Wir Iraner lieben Deutschland. Mahmud Ahmadinedschad

Links- und Rechtsaußen bleiben No-go-Areas

Doch was soll ich mit „meiner“ SPD anfangen, wenn diese so tut, als wäre nicht auch durch ihre Schuld vor zwei Jahren diese Bundesrepublik mitsamt der EU beinahe den Bach runter gegangen. Der Bundestag schickte die fahrlässige Kanzlerin nicht in die Wüste, er stellte die Frau ja nicht einmal zur Rede!

Wählen aus Mitleid? Mitleid mit wem? Mit einer Partei? Mit der Bundesrepublik? Mit der EU? Oder gar aus Selbstmitleid?

Die Fragen mögen absonderlich klingen, zumal, wenn sie jemand aufschreibt, der vor fast drei Jahrzehnten erstmals frei wählen konnte und dem diese freien Wahlen noch immer heilig sind.

Und dennoch ist es so und mit mir ergeht es sehr vielen Freiheit- und Demokratiesüchtigen Mitbürgern. Das weiß ich aus ungezählten Gesprächen in West, Ost, Süd, Nord mit Wessis, Ossis, Wossis.

Kann Mitleid überhaupt ein Grund sein, das Wahlrecht wahrzunehmen, auch wenn einfach nicht klar ist, wem das Land und seine Bevölkerung anzuvertrauen ist?

Ganz klar ist nur, Links- und Rechtsaußen und deren Varianten sind No-go-Areas. Für diese Truppen sind weder meine Freunde noch ich 1989 auf die Straße gegangen.

Aber damit bin ich überhaupt noch nicht schlauer, was meine eigene Wahl am 24. September 2017 angeht.

Die Partei meiner Sehnsucht in DDR-Insassenzeiten, die SPD, für die ich sogar 19 Jahre im Bundestag sein durfte, macht es mir unheimlich schwer. Den Spitzenkandidaten mag ich. Mir ist er eine ehrliche Haut. Ich mag auch sehr viele Mitglieder, darunter viele frühere Kollegen.

Doch was soll ich mit „meiner“ SPD anfangen, wenn diese so tut, als wäre nicht auch durch ihre Schuld vor zwei Jahren diese Bundesrepublik mitsamt der EU beinahe den Bach runter gegangen. Der Bundestag schickte die fahrlässige Kanzlerin nicht in die Wüste, er stellte die Frau ja nicht einmal zur Rede!

Der böse Orban, die Österreicher und die Balkanstaaten haben ihr und unser Fell vorerst gerettet. Und bekommen dafür weltöffentlich zelebriert, was unter Freunden eine besonders perfide Niedertracht ist, ständig eine drüber gezogen – aber nur sie. Die ebenso bockigen Westeuropäer weisen keine Peitschenhiebe auf ihren Rücken auf.

Irgendwie gleicht dies dem 90er Aufklatschen der Ossis durch viele Wessis. Nur, dass es jetzt die Mittel-Ost-Europäer sind, die von dem Mittel-Westeuropäern aufgeklatscht werden. Krankfurt ist inzwischen überall, austarierende gewichtende Politik ist nicht das Stilmittel derer, die seit 2015 Deutschland auf religiöserem und bunterem Wege sehen.

Zwei Jahre später ist festzustellen, Deutschland und Europa sind religiöser und bunter geworden. Noch nicht so religiös und bunt wie es der Orient ist. Aber den Rest, den schaffen wir noch. KGE & Co. sei Dank.

Wer Millionen Angehörige einer grundsätzlich anders strukturierten Gesellschaft auf einen Schlag in die eigene Region holt, der gleicht die eigene Region auf zügige Art und Weise der gänzlich anders gearteten Region an. Anders ausgedrückt, wer den Orient reinholt, hat den Orient in seinen Licht- und Schattenseiten reingeholt. Das ist auch nicht mehr zu reparieren. Wie soll das gehen, wenn ein Wahlkampf am schwierigsten Problem überhaupt vorbei organisiert wird. Wie feige sind die staatstragenden Parteien eigentlich geworden?

Sozialer Ausgleich, wirtschaftlicher Fortschritt, Forschung und Bildung, das sind alles wichtige Themen. Die Parteien, auch gerade die SPD, bieten ihre Wege und Prioritäten hierzu an. Doch für viele Wähler stellen sich die Fragen ganz anders. In welchen Rahmenbedingungen sollen diese Wege gegangen werden? Europa ohne sichere Außengrenzen wird weder die innereuropäischen noch die außereuropäischen Probleme lösen können. Weil ein ungesichertes Europa den Sozialstaatsgedanken aufgeben muss und ein kollabierendes Europa überhaupt niemandem auf der Welt helfen kann.
Europa first statt Europa außengrenzenlos!

Das kann nix werden, mit der Einheit in Europa und so. Auch nicht mit meiner an dieser Stelle maßlos überheblichen SPD.

Auch das zielgerichtete Zertrampeln der deutschen Automobilindustrie macht mich ratlos und wütend. Der zelebrierte Glaube an die Göttlichkeit von menschlich festgezurrten Grenzwerten, die fernab physikalischer Gesetze par Ordre di mufti einfach mal so einzuhalten sind, ist widerlich. Die anmaßenden Anklänge an den Kasernensozialismus, der Straßenbahnen und Busse vor den Privat-PKW setzte, wären früher ein Ausreisegrund gewesen.

Hierzu passt das aktuelle Beispiel „Meißner Porzellan“ wie die Faust aufs berühmte Auge. Bis auf Jens Katzek aus Leipzig höre und sehe ich keine Stimmen, die sich gegen die drohende Gefahr für diese weltberühmte Sächsische Porzellanmanufaktur öffentlich aufstellen. Die EU will der Firma an den Kragen. Weil „Meißner Porzellan“ Farben verwendet, die in größeren Mengen der Gesundheit abträglich sein sollen. Wohlgemerkt „Meißner Porzellan“, welches in aller Regel als wertvolles Schmuckstück in den Vitrinen steht. Mir scheint, nicht nur der Diesel soll mittels ideologisch erfundener Grenzwerten erschossen, auch das „Meißner Porzellan“ soll aus denselben Gründen zerdeppert werden. Wo sind die Wahlkämpfer bis auf Herrn Katzek, die sich hier wehren? Darf das Dandy-Europa Herrn Junckers wirklich alles oder bestimmen die Hauptstädte, wer und was Europa ausmacht?

Und dann: ich weiß, mit einer Wahl werde ich den Wahnsinn nicht stoppen. Weil es egal scheint, ob die grünangezogene CDU-Tante die Wahl gewinnt oder der von mir geschätzte Martin Schulz. Die wollen alle weiterhin denselben Unfug mit uns machen. Es ist wie ein Hamsterrad, in dem alle in die gleiche Richtung strampeln müssen um nicht im Gehäuse verqer rumzuliegen.

War die FDP vor kurzem noch für viele meiner Freunde das kleinste Übel unter allen Herausforderungen, so hat Herr Lindner seine Partei mit seinem Krim-Schlag von vielen kleinen Sympathien befreit. Anderer Leute Land verschenken, wo ist das frei und liberal?

Die Grünen? Das ist vergossene Milch. Wir leben bereits in deren hedonistischer Utopie, die was von wiedertäuferischem Untergang an sich haben. Auch wenn sie am Punkt Ukraine erstaunlich richtig liegen. Noch.

Aus Mitleid wählen? Obwohl die Union so tut als ob sie was aus 2015 gelernt hätte und die SPD so tut als ob sie aus 2015 nichts zu lernen hätte?

Aus der staatsozialististischen Energiewende lernen beide nichts, obwohl beide wissen, den Unfug zahlen die Proleten dieser Republik zugunsten der neuen grünen Oberschicht.

Gegen „Deutschland ins vorindustrielle Zeitalter zurück“ stehen beide Parteien nicht auf und präsentieren statt dessen sozialistische Wirtschaftspolitik a‘ la Günter Mittag? Eingeborene Ossis kommen da ins Staunen: Der Quark geht ganz ohne Mauer, Stacheldraht, Schießbefehl. Es braucht nur ein großes Feuilleton, eine Feuilleton-Kanzlerin, eine lammfromme Union und eine SPD, die sich vom Industriestandort Deutschland in Fortschritts- und Weltheilungsutopien zu verabschieden scheint?

Ich werde am 24. September wählen gehen. Damit die Ränder rechts wie links keine Chance bekommen können. Hoffe ich jedenfalls. Ob ich SPD wählen werde, das steht heute noch in den Sternen. Noch hat Martin Schulz Zeit, nicht nur mir sondern sehr vielen Sozis in- und außerhalb der SPD zu zeigen, dass er verstanden hat. Das ist nämlich überhaupt noch nicht klar.

Warum fällt er bspw. denn Frau Özuguz nicht ins Wort, die Heimaturlauben von Flüchtlingen (angeblich vor Terror und Folter) das Wort redet? Kein NS-Flüchtling wäre auf den Gedanken gekommen, einen Urlaubstrip ins Dritte Reich zu unternehmen. Die waren als tatsächliche Flüchtlinge vor Terror, Folter und Vernichtung glücklich gewesen, ihren Peinigern entkommen gewesen zu sein. Das kann demnach mit der Verfolgung dieser heutigen „Urlauber vom Asyl“ nicht so richtig stimmen, wenn diese Zuwandrer in das Land ihrer größten Gefahr zurück reisen.

Wie verschoben sind eigentlich die diesbezüglichen Maßstäbe in der Bundesrepublik? Merken wir noch, wie lächerlich wir uns innerdeutsch und weltöffentlich machen? Genau hier kommt das Hamsterrad wieder ins Spiel. Den Hamstern fehlt nämlich auch die Reflexion über ihr Tun und wie es von außen beurteil wird.

Warum schreibe ich das hier alles öffentlich auf? Weil es viele Mitbürger der gesellschaftlichen Mitte gibt, denen es sehr ähnlich geht und die aus welchen Gründen auch immer, sich nicht zu Wort melden.

Ich für meinen Teil halte es für meine staatsbürgerliche Pflicht, mich so zu äußern, wie ich es tue. Unsere Fesseln sprengten wir 1989, niemand wird mir diese wieder anlegen.

Quelle: Weissgerber – Freiheit

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Henryk Broder, Vera Lengsfeld, Christian Lindner.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Spd, Fdp, Angela-merkel

Debatte

Jamaika-Verhandlungen zu lang? Nix da!

Medium_e6071eff98

Jamaika - Die hohe Schule der Demokratie

Der ab und an geäußerte Wunsch nach einer Minderheitsregierung ist nicht realitätstauglich. Egal wie das alles inhaltlich bewertet werden wird , der Prozeß selbst ist hohe Schule der Demokratie. weiterlesen

Medium_c13f98e5ab
von Gunter Weißgerber
17.11.2017

Kolumne

Medium_3b0c51c55f
von Rainer Zitelmann
17.11.2017

Kolumne

Medium_1708fb5f32
von Joachim Brockpähler
06.11.2017
meistgelesen / meistkommentiert