Immer mehr Menschen in unserem Land befinden sich immer noch in Schockstarre ob der völkerrechtswidrigen Wildwestaktion der imperialistischen Yankees gegen den missverstandenen Kapitalismuskritiker Osama bin Laden.
Besonders aufgeklärte und weitsichtige Genoss_innen wie Eyke Schreiber aus der „Evangelischen Facebook-Gemeinde“ wissen punktgenau die Geschehnisse im richtigen historischen Zusammenhang zu deuten und attestieren den Soldaten, die den Friedenskämpfer in wenigen Sekunden vom Hindukusch aus über den Jordan befördert hatten, „Kadavergehorsam, wie man ihn von KZ-Wächtern kennt“. Was mittelbar auch beweist, dass nicht nur Bush, sondern mittlerweile auch Obama aus gutmenschlicher Perspektive mit Hitler verglichen werden kann. Bloß dass Letzterer niemals Zweifel an seiner Geburtsurkunde erweckt hatte.
Eine moralisch einwandfreie und anständige Menschenjagd
Man mag die Barbarei der Navy Seals auf den ersten Blick noch mit der mangelnden Bildung und politischen Reife der Menschen in den USA erklären können. Die Verfassung dieses Staates huldigt dem Kreationismus, er wurde von Öl stehlenden Indianerschlächtern gegründet und wird heute noch von Bibel schwingenden Fundamentalisten, Countrysängern und dem militärisch-industriellen Komplex beherrscht.
Dennoch sollte dem kritischen Betrachter bei genauerer Betrachtung nicht entgehen, dass der Grundsatz „No Apology“ auch und gerade für sie nicht greifen kann, denn sie hätten jederzeit die Möglichkeit gehabt, sich eingehend von deutschen Gutmenschen erklären und zeigen zu lassen, wie eine moralisch einwandfreie und anständige Menschenjagd funktioniert. Und es gibt aus der jüngsten Zeit kein besseres und erfolgreicheres Beispiel dafür als die erfolgreiche Demontage des amerikahörigen schwarz-gelben Kriegsministers Karl-Theodor zu Guttenberg.
Die Fälle Bin Laden und Guttenberg helfen, anschaulich zu illustrieren, wie weit unsere intellektuellen Eliten den bigotten und rachsüchtigen Amerikanern zivilisatorisch voraus sind. Der Trend zum „Counterstrike für Klugschwätzer Intellektuelle“, besser bekannt als Dissertationsschnüffelplattform PlagPedi Wiki, zeigt unmissverständlich, dass nur noch Bildungsferne den Tod eines Menschen begrüßen, der Tausenden anderen half, ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren, oder heimischen missverstandenen Opfern der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft einen warmen Willkommensgruß verweigern.
Anständige hingegen wissen, dass es Zeichen einer humanen Gesellschaft ist, wenn progressive virtuelle Schwarmintelligenz jeden reaktionären heubegabelten physischen Lynchmob beschämt und den organisierten Jagdtrieb dem Kampf für das richtige Bewusstsein unterordnet.
Ein moralischer Appell an den Delinquenten
Im Unterschied zu Bin Laden, dem gesundheitlich von Jahren des erzwungenen Abtauchens gezeichneten Familienvater, war und ist Guttenberg beispielsweise nicht wehrlos. Hinter ihm stehen die gesamte Stärke des internationalen Monopolkapitals, die Rüstungsindustrie, die amerikanisch-zionistische Hintergrundmacht und seine Familie, die sich so fürsorglich um ihn gekümmert hatte, wie man es sonst nur vom antifaschistischen Arbeiter- und Bauern-Staat gegenüber seinen Bürger_innen kennt.
Während Guttenberg vorsätzlich Täter einer gefälschten Dissertation war, wurde Bin Laden nach fester Überzeugung eines nicht unerheblichen Teils der hiesigen Bevölkerung selbst zum Opfer eines Fakes seitens der CIA und des Mossad, die ihm den 11. September in die Schuhe schieben wollten, obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon fast unter der Erde war – was seine extralegale Erschießung von vor zwei Wochen gleich als noch barbarischer erscheinen lässt, da sie dann zwangsläufig keine strafrechtlichen Konsequenzen hätte und allenfalls den Tatbestand der Störung der Totenruhe erfüllt.
Und während die Navy Seals ihr verwerfliches, ungerechtes und selbstsüchtiges Ziel mit der brutalen Gewalt roher Schusswaffen gegen den Willen des Gejagten durchsetzen, verfolgt das heimische Gutmenschentum sein gerechtes, hehres und sittlich auf höchster Stufe stehendes Ziel auf dem Wege des moralischen Appells an den Delinquenten selbst. Da es – wie uns kürzlich auch der Genosse Gärtner gehörig belehrte – keine „Hand Gottes“ gibt (und wenn, dann nur im Viertelfinale der Fußball-WM 1986), kann es in solchen Fällen seitens des Ertappten durchaus sogar zum Imperativ des Gewissens werden, die eigene anzulegen.
Wem so viel Moral auf einmal die Luft abschnüren sollte, möge sich damit trösten, dass er auf diese Weise weniger giftige Treibhausgase ausatmet.
Leserbriefe
- 1
- 2


















Sehr geehrter Harry Tisch,
ich bewundere die Leichtigkeit, mit der Sie so einfach drauflos schwätzen. Doch ich mag mir die Folgen nicht ausmalen, wenn Sie dann jemand (oder Sie sich gar selbst) ernst nimmt.
Dass P. Feldmann jetzt hyperventiliert, unterstreicht, dass der Beitrag ins Schwarze getroffen haben muss. Das Bedenkliche ist jedoch, dass diejenigen, die Tisch parodiert, das, was sie sagen, ernst meinen.
Bedenklich ist eigentlich nur die inflationäre Verwendung des Wortes “Gutmensch”, wobei sich mir die Frage stellt, was daran so schlimm ist,wenn man versucht, ein guter Mensch zu sein, bzw hat man es heute leichter, wenn man ein “Schlechtmensch” ist..
Man VERSUCHT… das ist vielleicht das Problem! Gut gemeint ist oft genug das Gegenteil von gut. Und versucht ist eben noch lange nicht gelungen.
Auf diese Personengruppe trifft das Sprichwort zu, der Weg zur Hölle wäre mit guten Vorsätzen gepflastert: http://www.youtube.com/watch?v=j3DhquH12jQ
Ich mag Harry Tisch und seinen ausgeprägen Sarkasmus eigentlich nicht und kommentiere seine Blogs sonst auch nicht: Hier aber gebe ich ihm zu 100% Recht . . . und wer in die Gefahr gerät, das wörtlich (also ernst) zu nehmen, wie hier offenbar @P.Feldmann, dem ist nicht zu helfen. Schade eigentlich.
Guttenberg wurde nicht erschossen.
Damit hat sich dieser erzwungene Vergleich im Grunde schon erledigt.
Das IST ja gerade die Aussage des Beitrages! Es wurde ihm durch den moralischen Druck der Tugendhaften (wie zB Genosse Bartsch) nahegelegt, es selbst zu tun, statt es ihm – wie es die Seals bei Bin Laden gemacht hatten – abzunehmen.
Das unterstreicht ja gerade das Gute an unseren Gutmenschen!
Ich habe nirgends eine Aufforderung an Guttenberg gelesen, er solle Suizid begehen. Sie?