Viele Leser haben mich in letzter Zeit gefragt, wieso ich denn nicht mehr Sarah Palin unterstütze. Als sie 2008 auf einmal auf die internationale Bühne trat, war ich ja sehr angetan. Eine konservative Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Mutter, Kämpferin, Republikanerin. Ich stimmte ihr nicht in allen Punkten zu, aber in vielen. Also hoffte ich auf mehr. Leider hat diese Frau mich in letzter Zeit immer und immer wieder enttäuscht, und zwar so dermaßen, dass ich sie einfach nicht mehr guten Gewissens unterstützen kann.
Ich hätte ihr viel verziehen
Das Interview-Debakel mit Katie Couric während der Kampagne 2008 fand ich nicht so schlimm. In Amerika werden Interviews mit Politikern nicht vorher von diesen abgenommen, und es ist relativ einfach, Leute blöd aussehen zu lassen. Ich kann nicht glauben, dass diese Frau keine einzige Zeitung nennen kann. Ich kann aber sehr wohl glauben, dass sie keine einzige Zeitung nennen wollte, weil ja alle großen Blätter in Amerika schon damals Palin als Zielscheibe missbraucht haben. Ihre Versprecher im Fernsehen fand ich auch nicht so schlimm. Ich verspreche mich auch ständig, wenn ich aufgeregt bin, so was ist nur menschlich. All das und noch viel mehr hätte ich ihr verziehen. Man kann ja einen Politiker gut finden, ohne jedem Wort auch zuzustimmen. Aber ihre populistischen Reden bei Tea Party Rallies zum Beispiel fand ich sehr gut. Ich habe ja nichts gegen Populismus, weil es manchmal nötig ist, um erst mal die Aufmerksamkeit der breiten Masse zu gewinnen. Danach sollte man aber immer die Werbeslogans gegen richtige Debatten austauschen.
Das Vertrauen in Sarah fing an zu bröckeln, als sie Christine O’Donnell aus Delaware in den Midterm Elections unterstützte. O’Donnell ist verrückt. Keine Frage. Sie hält Selbstbefriedigung für Ehebruch, glaubt, dass AIDS sich nur verbreitet, weil in Schulen nicht mehr gebetet wird, und dass amerikanische Firmen Mäuse mit Menschenhirnen gezüchtet haben. Was soll das? Ich habe keine Ahnung. Aber so was kann man nicht als Kandidat unterstützen.
Daumen runter
Problempunkt zwei habe ich schon vor zwei Wochen in meiner Kolumne angesprochen. Sarah versuchte die legendäre Geschichte von Paul Reveres Ritt umzutexten. Wahrscheinlich hat sie einfach ihre Hausaufgaben nicht gemacht, und kannte die Geschichte nicht. Aber anstatt ein Mea culpa zu liefern, bestand sie darauf, dass ihre Version die einzig wahre ist und ihre Anhänger wurschtelten so lange am Wikipedia-Eintrag rum, bis das auch übereinstimmte. Eine Frau, die nicht Mann genug ist, um ihre Fehler zuzugeben, finde ich doof.
Eigentlich haben (in Kombination mit vielen kleineren Sachen) diese zwei Episoden für mich gereicht, um mein Daumen hoch in ein Daumen runter umzuwandeln. Aber aller guten Dinge sind drei, und einen dritten Klopper lieferte Frau Palin termingerecht. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb sie eine Notiz über Obama, die Russen und Waffenverkäufe mit dem Titel: „Another ,WTF‘ Obama Foreign Policy Moment“. Aufmerksame Surfer wissen ganz genau, wofür diese drei Buchstaben stehen: what the f*§k. Sarah Palin ist aber der Meinung, dass WTF lediglich eine Abkürzung sei für „Winning the Future“, Obamas Slogan für die neue Wahlkampagne. Für wie blöd hält mich die Frau eigentlich? Entweder hat sie wirklich keine Ahnung, wofür WTF steht (es gibt auch Menschen, die Kondolenzbriefe mit LOL unterschreiben, weil sie glauben es heißt „Lots of Love“) oder sie will uns alle für dumm verkaufen. So oder so ist sie für mich raus.
In Baseball gilt: three strikes and you’re out. Palin hat ihre drei Treffer aufgebraucht.
Leserbriefe
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Daumen runter schon mal für die Einleitung. Wer jemanden für “eindeutig geisteskrank” hält, sollte entweder einen gerichtsfesten medizinischen Beweis dafür antreten können oder einfach nur die Fresse halten, da er sonst eine justiziable Beleidigung begeht. Wenn der “European” meint, Seriosität beweisen zu müssen, indem er sich auf dieses Niveau herunterbegibt, dann ist das bemitleidenswert.
Zum Inhalt: Das “WTF” war eindeutig als Wortspiel erkennbar und das habe ich auch als Nicht-“Native Speaker” begriffen. Wer der Meinung ist, Sarah Palin hätte nicht das Zeug zur Präsidentin, der sollte einfach nur die Frage beantworten können: Was will diese Frau inhaltlich für Amerika und was soll daran falsch sein? Da diesbezüglich offenbar nichts Beanstandenswertes zu finden ist, haben ihre Gegner außer Beleidigungen und irgendwelchem Popelkram wie dem “WTF”-Wortspiel oder der – auch von Palin nicht nahe stehenden Historikern übrigens für korrekt befundenen – Paul-Revere-Schilderung nichts vorzubringen. Selbst die Aktion mit den E-Mails war ein Schlag ins Wasser, offenbarte diese doch lediglich eine integre, hart für ihr Land arbeitende Gouverneurin.
Na ja, da kann schon mal der Schaum vor dem Mund stehen… vielleicht ist ja nicht Sarah Palin “eindeutig geisteskrank”, sondern wurde lediglich der Texter der Einleitung kürzlich von einem tollwütigen Hund gebissen…
Statt mit dem Bus durch Amerika zu touren, Bäume zu fällen, Waffen zu halten und über Alaska zu schwafeln, sollte Frau Palin sich lieber mit dem Finanzsystem und internationalem Recht auseinandersetzen. Auf die großen Fragen unserer Zeit, wenn diese sich für sie überhaupt stellen, scheint sie nur eine Antwort zu besitzen: Restauration und Rückbesinnung “früher war alles besser”. Meine Befürchtung ist nur, dass sie damit bei vielen Amerikanern ankommt.
Ansonsten ist der Artikel sehr polemisch, das mit dem WTF sehe ich so, wie #1.
Sehr aufschlussreiche Kolumne. Ich hatte bei ihr schon immer so meine Zweifel. Aber es ist auch Schade, da sie durchaus Potenzial besitzt, nur hat sie nichts draus gemacht. Einen schönen Satz möchte ich noch aus der Kolumne hervorheben: " Ich habe ja nichts gegen Populismus, weil es manchmal nötig ist, um erst mal die Aufmerksamkeit der breiten Masse zu gewinnen. Danach sollte man aber immer die Werbeslogans gegen richtige Debatten austauschen." Finde ich gut !!! :-)
Aber sie hat ja noch gar nicht offiziell erklärt, überhaupt für die Präsidentschaft kandidieren zu wollen! Da ist es doch nachvollziehbar, dass sie erst mal nur Opposition betreibt, denn etwas anderes erwarten ihre Anhänger auch nicht von ihr. Und Ronald Reagan hatte wohl vor seiner Kandidatur auch nicht viel anderes gemacht. Sollte Sarah Palin wirklich offiziell kandidieren, müsste sie zweifellos konkret werden.
Beim nochmaligen Durchlesen des Textes ist mir aufgefallen, dass die beleidigende Einleitung (die nicht von der Autorin stammt) auf Frau O’Donnell gemünzt ist und nicht auf Sarah Palin. O’Donnell hat allerdings ihre sicher eigentümlichen privaten Glaubensüberzeugungen meines Wissens nach nie in politische Forderungen umgemünzt. Und vor zwei Wochen war schon mal ein tatsächlich auf Sarah Palin gemünzter Einleitungstext, der absolut daneben war – von daher relativiere ich meine Kritik von oben, ohne sie in der Substanz zurückzunehmen.
War das Ganze nicht voraussehbar? Frau Palin hat schon immer am fundamental-religiösen, rechten Rand stimmen gesucht, da war die Unterstützung für diese, offensichtlich noch “verrücktere“ Person doch nur ein logischer Schritt und dürfte niemanden überrascht haben.
Sind diese fundamentalistischen Ansichten nicht ein wenig besorgniserregend? Ich weiß ja nicht was für Unterstützer Frau Palin in Deutschland hat, ich habe aber das Gefühl, dass solche Ansichten oft völlig ausgeklammert werden. Gerade der freiheitliche Gedanke, wofür Amerika einstehen will, wird dadurch doch eher beschränkt.
Nun, Sarah Palin ist einer der vielen Frauen die nur wegen der Haare einen Kopf besitzen.
Die Frisur ist doch schön, das darunter bedarf einer H – Wäsche.
Das schreibt das Bluthilde-Blog schon lange. Sind Sie zufällig dort Mitarbeiterin?
Und @ Hans Dampf eine kleine Nachdenkaufgabe: Wenn der “fundamental-christliche, rechte Rand” so gefährlich ist – warum haben solche Leute dann in den USA die freieste Ordnung der Geschichte errichtet? Oder wollen Sie uns erzählen, dass die späteren Gründerväter aus Europa ausgewandert waren, weil sie so postmodern-liberale, genderbewusste, die Kritische Theorie vorausahnende und ökosozial bewegte Gutmenschen waren?
Natürlich glaube ich, dass der fundamental-rechte Rand gefährlich ist, was glauben sie denn! Man sieht doch überall auf der Welt, was sowas anrichten kann und auch früher schon angerichtet hat!
Möchten sie beispielsweise dass der Sexualkunde Unterricht abgeschafft wird, nur weil das unzüchtig ist? Oder am besten das Ganze durch die Lehren des Kreationismus ersetzen, wo statt fundiertem wissenschaftlichem Wissen nur noch eine pseudowissenschaftliche Wunschtheorie gelehrt wird. Dadurch wird eine Gesellschafft nicht nur dümmer, ihr wird auch noch eine mittelalterliche „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“-Mentalität beigebracht!
Ich hoffe, dass Amerika so ein Schicksal erspart wir, es wäre nämlich ein Jammer.
lol – Dann muss es an unseren Schulen ja noch viel “fundamental-rechtes” Gedankengut geben: http://www.welt.de/politik/deutschland/article13437242/So-chaotisch-geht-es-an-deutschen-Schulen-zu.html
Ich glaube, Amerika wird aus Begeisterung über das fortschrittliche Deutschland gerne auch diesen Weg beschreiten. Damit auch dort endlich die Gesellschaft so klug wird, Glaubensfreiheit und Gegnerschaft zu sozialistischem Social Engineering als “mittelalterlich” zu erkennen!
Wie kommen sie jetzt auf sowas? Das sind doch zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe! Wollen sie etwa irgendwelche Parallelen zwischen sexueller Aufklärung und Integrationsproblemen an Schulen ziehen? Wenn sie das tatsächlich machen, dann glauben sie sicher auch, dass die Dinosaurier ausgestorben sind, weil auf der Arche kein Platz mehr für sie war…
Die Schärfe des Klassenstandpunktes beim Genossen Dampf ist eindrucksvoll und sehr inspirierend.
Mag sein, aber er ist eben auch im Bezug auf die Bibel nur halbgebildet und versucht den Rest durch gefühltes Wissen und gaaanz viel Gefühl und/oder Empörung auszugleichen – etwas, was kennzeichnend für das staatliche Zwangsschulsystem ist.
Die Dinosaurier werden in der Schrift erwähnt, aber nicht im Zusammenhang mit der Arche Noah (im Zuge der Sintflut wurden nur die Nephelim aus Gen. 6 als Wesen ausgerottet), sondern bei Hiob. Und der hat doch um einiges später gelebt.
Aber macht nix. Lieber grottendoof und sexuell befreit als informiert und “mittelalterlich”!
Aha, ich habe da scheinbar einen Nerv getroffen. Sie sind wohl wirklich der Auffassung, dass Menschen und Dinosaurier gleichzeitig existiert haben. Da lässt sich ja eigentlich nicht mehr viel zu sagen…^^
Ich hab mir die Sache mit Hiob mal durchgelesen. Da stand sogar drin, dass die Feuer spucken konnten. Eine wirklich tolle Geschichte.
Will Tanner, sie scheinen wirklich top informiert zu sein ;) Ich bin dafür, dass sie das Ganze noch weiter ausführen, damit es auch wirklich jeder versteht.
harrytisch2009, ein wirklich aufschlussreicher Kommentar. Aber ich muss sie leider enttäuschen, bin weder Kommunist noch sonderlich weit Links, nur realistisch und ich fürchte, dass Frau de Lisle und ich, wenigstens im Bezug auf die Sache mit den Dinos, sogar einer Meinung sein könnten ;)
Hier noch ein Zitat aus einem sehr aufschlussreichen Forum:
„Die Dinos sind nicht ausgestorben sie haben nur ihre Form verändert, das beste Beispiel ist der Emu, und noch andere Tiere.“ Chris
Dieser Chris scheint ein wirklich kluges Köpfchen zu sein^^
Das mit den Emus würde doch Ihrer Evolutionstheorie nahekommen. Mich würde bloß interessieren, wo ich in ein Online-Archiv gelangen kann, in dem es Ausgaben der BILD von vor 50 oder 100 Millionen Jahren abzurufen gibt. Denn offenbar weiß man nicht nur haargenau, welches Viehzeug wann genau wen und wo gefressen hat, sondern auch, wie damals das Wetter war…
“Amöbe Lissy exklusiv: Ich habe den Urknall gesehen…”
Ich besitze lieber Informationen, die auf Logik basieren, kritisch betrachtet und widerlegt werden können, als einen Glauben, der nichts davon zulässt.
Aber wem erzähl ich das. Es kann halt nicht sein, was nicht sein darf…
Herr Maier ist alt. Sein Hund ist alt —> Herr Maier ist sein Hund.