Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie. Erich Kästner

Wie nachhaltig ist die Nachhaltigkeit?

In der Finanzkrise zeigte sich, wie wichtig Prinzipien wie Nachhaltigkeit und gute Unternehmensführung sind. Doch die gleiche Krise zwingt Unternehmen zur Kostenreduktion. Zählt Corporate Social Responsibility wirklich schon zum Kerngeschäft? Oder ist es eine Modeerscheinung, die in schlechten Zeiten verzichtbar ist? Guido Walter recherchierte bei deutschen Top-Firmen.

Wer sich heute die Internetseiten von Unternehmen wie der Deutschen Bank, der Münchener Rück, Daimler oder E.on ansieht, trifft fast zwangsläufig auf das Zauberwort: Corporate Social Responsibility. Es wird einem fast ins Gesicht geschrien: Ja, ihr lieben Kunden und Partner, wir handeln gesellschaftlich verantwortungsvoll. Wir reagieren auf die Klimaerwärmung und die Ressourcenknappheit. Wir sind gut, und wir sind grün.

“Wir sind tatsächlich viel restriktiver geworden”

In Boomzeiten fällt das auch leicht. Aber in der Krise? Da heißt es: verschärfter Kostendruck. Marktanteile verteidigen. Zukunftsfähigkeit sichern. Muss es da wirklich noch ein Brunnen für Burkina Faso sein? “CSR und Nachhaltigkeit sind für uns zentrale Leitgedanken, auch und gerade in Krisenzeiten. Im Zuge der konzernweiten Sparmaßnahmen kommt es im gesellschaftlichen Bereich aber auch zu Kürzungen bei Spenden und Sponsorings”, sagt Dr. Wolfram Heger, Senior Manager Corporate Social Responsibility bei Daimler. Ähnlich sieht es bei der Deutschen Bank aus. “Bei täglichen Ad-hoc- oder Einzelanfragen sind wir in der Tat viel restriktiver geworden”, sagt Dr. Klaus Winker, CSR-Sprecher der Deutschen Bank. Generell sei das CSR-Programm der Deutschen Bank aber nachhaltig aufgebaut und deshalb auch von der Finanzkrise weitgehend unbeeinflusst geblieben.

“Nachhaltigkeit ist auch in der Krise ein Wettbewerbsvorteil”

Die Beispiele zeigen, dass Unternehmen ihre CSR-Aktivitäten gezielter auswählen. Die großen, strategisch wichtigen Projekte werden fortgeführt: “Die Finanzkrise hat auf unsere Corporate-Responsibility-Aktivitäten weder positiv noch negativ eingewirkt. Sie sind unverändert geblieben,” sagt Dietlind Freiberg von Linde. Uwe Bergmann, Gruppenleiter CSR/Sustainability Management bei Henkel, sieht in der Krise sogar eine Chance. “Nachhaltigkeit ist auch in der Krise ein Wettbewerbsvorteil, weil ein sparsamer Umgang mit Ressourcen niedrigere Kosten und eine bessere Cashsituation bewirkt und weil uns Kunden aufgrund unserer Ausrichtung und Kompetenz treu bleiben, während sie manchen Wettbewerber auslisten.”

Die Krise hat Unternehmen viel Glaubwürdigkeit gekostet

Fest steht, dass die Krise den Unternehmen viel Glaubwürdigkeit gekostet hat. Gerade Finanzinstitute müssen ihre Corporate Social Responsibility weiterentwickeln. Schon ruft die Deutschen Bank “New CSR” aus. Verantwortliches Handeln soll nun wirklich integraler Bestandteil der Unternehmenskultur werden. Nötig ist das aber nicht nur bei der Deutschen Bank, sondern eigentlich bei allen Unternehmen. “Angesichts der zunehmenden Skepsis der Bürgerinnen und Bürger gegenüber dem marktwirtschaftlichen System und Unternehmen sind Manager gut beraten, das Thema CSR ernst zu nehmen und damit in die Bedingungen ihres nachhaltigen Erfolgs zu investieren”, sagt Prof. Dr. Nick Lin-Hi, der Corporate Social Responsibility an der Universität Mannheim lehrt. Generell beziehe sich CSR auf das unternehmerische Kerngeschäft. Auf die Frage, auf welche Art und Weise Gewinne erzielt werden. Denn letztendlich, so Lin-Hi, spiegelt CSR den Gedanken einer langfristig orientierten Gewinnerzielung wider. Was zugleich bedeutet, keine Gewinne zulasten Dritter zu erzielen.

Leserbriefe

Aus der Debatte

Reportagen, Interviews, Hintergründe

Jamie Oliver auf der TED 2010

Jamie_oliver_koch_ted_conference_konferenz

Jamie Oliver, unkonventioneller Spitzenkoch und Gewinner des diesjährigen TED-Preises, warnt vor den Konsequenzen von Fast Food für die Gesellschaft und fordert: Ernährungsaufklärung muss Standard werden.

Jamie_oliver
von Jamie Oliver
27.02.2010

Bill Gates auf der TED 2010

Bill_gates_ted_conference_konferenz

Bill Gates fordert auf der TED 2010, dass die Nullemission als eine nachhaltige und sozial verantwortliche Lösung das Ziel sein muss. Bis 2050, so Gates, können wir bereits 80 Prozent aller Emissionen vermeiden. Wir zeigen seine Vision.

Bill-gates-kopf
von Bill Gates
24.02.2010

Macs in Movies

Hollywood-sign-address_copy

Apples Mac ist omnipräsent. Das Unternehmen, das seine Außenwirkung sehr sorgsam kontrolliert und die Kunst des indirekten Marketings perfekt beherrscht, hat für weiter...

Gd
von Giesbert Damaschke
12.02.2010

Mehr zum Thema: Corporate-social-responsibility, Csr, Dax

Debatte

"Greenwashing" von Unternehmen

Neal_fowler

"Greenwashing" von Unternehmen

Das meiste, was aktuell in Sachen CSR passiert, nervt! Richtig verstanden heißt unternehmerische Verantwortung mehr Profit erwirtschaften und dabei weniger Kollateralschäden anrichten, egal, ob es ... weiterlesen

Karsten-kilian-kopf
von Karsten Kilian
23.12.2010

Debatte

Muss Moral wehtun?

Mercedes_stern

Muss Moral wehtun?

Corporate Social Responsibility hat Grenzen. Denn zum einen ist Altruismus marktwirtschaftliches Gift, zum anderen verlangt die Gesellschaft nach Profitdenken. An diesen Realitäten muss sich auch u... weiterlesen

Nick_lin-hi-2
von Nick Lin-Hi
02.10.2010

Debatte

Gute CSR wirkt

Library_of_congress_s

Gute CSR wirkt

CSR ist mehr als nur Marketing. Denn es schafft die Voraussetzung für sozial erwünschten Gewinn. Das Image von BP hat massiv unter der Ölkrise gelitten, denn die Kunden haben sich selbst Informatio... weiterlesen

Wilkes_malte
von Malte Wilkes
23.09.2010
meistgelesen / meistkommentiert