Im Grunde bin ich für die Pressefreiheit, aber geschmackvoll sollte sie schon sein. Leo Fischer

Warum sich Linke immer beleidigt fühlen

Es war immer eine Spezialität linker Intellektueller und ist es bis heute, beleidigt zu sein. Die Idee, irgendwie immer diskriminiert worden zu sein, ist für mich Wesensmerkmal der politischen Linken und Ausdruck argumentativer Schwäche, sonst gar nichts.

die-linke guenter-wallraff

Als Fan von Ekel Alfred weiß ich nur zu gut, dass er in einem Endlos-Monolog seinem subversiven Sozi-Schwiegersohn sagte, Willy Brandt laufe in die dialektische Falle.
Fieser Reaktionär, der er im WDR-Fernsehen der 1970er war, benutzte Alfred den Jargon der Linken.

Die dialektische Falle

In diese drohen zurzeit konservative und liberale Intellektuelle zu laufen. Nach Jahrzehnten der Debattenhoheit linker Denker ist eine Behäbigkeit eingetreten. Ähnlich einem Spitzensportler, der durch schwache Konkurrenz träge wird, verliert er erst seine Form und beim ersten neuen hungrigen Konkurrenten seine Dominanz. So sind viele dezidiert Linke immer noch der Meinung, die Debatten der Frankfurter Schule führen zu müssen, auch wenn der Schuh uralt ist und gar nicht mehr auf die heutigen Füße passt.

Linke Lächerlichkeiten preisgeben

Schwupps, war die Debattenhoheit weg. Vorreiter wie Broder, Fleischhauer, Miersch, Matussek, Maxeiner, Joffe und Co, die mit augenzwinkernder Leichtigkeit linke Weltweisheiten der Lächerlichkeit preisgaben, sicherten dem libertären und liberal-konservativen Weltbild eine Vorrangstellung im Lande, der die Gegenseite oft nichts entgegenzusetzen hatte, zumal die meisten der Genannten selbst früher links waren. Sie kannten so offensichtlich die Schwächen dieser Denke.

Ähnlich wie sich damals die linke Weltsicht behäbig eingerichtet hatte in eigener intellektueller Mittelmäßigkeit, droht dies jetzt den Liberal-Konservativen, mittelfristig zumindest. Das permanente Beleidigt-Sein und permanente Wiederholung bis zum Erbrechen ein und desselben Punktes in allen Schattierungen war Hauptgrund für die Verödung linker Debattenkultur. Ein Kollege in einem Literaturverein, er sehr links, ich sehr libertär, wollte mich indigniert vor einem Jahr zur Rede stellen, ich hätte einen ganz sinnlosen Leserbrief im SPIEGEL geschrieben. Mit sinnlos meinte er politisch unmöglich, beleidigend oder dergleichen, wagte ich es doch glatt, zu erwähnen, dass das deutsche Sozialsystem zur Trägheit animiere. Da er diesen Leserbrief nicht selbst las, sondern einige seiner Kunden, die ihn dann fragten, was ich mir dabei gedacht habe, nahm ich ihm den Wind aus den Segeln, indem ich ihm offensiv sagte: „Bestell doch einfach Deinen Kunden, dass der Artikel gar keinen Sinn macht, ich vielmehr ein rücksichtsloser Rüpel bin, der von nichts eine Ahnung und null Empathie hat. Bums. Fertig. Basta.“

Linke sind oft beleidigte Leberwürste

So gewinnt man Lufthoheit, indem man humorvoll-schlagfertig und überraschend antwortet. Ein Fehler, der sich bei vielen konservativen Intellektuellen einschleicht, ist, selbst die beleidigte Leberwurst zu spielen, nachdem man sich vorher erfolgreich über linke Leberwürstchen lustig gemacht hatte, weshalb man ja diese Lufthoheit erlangte, da Beleidigtheit eher Ausweis der Niederlage denn des Sieges ist. Ein Sieger lächelt und lamentiert nicht permanent.

Nun sehe ich bei einigen Debatten, dass man sich anstellt wie ein Schwächling, was ich für dumm und verfehlt halte. Die politischen Entwicklungen bestätigen – zumindest meiner Ansicht nach – die Richtigkeit konservativ-liberaler Ansichten. Ein Beispiel: Staaten, die sozialistische oder übermäßig soziale Politik verfolgen, landen über kurz oder lang im Bankrott: Venezuela und Griechenland seien mal hier nur genannt. Wettbewerbskultur hingegen fördert Wohlstand.

Konservative sehen sich gern in der Rolle des Opfers

Umso unverständlicher ist es, dass man stattdessen auf die beleidigte Karte setzt, anstatt souverän und genüsslich im Diskurs die Fehler des Gegners humorvoll auf die Schippe zu nehmen. Es ist leider Mode geworden, dass sich Konservative in die Rolle des Opfers mogeln und dabei im Grunde der Diskriminierungsfalle linker Logik anheimfallen. Dabei sind es doch die Liberal-Konservativen, die von der Stärke des Einzelnen ausgehen, der eben keiner Unterstützung bedarf. Warum stellt man sich dann so gern als schwach dar – will man, ganz nach linker Logik, bedauert und bemuttert werden?

Anstatt aus der eigenen Stärke zu argumentieren, wird die Unfairness des politischen Gegners betont. Ja, diesen Fehler habe ich bei einigen Artikeln auch begangen, zumindest ansatzweise, wird nicht wieder vorkommen. Aber einige Autoren treiben es ohne Not auf die Spitze. Wer permanent damit kokettiert, dass er möglicherweise Nachteile erleidet oder böse Leserbriefe bekommt, wenn er mutig seine Meinung schreibt, macht etwas falsch. Aus Erfahrung kann ich nur sagen, dass mir kein einziger Artikel, den ich je geschrieben hätte, in meinem Job irgendwie geschadet hat, im Gegenteil.

Auch bei Verhandlungen mit Verlagen, die von linken Lektoren und Chefs geführt werden, schadet es gar nicht zu erwähnen, dass man für die Achse oder ähnlich Blogs veröffentlicht. Im Gegenteil, die meisten Linken mögen Broder, zumindest seinen Schreibstil. Auch verlor ich hierdurch nie wahre oder Facebook-Freunde, weil ich offen meine Meinung vertrat.

Obwohl in meinem Bekannten- und Freundeskreis viele Grüne sind, hat niemand daran Anstoß genommen, dass ich anregte, diese Partei, zumindest in Teilen, unter Beobachtung des Verfassungsschutzes zu stellen. Als Autor schreibt man natürlich auch, um möglichst häufig zitiert, geteilt, geliked oder kommentiert zu werden. Es ist dies eine Währung im Wettbewerb der Eitelkeit. Beim nächsten Autorenstammtisch kann man sich dann spreizen.

Schwalbenkönige haben Hochkonkunktur

Ich komme auf das Thema deshalb, weil ich glaube, dass Schwalbenkönige, wie ich sie in Analogie zum Fußball nenne, zurzeit Hochkonjunktur haben, gerade auch im konservativ-liberalen Spektrum. Und genau solche Typen schaden der Sache, die argumentativ so etwas nicht nötig hat.

Es war immer eine Spezialität linker Intellektueller und ist es bis heute, beleidigt zu sein. Die Idee, irgendwie immer diskriminiert worden zu sein, ist für mich Wesensmerkmal der politischen Linken und Ausdruck argumentativer Schwäche, sonst gar nichts.

Ich konstatiere, dass es durchaus Nachteile in der Berichterstattung bei öffentlich-rechtlichen Medien gibt, die tendenziell links stehen. Das weiß man, das ist schlimm, aber auch das einfache Publikum weiß darum, ohne dass man einen 1000. Artikel hierüber schreiben müsste, der bis auf Punkt und Komma das belegt.

Die Dauerindigniertheit linker Debattenkultur

Das ist genau das, was man nicht kopieren sollte, diese Dauerindigniertheit linker Debattenkultur. Aber leider immer mehr liberal-konservative Intellektuelle können der Verlockung nicht widerstehen, sich als Opfer zu präsentieren.

Ganze Artikel handeln davon, dass man auf albernen Internetforen angeblich deshalb erst erwähnt und dann gelöscht werde, weil man auf dem vorgeblich falschen Blog erstveröffentlicht hatte. Wie gesagt, das kann ich in keiner Weise bestätigen. Es scheint mir reine Koketterie und Berechnung zu sein, um das Klischee der Zensur im Lande zu bestätigen und den 1001. Artikel zur Benachteiligung durch Pressevertreter hinzuweisen.

Misstrauisch macht mich so etwas dann, wenn jemand VOR seinem ersten Artikel auf dem ach so umstrittenen Blog auf seiner eigenen Facebookseite frohlockt, wie viel Ärger dies wohl gäbe, den ganzen ersten Artikel dann dem womöglich anstehenden Ärger in sozialen Netzwerken wiederum widmet, um schließlich im dritten Artikel einen Beweis anzuführen, dass man irgendwo in den Tiefen des Internets irgendwo vom Falschen zitiert worden ist, was dann dazu geführt hätte, dass ein anderer Weblog einen nicht mehr zitieren will. Mit Verlaub, alles ein wenig inszeniert.

3 Artikel, von denen 2 rein selbstreferenziell sind, wie langweilig. Um buchhalterisch die eigene Diskriminierung zu dokumentieren, dazu benötige ich keine Blogs, außer ich bin Asta-Vorsitzender im 54. Semester. That´s life – if you can´t stand the heat stay out of the kitchen, frei nach Sinatra und Truman. Es tut mir leid, es so deutlich benennen zu müssen, aber ich halte es für konstruiert, permanent (Schein-) Beweise für eine angebliche Selbstzensur in Medien zu finden. Da fährt man dann auf einem Modethema Trittbrett.

Mich beschleicht das Gefühl, dass man dies mit Ansage macht und es darauf anlegt, dass die Peergroup, also die treuen Leserbriefschreiber, darauf anspringt. Insgesamt schadet es der Sache, wie ich es sehe, wenn man immer beleidigt oder mimosenhaft ist. So etwas tut der Argumentation nicht gut. Ein weiterer Kardinalfehler ist es, seinem Publikum immer das gleiche zu kredenzen. Ist man ein brillanter Experte zum Thema x, sollte man dennoch nur jeden zweiten oder dritten Artikel diesem Thema widmen, sonst nutzt man sich ab.

Man sollte auch 2 oder 3 weitere Themen auf der Pfanne haben, sonst wird es schnell langweilig und man hat nichts zu sagen, als die Ableitungen von Kommentaren auf der eigenen Facebookseite, was zeigt, wie gut es uns gehen muss, wenn wir für so etwas Zeit und Muße haben.

Die Ewige Wiederkehr des Gleichen

Ein Grund, warum die politische Linke in den vergangenen Jahren an Kraft verloren hatte, liegt darin begründet, dass man immer wieder dasselbe schrieb, in tausend und einem Artikel immer wieder und wieder. Wenn beispielsweise Günter Wallraff permanent den Robert de Niro aus Burscheid gab, um ach so unsägliche Skandale aufzudecken, hielt ich es am Ende nicht nur für Masche, sondern auch für unfreiwillig komisch, weil der Mann immer wieder dasselbe machte, ohne schauspielern zu können. Er war also noch nicht einmal gut in dem, was er tat, aber das immerhin 5 Jahrzehnte lang. Man verschleißt sich und wird schlimmstenfalls zur albernen Nummer, wenn man immer nur den gleichen Kram bringt.

Zusammengefasst also 2 Tipps vom Ekel Alfred- und Boxfan: Nicht Klammern (=beleidigt sein) und variantenreich zuschlagen, nicht nur immer mit der gleichen Hand. Nur so gewinnt man Kämpfe. Und der Mitleidspokal ist kein wirklicher Pokal…. Oder wie Rocky Balboa im gleichnamigen Film sagt: „So reden nur Schwächlinge, und Du bist kein Schwächling.“

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jürgen Fritz, Rainer Zitelmann, Bodo Ramelow.

Leserbriefe

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