Revolution von oben

von Hartmut Steeb15.01.2014Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Gleichmacherei wie in Baden-Württemberg missachtet die Verfassung und das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Über 60 Jahre bin ich Baden-Württemberger, Stuttgarter. Hier geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, Ausbildung gemacht, Fachhochschule absolviert, beruflichen Aufgaben nachgegangen, geheiratet, Kinder gezeugt, alt geworden. Im Musterländle bin ich zu Hause. Weil die baden-württembergische Landesregierung viele Fehler gemacht hat, der bewährte Erwin Teufel als Ministerpräsident „vom Hof gejagt“, sein Nachfolger bald nach Brüssel „abgeschoben“ wurde und nichts Besseres nachkam, bedurfte es nur noch eines Unfalls in Japan und einer misslungenen Kommunikation beim Projekt Stuttgart 21, dann kam der Sinneswandel. Die stärkste Partei blieb in der neuen Legislaturperiode von der Regierung ausgeschlossen, weil Kleinere Aufwind spürten. Grün-Rot herrscht jetzt in Baden-Württemberg und in Stuttgart.

Ja, sie „herrschen“. Sie wollen die kurze Chance nutzen, das Ländle gründlich umzubauen. Eine neue Politik des „Gehörtwerdens“ wollte der erste grüne Ministerpräsident einführen. Schluss mit der „Basta-Politik“ sollte sein. Aber offenbar auch gleich Schluss mit gesetzten und bewährten Werte-Entscheidungen, die frühere Generationen bewusst getroffen hatten. Grün-Rot plant die Kulturrevolution von oben. Was kümmert die politischen Bildungsplaner die Grundwerte-Entscheidungen im Grundgesetz, wonach „Ehe und Familie“ „unter dem besonderen Schutz des Staates“ stehen und die „Erziehung das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“ ist? Was kümmert sie die Verfassungsvorgabe des Landes vom „christlichen Sittengesetz“ und die daraus resultierenden Schulgesetze, dass die „Kinder in der Ehrfurcht vor Gott“ zu erziehen wären?

Umdeutung des Familienbegriffs

Es werden einfach bildungspolitische neue Leitsätze erfunden, zu denen die Akzeptanz „sexueller Vielfalt“ gehört. Anstatt die verfassungsmäßigen Leitsätze als Schwerpunkt- und Querschnittsaufgaben für den Bildungsplan festzuhalten, werden die Interpretation und die Diktion einer sexuellen Minderheiten-Interessengruppe übernommen. Man schwadroniert von „sexueller Vielfalt“ und übernimmt die Formulierungen aus den Papieren einschlägiger LSBTTII-Gruppen. Man tut so, als ob es kein Naturgesetz sei, dass sich der Mensch durch die geschlechtliche Vereinigung von Frau und Mann fortpflanzt. Und damit man schlechter mit der Verfassung argumentieren kann, werden die Begriffe eben uminterpretiert. Dann ist Ehe nicht mehr – wie seit tausenden von Jahren und wie von den Verfassern des Grundgesetzes für selbstverständlich vorausgesetzt – die lebenslange Gemeinschaft zwischen einer Frau und einem Mann, aus der durch Kinder eine Familie wird. Dann behauptet man, es könne auch Mann und Mann oder Frau und Frau sein. Und Familie ist dann überall dort, wo Erwachsene mit Kindern zusammenleben.

Die Nachhaltigkeit sexueller Entfaltung durch Kinder, die ein Recht auf Vater und Mutter haben, deren Leben eingebettet sein soll in optimale Wachstumsbedingungen, nämlich der Liebes- und Treuegemeinschaft seiner Eltern, wird geopfert auf dem Altar sexueller Lust und Beliebigkeit. Homosexualität, Transgender, Polyamoröses Leben – folgerichtig dann ja auch Polygamie – soll als gleichwertig anerkannt und gefördert und beschult werden. Und da muss doch einem echten Mann aus dem Ländle die Frage erlaubt sein, ob man Erkenntnisse der Gewaltenteilung schlicht vergessen hat? Wieso darf denn eine Regierung an den Verfassungszielen und Verfassungsinhalten vorbei faktisch ein verfassungswidriges Leitbild in den Bildungsplan schreiben?

Wieso kann eine „grün“ geführte Regierung gegen alle hehren Grundsätze der Nachhaltigkeit ausgerechnet im Zentralbereich gesellschaftlichen Handelns Nicht-Nachhaltiges, nur auf sich selbst und die eigene Lust Konzipiertes, gleichstellen wollen mit Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit der Menschen? Und wenn dann einer sagt, man brauche ja heute nicht mehr die geschlechtliche Vereinigung zwischen Frau und Mann, um Kinder zu zeugen – also nachhaltig zu wirken – dann muss man doch gerade die Grünen fragen, warum sie ihre Ziele durch Missachtung von natürlichen Läufen herbeiführen wollen? Kann man Gentechnik gegenüber kritisch eingestellt sein, aber anstelle natürlicher Vermehrung auf Operationen, Geschäfte mit Samen und Eizellen, Handel über Menschen und menschliche Körperteile, die Erzeugung von Kindern und ihr zukünftiges Leben setzen? Einfach mal mit Menschen experimentieren?

Sozialkrankheit „Homophobie“

Der Widerstand im Ländle und in der Republik ist heftig. Aber Politik und Medien sorgen schon dafür, ihn möglichst mundtot zu machen. Es sind ja vermeintlich die „Rechten“, die sich da noch auflehnen, die „Fundamentalisten“. Die „Erzkonservativen“ sind im Widerstand. Da wird den Gegnern dieser naturfeindlichen Gleichmacherei eben die Sozialkrankheit „Homophobie“ unterstellt. Sie werden also als gesellschaftlich krank diskreditiert und diskriminiert, der Petent als einer Sekte angehörig bezeichnet, obwohl weder die erwähnte Prisma-Gemeinschaft den Tatbestand einer Sekte erfüllt noch der Petent dort Mitglied ist. Nein, er ist als landeskirchlicher Prädikant anerkannt.

Ich bin wirklich erstaunt und erschrocken, mit welcher Intoleranz gegenüber Andersdenkenden die Akzeptanz jedes Lebensstils gefordert wird. Und dazu passt dann auch das völlig intransparente undemokratische Verhalten der politischen Bildungsplaner. Erst aufgrund des öffentlichen Drucks hat man die Papiere am 10. Januar auch öffentlich zugänglich gemacht. Vorher wurden manche Anfragen abgewiegelt oder von der Kultusverwaltung einfach ignoriert. Wenn denn wenigstens alles gleichgültig wäre? Nein, man darf alles sein nur nicht gegen die Revolution von oben. Da hört Demokratie und Toleranz auf. Aber diesem „Homofundamentalismus“ muss man widersprechen. Nicht nur als Baden-Württemberger.

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