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Gewichtige Gründe sprechen gegen eine Zulassung der PID. Sie eignet sich nicht für eine individualisierte Sicht auf einzelne Paare, sondern degradiert Embryonen zu Körpermaterial. Die Ethik in der Medizin muss wieder ernst genommen werden und das ärztliche Handeln darauf verpflichten, Gesundheit zu schützen und zwischen dem Nutzen und den Risiken einer Behandlung abzuwägen.

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Auch wenn die Motive für die PID verständlich sind: Gewichtige Gründe sprechen gegen eine Zulassung. Erstens: Ein Recht auf Hilfe des Staates bei der Erfüllung des Wunsches nach einem gesunden Kind gibt es nicht. Die Zulassung der assistierten Fortpflanzung betrifft eine Unfruchtbarkeitsbehandlung. Eine "Behandlung“ fruchtbarer Paare steht dazu im Widerspruch.

Zweitens: Der Staat kann Embryonen nicht umfassend schützen. Während der Schwangerschaft kann der Embryo zwar theoretisch, nicht aber praktisch ohne Mithilfe der schwangeren Frau geschützt werden. Wer nur darauf sieht, dass Embryonen und Föten unter Umständen während der Schwangerschaft getötet werden, interpretiert das Schwangerschaftskonfliktgesetz wider besseres Wissen falsch. Es spricht wenig dafür, den Wunsch nach einem gesunden Kind als einen akuten Gesundheitskonflikt der Frau zu betrachten, der anders als durch die Erzeugung und Auswahl von Embryonen nicht behoben werden kann.

Gleiches wird unter gleichen Umständen ungleich behandelt

Drittens: Der Embryo ist kein "Ding“. Eine Unterscheidung zwischen "gesunden“ und "kranken“ Embryonen im gleichen Entwicklungsstadium behandelt Gleiches unter gleichen Umständen ungleich; dies widerspricht schlicht dem Gleichbehandlungsgrundsatz, der die Grundlage des deutschen Rechts wie auch der Ethik ist.

Viertens: Statistisch werden im Kontext der PID nur 5 bis 10 Prozent aller erzeugten Embryonen geboren; für jede Geburt werden zwischen 16 bis 40 Embryonen erzeugt. Die Reproduktionsmedizin hat eine Erfolgsquote von ca. 30 Prozent pro Behandlungszyklus; mehr als zwei sind meistens notwendig. Eine Quote von ca. 20 Prozent Mehrlingsgeburten auch nach PID ist ein inakzeptables Risiko. Und: Ein Teil der Kinder hat Entwicklungsprobleme. Ein zu hoher Preis, um einigen Paaren zu einem Kind ohne bestimmte Krankheitsmerkmale zu verhelfen.

Fazit: Die PID eignet sich nicht für eine individualisierte Sicht auf einige wenige Paare. Sie ist nur ein einziger Baustein einer riskanten, belastenden Behandlungsmethode, die faktisch Embryonen zu Körpermaterial degradiert.

Weiterverfolgung der Polkörperdiagnostik sinnvoll

Was ist also zu tun? Erstens wäre es sinnvoll, die Polkörperdiagnostik (von unbefruchteten Eizellen im Kontext der IVF) weiter zu verfolgen, die immerhin 90 Prozent der Chromosomenstörungen identifizieren kann. Bezüglich der PID an Embryonen muss sich der Gesetzgeber entscheiden. Entweder erlaubt er eine begrenzte Zulassung: Diese müsste aber auch für Paare, die sich bereits einer Kinderwunschbehandlung unterziehen und Risikofaktoren haben, gelten.

Oder aber Deutschland könnte zu einem Verbot der PID an Embryonen zurückkehren. Damit würde dem Wunsch auf Änderung des ESchG nicht gefolgt. Aber es bliebe dabei, dass die Gesundheit der Frau, nicht aber diejenige des Kindes, der Rechtfertigungsgrund für den Schwangerschaftsabbruch ist. Es würde der Verdinglichungstendenz im Umgang mit Embryonen entgegenwirken. Nicht zuletzt aber würde es die Ethik in der Medizin ernst nehmen, die das ärztliche Handeln darauf verpflichtet, Gesundheit zu schützen und zwischen dem Nutzen und den Risiken einer Behandlung abzuwägen. Für Risikopaare mit oder ohne Fertilitätsstörungen könnte man allenfalls eine Einzelfallentscheidung über eine Ethikkommission zulassen.

Meines Erachtens würde der Gesetzgeber mit einer solchen Lösung einer Förderung der PID mittels Polkörperdiagnostik, des generellen Verbots der Embryonenselektion und einer Einzelfallprüfung nach Indikationsstellung am besten der schwierigen Abwägung der sozialen, medizinischen, ethischen und rechtlichen Dimensionen der PID gerecht.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Birgit Kelle, Carola Reimann, Michael Schmidt-Salomon.

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