Die Konservativen sind die Pausenzeichen der Geschichte. Norman Mailer

Elektroautos auf den Golfplatz!

Der Hype um das Elektromobil kennt keine Grenzen mehr. Doch die Serienproduktion von leistungsstarken Batterien bereitet nach wie vor größte Probleme. Wie wird sich die Branche entwickeln?

Spätestens seit der Internationalen Automobilausstellung (IAA) sind führende Vertreter der Automobilindustrie davon überzeugt, dass der Elektromobilität die Zukunft gehört. Mit einem “nationalen Entwicklungsplan” will Deutschland im großen Stil Elektrofahrzeuge auf die Straßen bringen und ein Netz an Strom-Tankstellen aufbauen. Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge unterwegs sein. Der ehemalige Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte: “Unser Ziel ist es, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen.”

Elektromobilität gilt als Wachstumsbranche schlechthin. Mit der Realität hat das aber nichts zu tun. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes fuhren von 41 Millionen Pkws, die 2008 in Deutschland angemeldet waren, ganze 1.000 rein elektronisch. Ob die 500 Millionen Euro Fördergelder des Bundes allerdings ausreichen werden, um bis zum Jahr 2020 den Planungen zufolge die noch fehlenden 999.000 Elektroautos auf die Straße zu bringen, wird von Experten zu Recht bezweifelt.

Batterien bereiten Probleme

Wenig erstaunlich, bei den Nachteilen. Die Serienproduktion von leistungsstarken Batterien bereitet nach wie vor größte Probleme. Weiter als etwa 160 Kilometer reicht die Speicherleistung der aktuell verfügbaren Akkus kaum aus. Hinzu kommen die Mehrkosten im Vergleich zu Fahrzeugen mit Otto- oder Dieselmotor. Für ein Fahrzeug der selben Klasse müssen Käufer eines Elektrofahrzeugs nach Expertenschätzungen bis zu 15.000 Euro mehr berappen. Hinzu kommt: Seit den 70er-Jahren sind deutsche Pkws immer sicherer geworden. Bei den Elektroautos dagegen ist Leichtigkeit Trumpf. Einen Auffahrunfall im papierdünnen “Elektroporsche” Loremo mag man sich nicht so gern vorstellen. Bleibt der Umweltaspekt. Aber selbst hier kann das Elektroauto nicht so richtig punkten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wirft der Automobilindustrie vor, mit dem selbst erzeugten Hype um Elektroautos von den bereits jetzt vorhandenen Möglichkeiten zum Spritsparen abzulenken. Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck beklagte, dass die auf der IAA zu sehenden E-Autos zwar zahlreich, aber noch lange nicht massenhaft marktreif seien. Im Windschatten des Hypes passiere wenig.

Downsizing statt Elektroauto

Erstaunlich ist in der Tat, dass zwei Konzerne für das Elektroauto besonders stark trommeln, die sich beim Thema Klimaschutz bislang nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben: RWE und Daimler. In Berlin sollen so bis Ende des Jahres 100 Elektro-Smarts bereitstehen, die an 500 Stromtankstellen von RWE aufgetankt werden sollen. Laut Werner Neumann, dem Energiefachmann des BUND, nützen Elektromobile der Umwelt aber nur, wenn sie mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren. Die Ökolobby fordert unisono: Downsizing statt Elektroauto. Weniger Hubraum statt Batterie und Ladestation. Ob das die Lösung für ein Land ist, dessen Autoproduzenten traditionell in der Herstellung leistungsfähiger Fahrzeuge den Weltmaßstab darstellen? Überlassen wir Japan seine Führungsstellung bei Elektrofahrzeugen. Zum Beispiel Yamaha bei Golfcarts. Volkswagen, BMW, Daimler, Audi und Co. bauen besser weiter starke Autos, die von Otto- und Dieselmotoren angetrieben werden. Ob das im Zeitalter des Nachhaltigkeitskultes klappt? Es wäre schon viel erreicht, wenn Fahrer solcher Autos in Zukunft nicht stigmatisiert werden. Damit einer der nobelsten Leitsätze, welchen die alte Bundesrepublik hervorgebracht hat, weiterhin gültig bleibt: freie Fahrt für freie Bürger.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Thomas Ludwig, Wolfgang Tiefensee.

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