Die Verschmutzung des Marktplatzes der Ideen ist die größte Umweltkrise unserer Zeit. James Hoggan

„Ich kenne den Koran besser als seine Leser“

Was wäre, wenn ein bekannter Islamkritiker eine Koranschule eröffnen würde? In einem fiktiven Interview spricht Harry Tisch mit ihm über die Logik hinter diesem Entschluss, Literatur für die Jugend und die Zukunft des Nintendo Wii.

Die Themenschwerpunktwochen „Islamkritik“ sollen heute mit einem Interview abgerundet werden, welches Harry Tisch im Auftrag des Autor_innenkollektivs Dr. Hilde Benjamin mit Michael Anschleimer (Name von der Redaktion geändert) geführt hat. Dieser namhafte Blogger war kürzlich ans für ihn zuständige Jobcenter herangetreten, um einen Existenzgründerzuschuss für die Eröffnung einer Koranschule zu beantragen. Die Sachbearbeiter stehen der Idee eher reserviert gegenüber. Anschleimer wittert obskure Ränkespiele. Wir haben nachgefragt.

H.T.: Lieber Genosse Anschleimer, was bringt Dich auf diese – sagen wir mal – etwas ungewöhnliche Idee?
M.A.: Ungewöhnlich? Ha! Ich kenne den Koran besser als 95 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime und weiß sogar, was über die richtige Form des Urinierens drinsteht. Wer soll also besser geeignet sein, ihn zu lehren, als jemand wie ich, der sich seit Jahren rund um die Uhr mit nichts anderem mehr als dem Islam beschäftigt?

H.T.: Das leuchtet ein. Aber wer soll denn überhaupt das Publikum sein? Die Islamkritiker doch wohl eher weniger?
M.A.: Ich will den Muslimen die Wahrheit über ihren Glauben beibringen. Zu viele von ihnen haben den Koran zwar zu Hause liegen, zocken aber lieber an der Wii-Konsole oder hängen mit ihren Kindern am Sandkasten ab, den ich gerne als Hundeklo nutzen würde, als sich mit ihm zu beschäftigen. Sarrazin hatte nachgewiesen, dass Muslime zu wenig lesen. Kein Wunder also, dass wir Islamkritiker über ihre Religion besser Bescheid wissen als sie selbst. Und die meisten Muslime verhalten sich dann doch nicht so, wie Fjordman und ich es in unseren Essays beschreiben.

„Ich kenne den Koran besser“

H.T.: Wäre es dann nicht sinnvoller, den Koran gleich als Spiel für die Wii zu entwickeln?
M.A.: Killerspiele sind ab 18. Religiöse Bücher sollten das im Übrigen auch sein. Seit ich Islamkritiker bin, wurde mir klar: Hätte ich je eine Frau gehabt und mit dieser Töchter gezeugt, hätte ich diese nicht mal die Bibel lesen lassen, sondern nur die „Bravo“ und die „Emma“. Mit 13 hätte ich sie nicht ins christliche Feriencamp, sondern zur Spring Break geschickt.

H.T.: Du hast ja vom Klassenstandpunkt aus völlig recht, aber diese Aussage überrascht uns jetzt. Bist Du nicht Referent bei kirchlichen Vereinigungen?
M.A.: Ist nicht „Weltbild“ ein kirchlicher Verlag? Wir müssen angesichts der islamischen Gefahr alle Vorstellungen infrage stellen, die wir über Jahrhunderte hinweg lieb gewonnen haben. Wir dürfen unsere Kinder nicht zur Abstinenz erziehen, wir müssen sie bei frühester Gelegenheit mit Alkohol und ausschweifendem Leben vertraut machen, sonst sind wir wie die Muslime.

H.T.: Das klingt logisch. Soll ich dann nicht eigentlich auch mein Haus anzünden, um Einbrecher abzuhalten?
M.A.: Konsequenterweise ja. Es wäre jedenfalls zu 100 Prozent wirksam.

H.T.: Aber warum sollen Muslime ausgerechnet in Deine Koranschule kommen, wenn es doch schon unzählige andere gibt, die durch die Verbände geleitet werden?
M.A.: Na eben, weil ich den Koran besser als alle Muslime zusammen kenne und deshalb auch weiß, wie dieser einzig richtig zu interpretieren ist. Ich habe im Rahmen meines Konzepts auch dargelegt, dass ich für Absolventen der Koranschule dann auch Weiterbildung anbieten würde, um sie fit für die Fiqh, die Islamische Rechtswissenschaft, zu machen. Auch die soll endlich auf die Linie vereinheitlicht werden, die al-Qaida und wir seit Jahr und Tag für authentisch erklären.

H.T.: Die Sachbearbeiter im Jobcenter sollen aber dazu nur gemeint haben: „Fiqh Dich ins Knie!“?!
M.A.: Weil sie alle Dhimmis sind, die im Auftrag Washingtons unsere überlegene europäische Kultur unterminieren sollen. Wenn Nürnberg 2.0 kommt, werden sie alle hängen.

H.T.: Tja, der Genosse Stalin hatte auch einen eigentümlichen Humor. Was uns allerdings noch interessiert: Warum differenzieren regressive Kräfte wie der Amerikaner Daniel Pipes immer noch zwischen Islam und Islamismus und werfen Europa vor, seine Probleme mit Zuwanderern wären hausgemacht?
M.A.: Weil er von den Imperialisten gekauft ist. Außerdem ist er ein weltfremder Theoretiker, der nichts vom tatsächlichen Kampf gegen den Islam weiß, wie wir ihn führen.

HT: Machst Du denn etwas anderes, als im Internet Artikel zu schreiben?
M.A.: Meine und die von Fjordman sind wesentlich länger! Alleine das sagt schon alles aus. Was sind das überhaupt für Arschlochfragen, die Du hier stellst?

„Ein Schritt zurück zur Vernunft“

H.T.: Ich mache hier nur meine Arbeit. Eine Frage hätte ich noch: Angenommen, der Stürzenberger-Plan zum Verbot des Islam und Ausweisung aller verbliebenen Muslime würde binnen Jahresfrist Wirklichkeit. Was willst Du dann mit Deiner vielleicht gerade erst genehmigten Koranschule machen?
M.A.: Gute Frage. Das Ende des Islam in Deutschland wäre ein wichtiger Schritt zurück zu Vernunft und europäischen Werten. Das muss man würdigen. Ich würde sagen, entweder ich vermiete die Räumlichkeiten weiter an die Ludendorff-Bewegung oder ich mache ein Zentrum für Homöopathie daraus.

HT: Vielen Dank für das Interview.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Harry Tisch: Befreiung des Stoffwechsels

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Islam, Innenpolitik, Koran

Debatte

Hüpfen mit Nintendos Wii

Medium_5f2fd03006

Zeit für große Gesten

Bewegungssensoren, wie sie Nintendos Wii salonfähig gemacht hat, sind für Hardcore-Gamer nichts weiter als ein Realität gewordener Witz. Und doch vermögen die neuartigen Eingabemöglichkeiten Großar... weiterlesen

Medium_a2ea259ff7
von Michael Stepper
30.12.2010

Debatte

Wii gegen Nintendo

Medium_b757497639

Bewegungslegastheniker vor

Im Wohnzimmer wird mobilgemacht. Wii und Co. holen uns von der Couch und drücken uns den Bewegungscontroller in die Hand. Doch das Gehüpfe ist immer noch kein Ersatz für fingerfertige Analog-Gamer. weiterlesen

Medium_b361a0b154
von Markus Schwerdtel
19.10.2010
meistgelesen / meistkommentiert