspeicher, sondern ein Mensch mit Verstand & Herz, Leidenschaft & Gefühl und einem ganzheitlich geformten Gehirn. Wer nur Fakten speichert und Daten verarbeitet um effizient zu sein und keine Zeit zu verlieren, der lebt den Manager im Hamsterrad. Er erfährt Zeit nur von der quantitativen Seite und verpasst die qualitative Komponente. So erfasst er nur einen Bruchteil der Wirklichkeit, wie leider viele Leistungsträger in unserer Wirtschaft.
Meine Zeit mit Büchern ist nicht verloren, sondern intensiv erlebtes Hier & Jetzt und zutiefst bereichernd. Ich lese beruflich gern und viel. Hundert Bücher kommen im Jahr gut und gern zusammen. Bücher begleiten mich an jedem Tag und auch auf allen Reisen, ob für einen Tag mit dem Zug oder Flieger in Deutschland oder für zwei Wochen nach Japan. Meine Bücher stehen voller Randnotizen von Bleistift bis kunterbunt. Meine Notizkladden sind gefüllt mit Skizzen, Bildern und ausgeschnittenen Artikeln die mich bewegt haben. Über meine Emotionen treten diese Bilder ganz von selbst wieder vor mein geistiges Auge, wenn ich das früher Gelesene benötige. Ich verankere und verinnerliche ganzheitlich was ich lese, auch über das Gefühl das Einband und Papier des Buches meinen Sinnen vermitteln. Wenn ich selbst Texte schreibe dann ist es ein großer Unterschied, ob ich dies mit dem Computer oder mit Stift und Papier tue. Wenn ich meinen Stift auf das Papier setze, dann spricht meine Intuition, habe ich Zugang zu tieferen Aspekten eines Themas die sich ausdrücken wollen. Dies geht weit über das Rationale hinaus, denn schreiben mit der Hand und einem schönen Stift eröffnet den Zugang zur Seele. Mit den Tasten des Computers ist mir das noch nie gelungen. Mit Büchern fühle ich mich wie eine Kerze die an beiden Enden brennen kann.
Menschen bevorzugen Texte die „originell“ sind. Das Wort leitet sich von „Original“ ab. Ein Original ist ein Mensch der in seinem gesamten Wesen ruht: mit den fünf Sinnen wahrnehmend, denkend, fühlend und intuitiv wissend. Alles was ein Mensch weniger erfährt und erfühlt ist für mich wie ein Kuss ohne Gefühle, wie Sommer ohne Eiscreme, wie ein Sternenhimmel unter Stadtlicht betrachtet, wie eine Standspaziergang ohne Wellenrauschen, Salz auf der Haut und Wind in den haaren, ja wie Arbeiten ohne Seele.
Ich wünsche uns allen Bücher und E-Books. Wir brauchen die intellektuelle Herausforderung der modernen Medien und die Verbindungen die sie schaffen. Aber wir benötigen in unserer Wirtschaft auch ganz dringend die Muse des Einsseins mit uns selbst. Auf schönes Papier gedruckte Texte mit Einband beleben die Sinne, die beflügeln die Fantasie und lassen uns im Einklang mit unserem gesamten Wesen arbeiten .
Antwort verfassenvon Jochen – 06.05.2010 - 18:50
Wenn ein Buch für Sie wirklich nur “während des Lesens einen Wert” besitzt, dann sollten Sie vielleicht mal Ihren ganzen Technik-Schickimicki zur Seite legen, Herr Evsan.
Die meisten Menschen – und Sie offensichtlich auch – sind gar nicht mehr in der Lage sich konzentriert und durchgängig mit etwas zu beschäftigen. Hier eine E-Mail, da ein Tweet und dort eine SMS. Wie soll da auch was dauerhaft in den grauen Zellen hängen bleiben!?
Und warum sollte man sich auch etwas merken wollen, wo doch alles ist nur einen Klick entfernt ist. Und was vor zwei Klicks war ist schon längst Vergangenheit und dem Kurzzeitgedächtnis entronnen.
Von Ihnen als “Medien-Experte” hätte ich etwas mehr erwartet, als die permanente, blinde und unkritische Glorifizierung von technischem Schnick-Schnack
Antwort verfassenvon Sachar – 06.05.2010 - 18:58
So einen Kommentar wie den von Jochen habe ich erwartet und wundere mich, dass er erst jetzt kommt.
Jochen, kurze Frage: Wieso argumentieren Sie nicht in der Sache? Wieso werden Sie persönlich? Sie greifen nicht nur Ibo an sondern auch all die, die gerne mailen, twittern und SMS verschicken. Ohne all diese Menschen zu kennen.
Das hier ist ein Debattenportal. Debattieren Sie, aber bleiben Sie sachlich. Es ist ein weitaus größerer Makel, jemanden persönlich anzugreifen, als permanent zu twittern, zu mailen und sich “Technik-Schickimicki” zuzulegen.
Antwort verfassenvon Jochen – 07.05.2010 - 10:20
Lieber Sachar,
natürlich könnte ich mich in generischen und anonymen Formulierungen flüchten, aber ich sehe keinen Anlaß dazu, da ich mich mit meinem Kommentar auf die Fomulierungen von Herr Evsan beziehe und diese kritisiere. Also warum nicht das Kind beim Namen nennen!?
Wenn Sie sich mit “die meisten Menschen” angesprochen fühlen und zudem unter Konzentrationsschwierigkeiten dank multimedialer Ablenkung leiden, dann dürfen Sie sich sicherlich auch ein wenig angegriffen fühlen. Aber wo bitte sehen Sie denn in meinem Kommentar unsachliche Bezüge?
Wenn Sie in die Presse schauen wird Ihnen nicht verborgen bleiben, dass nicht nur Kinder und Jugendliche unter enormen Konzentrationsproblemen leiden, sondern auch Erwachsene. Das dies nun an der multimedialen Ablenkung durch E-Mail, Twitter, etc. liegt ist eine These meinerseits. Die Fähigkeit jemandem oder etwas seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen nimmt stetig ab. Selbst während persönlichen Gesprächen am Arbeitsplatz, in Konferenzen und Meetings, im Cafe oder abends beim Feierabendbier wird getwittert, gesurft und gesmst.
Und ich selbst schließe mich dem nicht aus, da ich selbst einigen Technik-Schnickschnack mein eigen nenne und intensiv nutze. Allerdings stehe ich unkritischen Meinungen kritisch gegenüber und wünschte mir Herr Evsan als Medien-Experte würde die Technik auch mal jenseits der Unboxing-Euphorie betrachten.
Antwort verfassenvon Sachar – 07.05.2010 - 10:26
Jochen, vielleicht sollten Sie “Der Fixierungs-Code”, das Buch, das Ibrahim Evsan geschrieben hat, lesen. Dann wüssten sie, dass er die Digitalisierung gar nicht so kritisch sieht, wie Sie das vermuten.
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