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Für mehr Gerechtigkeit bei der Eiersuche!

Was haben Ostern und der Kapitalismus gemeinsam? Richtig, hier wie da werden die Früchte der gemeinsamen Arbeit (Eiersuche) nicht gerecht verteilt. Also hinweg mit dem System, auf dass jeder sich des Einheitseis erfreuen kann.

Rechtzeitig zum Hasenfest warten die Genoss_innen aus der Jugendorganisation der Partei der kritischen Intelligenz – der Kern der „Ökopioniere“ von morgen – mit einer wegweisenden Handreichung auf.

Ihr „Plädoyer für die Überwindung des Kapitalismus“ zeigt anschaulich, wie ein solidarisches Miteinander, das niemanden – außer Reaktionäre, Konterrevolutionäre, Faschisten, christliche Fundamentalisten, Klimaleugner, Zionisten, Atomlobbyisten, Yankeeknechte, Countrymusiker und andere Klassen-, Volks- und Menschenfeinde – ausschließt, zu besseren, effizienteren und sozial gerechteren Ergebnissen führt als der Selbstabgrenzungskult der Marktwirtschaft.

Wir werden nicht alle glücklich

Obwohl sie selbst ihre anerzogenen Vorurteile noch nicht ganz überwunden zu haben scheinen – immerhin sprechen sie noch von „Ostereiern“ und nicht von Frühlingskugeln –, zeigen sie uns deutlich auf, warum ein System, das auf Kooperation angelegt ist, dem kapitalistischen Wettbewerb überlegen ist:

„An Ostern ist es bei einem großen Teil der Gesellschaft üblich, dass Kinder nach Ostereiern suchen, die zuvor ,vom Osterhasen‘ versteckt wurden. Jetzt stellen wir uns einfach mal vor, der Osterhase habe 30 Eier vor 5 Kindern versteckt. Zwei Szenarien: Im ersten wird den Kindern aufgegeben, die Eier als Wettbewerb zu suchen und im zweiten erhalten sie den Auftrag, die Eier gemeinsam zu suchen. In welchem der beiden Szenarien werden die Kinder die Eier wohl schneller finden? Ganz klar: wenn sie kooperieren. Wenn ein Kind dem anderen sagen kann: ,Hey, da musst Du nicht mehr suchen – da war ich schon.‘“

In kapitalistischen Ausbeutergesellschaften steht dieser Kooperation beispielsweise im Weg, dass ein Kind meint, ein rotes Ei zu bevorzugen und ein anderes ein gelbes; vielleicht alle nur denken, grüne zu wollen, es aber nur blaue gibt; es nur eins in Lila gibt, das aber alle haben zu wollen meinen. Der Kapitalismus ist nicht in der Lage, sicherzustellen, dass alle „individuellen Wünsche“ erfüllt werden.

Der Sozialismus hingegen kann erreichen, dass durch Bewusstseinsarbeit seitens der intellektuellen Elite aus den vermeintlichen Einzelwünschen ein einziger, authentischer, einheitlicher, kollektiver Wunsch wird, weil sie besser zu beurteilen vermag, was das wahre Bestreben jedes Einzelnen ist, als dieser selbst. Und dass abweichende Einzelwünsche eben nur Ausdruck eines überkommenen falschen Bewusstseins sind, das aus der schädlichen Prägung durch Elternhaus und religiöse Bigotterie resultiert. Im Sozialismus wird dem von vornherein ein Riegel vorgeschoben – eben, indem die Kinder nicht aus eigenem Antrieb suchen, sondern „den Auftrag erhalten“.

Ein sozial gerechtes Hasenfest

Neoliberale Eltern versuchen nun, diesen solidarischen Ansatz durch Blendung mit Überfluss zu sabotieren. Sie verstecken 100 Eier. Blaue, gelbe, grüne und welche in Lila. Die Chance, dass jedes Kind ein Ei findet, dessen Besitz es von anderen unterscheidet, ist wesentlich größer. Dadurch werden Kinder dazu ermuntert, ihre „Wünsche“ so zu formulieren, dass sie von den anderen abweichen. Haben Eltern am Selbstabgrenzungswillen der Kinder vorbei Eier gefärbt, müssen sie die Enttäuschung der Kinder und die Häme der anderen Eltern aushalten und sich im nächsten Jahr noch besser an diese Sonderwünsche anpassen.

Die eiskalten neoliberalen Eltern werfen natürlich dann die Eier, die von den Kindern nicht gemocht wurden, weg oder essen sie selbst – mit allen gesundheitspolitisch negativen Folgen. Um den Kostenfaktor gering zu halten und den Mehrwert an selbstgefälliger Freude zu steigern, würden sie natürlich auch keine Eier von Freilandhühnern kaufen. Beim Osterei kommt es nach kapitalistischer Marketinglogik schließlich darauf an, wie es aussieht und nicht, was drin ist.

Auch die Sinnhaftigkeit der von der Grünen Jugend erhobenen – von einer in den 1930er-Jahren in Deutschland erfolgreichen ökosozialistischen Partei inspirierten – Forderung nach der Brechung der Zinsknechtschaft Abschaffung des Zinssystems lässt sich anhand dieses Beispiels gut illustrieren: Wenn Hans zum Wanderausflug nach dem Suchen ein Ei mitnimmt, Kevin aber nicht, und Kevin um 13 Uhr Hunger bekommt, könnte er Hans fragen, ob dieser ihm sein Ei gibt. Da Hans in diesem Fall selbst kein Ei hätte, wenn er später selbst Hunger bekommt, wird er es Kevin vielleicht nur unter der Bedingung leihen, von diesem, sobald sie nach Hause gekommen sein werden, zwei zurückzubekommen. Die Folge ist, dass Hans’ Cholesterinspiegel ansteigt, während Kevin ausgebeutet wird. Im Grunde also doppelte Ungerechtigkeit.

Sorgen wir gemeinsam mit der Grünen Jugend also für ein sozial gerechtes Hasenfest!

(Mit Dank an den Genossen Claus Schmidt für sachdienliche Hinweise …)

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Harry Tisch: Befreiung des Stoffwechsels

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