Am Ende hat alles mit Macht zu tun. Andreas Mühe

Geist und Geld

Das geistige Eigentum und das WorldWideWeb – ist das die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft? Nein. Die Geschichte von Geist und Geld im Netz ist eine Geschichte mit vielen Schlupflöchern, von falsch verstandenem Gemeingut und wenigen guten Lösungsansätzen, bei der ein kollektives Happy End noch in weiter Ferne scheint.

Die Entwicklung der Creative-Commons-Lizenzen gehört grundsätzlich zu den guten Ansätzen in der Geschichte von geistigem Eigentum und WorldWideWeb. Sie sind eine wichtige Vereinfachung für Autoren, die bei ihren Veröffentlichungen zwar auf viele, aber eben nicht auf alle Urheberrechte verzichten wollen. Auf den ersten Blick erkennt der Nutzer am Namen des jeweiligen CC-Lizenztyps die Kernbedingungen für die Nutzung des Inhalts. Wer also unter CC-Lizenzen publiziert, der macht deutlich: Bis hier und nicht weiter, ich bin der Autor und bestimme, was du, Nutzer, mit meinen Texten machst.

Wer Geld verdienen muss, hat nichts von CC-Lizenzen

Doch nur bis zu einer grundsätzlichen Grenze. Denn die CC-Lizenzen helfen nicht unbedingt bei Texten, die vom Autor vermarktet werden sollen. Wer als Journalist oder Schriftsteller mit geistigen Inhalten Geld verdienen will oder muss, dem bringen Creative-Commons-Lizenzen nicht allzu viel. So wird ein journalistischer Text, der bereits frei im WWW steht, aufgrund des damit verbundenen Verlustes an Exklusivität eher selten kommerzielle Nachverwertungen erfahren (bei Bildern und Illustrationen mag das anders sein können). Das Veröffentlichen von Texten unter CC-Lizenz kann deshalb nur eine von mehreren frei wählbaren Optionen des Autors sein: Die Gesellschaft muss dem Autor die Entscheidungsfreiheit lassen, ob er sein Werk ganz frei, unter einer eingeschränkten CC-Lizenz oder mit einem Verlag oder einem sonstigen kommerziellen Partner veröffentlicht. Diese Entscheidung des Urhebers sollte dann aber auch insoweit respektiert werden, als die daraus folgende Veröffentlichung entsprechend geschützt wird. Es muss akzeptiert werden, wenn der Autor sich für eine exklusive kommerzielle Verwertung seiner geistigen Leistungen entscheidet.

Wer als Textautor unter Creative-Commons-Lizenzen veröffentlicht, verzichtet im Normalfall bewusst weitgehend auf eine Vermarktung seiner geistigen Leistungen. Zwar trägt beispielsweise die VG Wort mit der Einführung des METIS-Systems dafür Sorge, dass Zweitverwertungserlöse aus Abgaben auf Vervielfältigungsgeräte gerechterweise anteilig auch an Autoren ausgeschüttet werden, die unter CC-Lizenz veröffentlichen, doch das kann nie mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein bleiben. Wenig sinnvoll wäre es in diesem Zusammenhang, derartige kollektive Lizenzierungen auszuweiten beispielsweise über eine sogenannte „Kulturflatrate“, die privates geistiges Eigentum in ein öffentliches Gut verwandelt. Konkret würde eine solche Flatrate bedeuten, dass Werke nicht mehr entsprechend der erbrachten geistigen Leistung, sondern mit einer pauschalen Gebühr vergütet werden. Der Autor eines zügig hergestellten Spaghettikochbuchs bekäme dann die gleiche oder sogar eine höhere Vergütung wie der Autor eines sorgfältig lektorierten Romans wie beispielsweise „Der Turm“.

Seltene Sonderfälle

Unter CC-Lizenz frei ins Netz gestellte Texte können ihren Autor regelmäßig nur dann ernähren, wenn er beispielsweise einen Sponsor hat oder sich genügend Werbetreibende finden, die in Verbindung mit dem Text für Bannerwerbung oder Ähnliches Geld zu zahlen bereit sind. Doch das sind seltene Sonderfälle.

Grundsätzlich bleibt die Veröffentlichung nicht bereits bezahlter Texte unter Creative-Commons-Lizenzen ein altruistischer Akt des Autors gegenüber der Internetcommunity. Das ist so lange in Ordnung, solange der Autor die Alternative hat, seine Urheberrechte zu kommerzialisieren und mit seinen künstlerischen, literarischen, journalistischen oder wissenschaftlichen Schöpfungen Geld zu verdienen. Ohne Abhängigkeit von der Alimentierung durch Dritte.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Till Kreutzer, Peter Ganea, Volker Kauder.

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Mehr zum Thema: Literatur, Urheberrecht, Kulturflatrate

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