In Berlin haben Deutsche und Amerikaner gelernt, wieder zusammenzuarbeiten. Barack Obama

Ist der Ruf erst ruiniert

Unsere Kolumnistin musste in den vergangenen Tagen harte Gefechte führen. Ihr Wikipedia-Eintrag wird sabotiert, Zitate umgeschrieben, Beleidigungen hinzugefügt. Nur wenn sie selbst ihren Namen korrigieren will, dann geht das nicht.

Wikipedia ist keine Quelle. Eine rechtsradikale, konservative Schlampe, die keine Gerichtsverhandlungen für Terroristen will und die Folter gut findet. Über wen reden wir hier? Na mich! Zumindest laut Wikipedia. In den vergangenen Tagen ging es hin und her auf meiner Seite. Es wurden Sätze zusammengefasst und umgeschrieben, aus dem Kontext genommen und einfach so mal wiedergegeben. Erstens bin ich nicht rechtsradikal, sondern aus republikanischer Sicht sehr liberal. Ich mag erneuerbare Energien, finde, dass die Sexualität eines Menschen Privatsache ist, und finde auch, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn jeder zumindest die Möglichkeit hätte, eine Krankenversicherung abzuschließen. (Obamacare mag ich trotzdem nicht.)

Ich befürworte keinesfalls Folter. Was ich gesagt habe, ist, dass erst durch das Waterboarding von Khaled Scheich Mohammed die Information über den Decknamen von Osama bin Ladens Kurier herauskam. Ich habe auch nie gesagt, dass Terroristen keinen Prozess bekommen sollten. Ich habe – zugegeben etwas zu salopp – gesagt, dass Osama bin Laden eh die Todesstrafe gekriegt hätte, also ist das Endresultat dasselbe gewesen. All diese Sachen habe ich nicht im Privatgespräch gesagt, sondern im Fernsehen. Nachweislich. Die Sendung ist online und kann beliebig oft nachgeschaut werden. Und zu der Beschreibung konservative Schlampe brauche ich mich glaube ich wirklich nicht äußern.

Verleumdung gehört zum Geschäft

Verleumdung gehört nun mal zum Geschäft bei Wikipedia. Recherchieren unnötig. Leider benutzen „Journalisten“ auch immer wieder Wikipedia als Quelle, obwohl sie es besser wissen sollten. Bei der letzten Oscar-Verleihung hat eine junge Dame aus Amerika sich entschieden, Russell Brands Mutter einfach von Barbara zu Juliet umzutaufen, „nur um zu sehen, was passiert“. Was passierte, ist dass viele renommierte Agenturen und Zeitungen Bilder abgedruckt haben, die Russell Brand mit seiner Mutter „Juliet“ zeigten. Die Zeitungen, u.a. die „LA Times“, mussten Korrekturen einreichen. Weil sie eben einfach auf das vertraut haben, was bei Wikipedia stand.

Mein Vater schlug sich wochenlang mit einem Wikipedia-Autor rum, der ihn immer wieder als deutsch-amerikanischen Radiomoderator beschreiben wollte. Mit der Begründung, dass die Urgroßeltern meines Vaters von Frankreich und Deutschland nach Amerika zogen. Mein Vater hat aber keine deutsche Staatsbürgerschaft. Ab wann gilt man denn als amerikanisch? Wenn drei Generationen in Amerika lebende Vorfahren nicht mal ausreichen, dann gibt es überhaupt keine Amerikaner. So alt ist unser Land ja gar nicht. Merkwürdigerweise behaupten aber die meisten Deutschen auch, Mesut Özil sei Türke, obwohl er überhaupt keinen türkischen Pass besitzt und seine Großeltern nach Deutschland ausgewandert sind. Ist man einmal deutsch, bleibt man das wohl immer, egal wann die Vorfahren ausgewandert sind. Deutsch zu werden ist wohl etwas schwieriger. Ich musste mir auch voriges Jahr in München anhören, mein Sohn (sein Vater ist Deutscher) wäre auch kein „echter“ Deutscher, weil ich Ami bin. Er wäre eben nur halb-deutsch.

Eine Frage der Autorität

Eigentlich wollte ich aber nicht über die Aus- oder Einwanderung sprechen, sondern über Wikipedia. Es ist zwar sehr schön, dass man so viele Information im Internet finden kann, aber ich habe große Probleme damit, wenn irgendwelche Leute irgendetwas in einen Beitrag schreiben können, egal ob es wahr ist oder richtig zitiert. Von den diffamierenden Zitaten mal abgesehen, vor ein paar Jahren wollte ich die Schreibweise meines Namens korrigieren. Heather Anne De Lisle. Mit Leerzeichen. Meine Änderung wurde abgelehnt, mit der Begründung, meine Aussage wäre keine legitime Quelle. Wenn ich für das Buchstabieren meines eigenen Namens keine legitime Quelle bin, wer dann, fragte ich mich. Die Antwort: Zusammengeschrieben bekommt der Name mehr Hits bei Google. Na DANN muss es ja stimmen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Heather De Lisle: Der BlackBerry-Aufstand

Leserbriefe

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