Internationale Adoption ist ein Produkt des Zweiten Weltkriegs. Tara Zahra

Muttis schwieriger Schwiegersohn

Sollte Wulff den niedersächsischen Landtag belogen haben, muss er gehen. Die Affäre um den Bundespräsidenten würde dann endgültig auch zu einem Problem für Kanzlerin Merkel, die sich mit dem Berufspolitiker Wulff keinen Gefallen getan hat.

Christian Wulff hat alle Fragen beantwortet. Er beweist größtmögliche Transparenz. Ein Rücktritt werde nicht gefordert. Das sind drei Aussagen eines Mannes, der in der vergangenen Woche ähnlich wie der Bundespräsident unter Beschuss stand – FDP-Chef Philipp Rösler. Aber so einfach ist es nicht.

Christian Wulff hat sich mehrfach erklärt. Seine Anwälte, das Bundespräsidialamt und er selbst haben sich geäußert zu den Vorwürfen, Wulff habe das Landesparlament in Niedersachsen getäuscht, als es um seine Geschäftsbeziehung zum Unternehmer Egon Geerkens ging. Man kann das sehen wie Rösler; Wulff hat alle Fragen beantwortet.

Aber, ist wirklich Klarheit entstanden? Kann man mittlerweile sicher sagen, ob der Bundespräsident durch politische Ämter private Vorteile erhalten hat? Kann man sagen, wie eng die Verflechtungen Wulffs mit Unternehmern sind? Gab es gar Gegenleistungen? Zudem: Hat Wulff das Parlament in Niedersachsen getäuscht?

Es gab eine Geschäftsbeziehung

Zumindest auf die letzte Frage offenbart sich eine Antwort, die den Bundespräsidenten belastet. 2010 hat Wulff vor dem Landtag Geschäftsbeziehungen mit Egon Geerkens verneint, den Kredit über eine halbe Million Euro für sein Haus habe ihm Geerkens Frau gewährt. Doch nun ist es Egon Geerkens, der sagt: Alle Verhandlungen habe er geführt, das Geld stamme von ihm.

Wenn die Dinge so liegen, gab es eine Geschäftsbeziehung. Dann hat Wulff das Parlament getäuscht. Und dann bleibt ihm keine Wahl, dann muss er sein Amt niederlegen. Denn alle Macht des Bundespräsidenten liegt in seiner moralischen Integrität. Mit der Täuschung eines Parlaments ist sie dahin.

Wulff hat eine Vorgeschichte. Es gab den Urlaub in der Mallorca-Villa des Unternehmers Carsten Maschmeyer, zudem ein kostenloses Upgrade auf einem anderen Flug. Alle Vorfälle sind für sich genommen keine schweren Delikte, nicht einmal der Kredit ist es. Doch sein Umgang mit den Fällen macht aus dem Präsidenten eine angreifbare Person, aus den Einzelfällen eine Affäre.

Da ist einer an der Spitze Deutschlands, der sich windet. Der Fehler nicht zugeben kann. Der spitzfindig und formaljuristisch antwortet, um sich seiner Verantwortung nicht stellen zu müssen. Der wohl gar nicht verstanden hat, dass diese Auseinandersetzung nicht mehr juristisch zu gewinnen ist. Weil es mittlerweile darum geht, was man ihm, dem Bundespräsidenten noch zutraut. Was man noch an moralischer Führung erwartet, wenn er etwa in wenigen Tagen seine Weihnachtsansprache hält. Es ist nicht mehr viel.

Wulff kann sich nicht beklagen

Wulff ist der zweite Bundespräsident, den Kanzlerin Angela Merkel ins Amt gehoben hat, vielleicht wird er innerhalb von nur zwei Jahren auch der zweite, der scheitert. Es rächt sich, dass Merkel mit ihm einen klassischen Parteipolitiker zum Kandidaten erwählte.

Die Härte der Auseinandersetzung um den Bundespräsidenten ist dem Amt nicht angemessen. Aber der Grund dafür ist, dass im Amt mit Wulff einer sitzt, der mitten aus dem politischen Betrieb kommt. Einer, der in einer ganz ähnlichen Affäre seinen Amtsvorgänger Johannes Rau als befangen kritisiert, dessen Autorität infrage gestellt hat. Er kann sich deshalb nicht beklagen, dass es ihn genauso hart trifft.

Die Lehre aus dem Fall Wulff muss sein, dass das Amt des Bundespräsidenten überparteilich besetzt werden muss. Mit einer unbelasteten Person, mit Kandidaten, die möglichst viele Parteien mittragen können.

In Krisenzeiten ist in der Politik Kooperation gefragt. Ist Angela Merkel bereit, das anzuerkennen? Beim Amt des Bundespräsidenten gilt: Sie wird es bald beweisen müssen. Denn die Affäre Wulff ist längst auch ihre Affäre geworden.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    tessiner – 20.12.2011 - 00:05

    wer lügt muss gehen.in äemtern besonders.ein bleistiftklau von einer firma als zuwendung, gilt schon als entlassungsgrund.
    das war amtsvorteilnahme.dies ist äusserts präker.als bundespräsident noch mehr.da nützt auch muttis rockzipfel nichts(rockzipfel ersetzt hose).bei herrn kohl oder wehner wäre er gegangen.aber sie hat nicht mehr viele .nur noch 2 the garnitur.ausser einigen im berliner kreis,die es leichter angehen lassen und die cdu noch retten wollen.dabei herr wagner und herr bosbach.die zeit wirds regeln.am ende nach 3 entschuldigungen und aussagen nicht im sinne des volkes wird er gehen müssen.er war selbst naiv ,als braveer bub gestempelt.warum anders wie herrn guttenberg.vorzugzins 4% lässig zurückzahlbar,danach noch freunde die zwielistig anzusehen sind.von anderen wegen eineer spende die er wieder absetzt in den himmel gehoben wird.lachhaft dies parodi.teahterreif die ganz obensitzenden.auch kläglich die sogenannte oppo.sie machens auch nicht anders.hannoveer zieht runden.niedersachsen hauptsächlich,auch mit gabriel.der die spd leitfäden strickt.

Aus der Debatte

Der Streit um Christian Wulff

Wulff und die Privatisierung der Öffentlichkeit

H_kan_dahlstr_m_ccby 2

In der Politik wurde die Trennung von Privatem und Öffentlichem schon früh aufgegeben. Was jemand wie Christian Wulff beichten soll und was lieber für sich behalten, das kann das Wahlvolk aber recht gut einschätzen.

Rhomberg_markus
von Markus Rhomberg
19.01.2012

Wulff und die Medien

136733053 3

Wer nicht selber kocht, kann sich nicht aussuchen, wer serviert. Also berufen sich die Empörungs-Journalisten auf die Bild-Zeitung. Emotionale Aufgeregtheit ist aber billig, die Recherche hingegen teuer. Und wichtiger.

Ernst_elitz
von Ernst Elitz
13.01.2012

Deutschlands erste presidential debate

136419122

Bislang gab es im Fernsehen nur Kanzlerduelle zu sehen. Gestern nun gab es die erste presidential debate.

Bieber_kopf
von Christoph Bieber
05.01.2012

Mehr zum Thema: Angela-merkel, Philipp-roesler, Moral

Kolumne

  • 2

    67 Tage hat Christian Wulff bis zum Rücktritt gebraucht, Röttgen blieben drei Tage bis zum Rauswurf. Wenn es hart auf hart kommt, haben wir uns vor Staatsanwaltschaft und Presse weniger zu fürchten... weiterlesen

Martin_eiermann
von Martin Eiermann
20.05.2012

Kolumne

B_hme
von Christian Böhme
20.05.2012

Kolumne

Sch_tze
von Richard Schütze
18.05.2012
meistgelesen / meistkommentiert