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Traumatische Amputation

Die Entscheidung des Kölner Gerichts war richtig. Wer religiöse oder andere Rechtfertigungen zur Amputation des sensibelsten Teils am Penis unterstützt, rechtfertigt in Wirklichkeit die Misshandlung von Kindern.

Genauso wie die weibliche Beschneidung eine abscheuliche Grausamkeit ist, mit der Absicht das sexuelle Empfinden von Frauen zu unterbinden, so ist auch die männliche Beschneidung nichts anderes als eine Penisreduktion mit der Absicht, das sexuelle Empfinden der Männer zu reduzieren. Beides sind Formen der Genitalverstümmelung, die das sexuelle Vergnügen des Opfers für alle Zukunft reduzieren, wenn nicht sogar ganz zerstören.

Bei der männlichen Beschneidung wird die Vorhaut abgetragen und mit ihr an die 20.000 hoch erogene Nervenenden. Mit ihr geht die schützende, sensorische, mechanische und sexuelle Funktion verloren. Außerdem birgt die Beschneidung viele kurzfristige Risiken wie Blutung und Entzündungen sowie langfristige psychosexuelle Probleme. Die Beschneidung wirft deshalb eine ganze Fülle an Fragen an die Ethik und Menschenrechte auf.

Erektionsstörungen sind deutlich häufiger

Die Zirkumzision verursacht körperliche, sexuelle und psychologische Schäden. Beschnittene Männer leiden häufig an posttraumatischen Belastungsstörungen und sexueller Frustrationen. Beschneidung kann im schlimmsten Fall sogar zu Feindseligkeiten gegenüber Frauen führen.

Da Kinder keine eigene und Eltern keine stellvertretende Einwilligung zur Ablösung eines Teils des Körpers geben können, entspricht die erzwungene Beschneidung von wehrlosen Kindern einer Menschenrechtsverletzung. Zugefügte Grausamkeiten, Sadismus und unmenschliche Behandlung von wehrlosen Kindern sind unethisch und amoralisch, trotz aller „Rechtfertigungen“, die Beschneidungsbefürworter vielleicht unterstützen.

Die unumkehrbare Zerstörung eines derart wichtigen Teils des Penis reduziert das sexuelle Empfinden für immer und führt 4,5-mal häufiger zu Erektionsstörungen bei einem Mann im mittleren Alter. Welche Auswirkung haben diese Störungen auf die Ehen und die Scheidungsraten?

Viele amerikanische Frauen, deren Männer häufig beschnitten sind, klagen über Trockenheit in ihrer Vagina. Doch ist der wahrscheinlichere Grund dafür nicht eine sexuelle Dysfunktion der Frau, sondern eher der beschädigte Penis, der den Geschlechtsverkehr trocken, grob und für beide Partner emotional unbefriedigend werden lässt.

Präventive Brustamputationen?

Der sogenannte „medizinische Nutzen“ von Beschneidung ist falsch. Vergleichbar wäre die Amputation eines gesunden Beines mit Hinweis auf den „medizinischen Nutzen“, dass nie Gelenksentzündungen an der großen Zehe entstehen oder sich Hautkrebs am Schienbein bilden könne. Würde man den lächerlichen Behauptungen vom „medizinischen Nutzen“ der Beschneidungsbefürworter folgen, wäre es angesichts der Häufigkeit von Brustkrebs nur vernünftig, kleinen Mädchen prophylaktische die Brust zu entfernen, wenn sie noch nicht in Lage sind, eine Einwilligung zu geben oder sich zu wehren.

Viele beschnittene Männer bestreiten ihre psychosexuellen Verletzungen. Beschnittene Ärzte schreiben falsche medizinische Fachbeiträge, blenden Risiken und Schäden aus und heben die behaupteten Nutzen hervor. Das aktuellste Beispiel dafür ist das Policy-Statement der American Association of Pediatrics. Leser dieser verzerrten Stellungnahme müssen sich der Ursprungskultur, dem religiösen Glauben und dem Status der Beschnittenheit der Autoren bewusst sein, um ihre Behauptungen richtig einschätzen zu können.

Medizinische Gesellschaften außerhalb den „beschneidungsfreundlichen“ USA veröffentlichten kritische bis ablehnende Stellungnahmen zu den AAP-Richtlinien das Royal Australian College of Physicians, die Royal Dutch Medical Association, die Canadian Paediatric Society und die British Medical Association. Schließlich kann man Verletzungen, Komplikationen, bis hin zum Tod nicht einfach ausblenden – ebenso wenig wie die Fragen zu Moral und Ethik. Alleine in den USA schätzt man, dass jedes Jahr mindestens 117 gesunde Kinder an den Komplikationen von völlig unnötigen Beschneidungen sterben.

Keine Beschneidung vor Erreichen des Erwachsenenalters

Menschen mit religiösen Motiven wollen ihr Recht verteidigen, Religion zu praktizieren. Aber was ist mit der Religionsfreiheit des Kindes? Wer eine religiöse Rechtfertigung bemüht, hat kein Recht, seinen persönlichen Glauben durch die Zerstörung anatomisch normaler Genitalien anderer zu praktizieren – besonders nicht, wenn die Opfer wehrlos sind.

Um Kinder zu schützen, muss die nicht-therapeutische Beschneidung per Gesetz verboten werden. Aus dringlichen Gründen sollte außerdem die AAP ihre Stellungnahme von 2012 überarbeiten. Ärzte müssen gewarnt sein und mögliche zivil- und strafrechtliche Haftungen vermeiden, indem sie nicht-therapeutische Beschneidung von Kindern verzögern, bis diese das Erwachsenenalter erreichen und persönlich einwilligen können.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Gert Van Dijk, Ali Kizilkaya, Brian J. Morris.

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