Die Befürworter der Alternative K21 und Gegner von Stuttgart 21 haben nicht wegen eines Schlichterspruchs à la "Stuttgart 21 versenkt“ an der Schlichtung teilgenommen. Uns war viel wichtiger, dieses Demokratie-Experiment zu versuchen und es zu nutzen, um bundesweit und bis in das letzte Wohnzimmer argumentieren zu können, warum Stuttgart 21 "Quatsch“ (Geißler) ist. Und ich denke, wir waren da wirklich gut.
Der Schlichterspruch befriedigt nur bedingt
Natürlich befriedigt uns der Schlichterspruch von Heiner Geißler nicht unbedingt. Da stehen auch zu viele Absichtserklärungen drin, die bei näherem Hinsehen selbst beim besten Willen nicht verwirklicht werden können. Man kann keine 200 Jahre alten Platanen verpflanzen, und die Gäubahn über Feuerbach an den geplanten Tiefbahnhof anzubinden geht nur, wenn der Zug in Feuerbach "Kopf macht“. Aber wir haben es geschafft, die Deutsche Bahn zu einer Betriebssimulation zu verpflichten, in der sie nachweisen muss, dass sie die behaupteten 30 Prozent mehr Leistung in der Spitzenstunde, also zwischen 7 und 8 Uhr morgens, fahren kann. Und das wird der DB schwerfallen, es sei denn, sie überarbeitet die Planung bei den Zulaufstrecken, und das wird teuer.
Am Ende steht dann aber doch wieder die Frage, warum man sieben bis acht Milliarden Euro für den Neubau des Stuttgarter Bahnknotens ausgeben soll, um dann am Ende die gleiche Leistung zu erreichen, wie sie der modernisierte Kopfbahnhof bringt. Abgesehen von diesem Grundwiderspruch geht es aber auch um die Frage des Reisekomforts, der Sicherheit und der Baurisiken, alles Dinge, die beim Kopfbahnhof deutlich besser gelöst sind als beim geplanten Tiefbahnhof. Nun, die Bahn hat jetzt Zeit darüber nachzudenken, wie sie den Schlichterspruch umsetzt. Mit einer sofortigen Wiederaufnahme der Bautätigkeit rechne ich in den nächsten Wochen nicht, es sei denn, Bahnchef Grube meint, wieder einmal zeigen zu müssen, was für ein "harter Hund“ er ist.
Der Protest wird weitergehen
Der Protest gegen Stuttgart 21 wird hingegen weitergehen. Zum einen werden die Montagsdemos fortgeführt werden, und am 11. Dezember wird es eine Großdemonstration geben. Das Ziel ist es, der Deutschen Bahn und der Politik begreiflich zu machen, dass dieses Vorhaben stets von Protesten begleitet sein wird und dass es illusionär ist, zu glauben, man könne im Herzen der Stadt gegen den Willen der Bevölkerung eine 15 Jahre dauernde Baustelle aufmachen. Eine solche Baustelle greift tief ein in den Alltag der Menschen und ist dann der tägliche Anlass für Protest. Nein, das hält niemand durch, die Bevölkerung nicht und die Bahn erst recht nicht. Und ob es die Politik durchhält, wird sich spätestens am 27. März nächsten Jahres bei der Landtagswahl zeigen.























„…Man kann keine 200 Jahre alten Platanen verpflanzen, und die Gäubahn über Feuerbach an den geplanten Tiefbahnhof anzubinden geht nur, wenn der Zug in Feuerbach "Kopf macht“…“
Wen interessieren schon alte Platanen? Manchmal sind die Dinge viel weniger kompliziert als es scheint, zumindest wenn man der – durchaus nachvollziehbaren – Auffassung von Henryk M. Broder im Tagesspiegel folgt:
„…Es ist die Bauzeit. Fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit. Im Strafvollzug ist es “lebenslänglich”. Wir schreiben das Jahr 2010. Man muss sich nur einmal ein Handy aus dem Jahre 1995 ansehen, um zu begreifen, was alles in 15 Jahren passieren kann. Dennoch fehlt uns die Phantasie uns vorzustellen, was es im Jahre 2025 geben wird. Und das Schlimmste ist: Viele von uns werden es nicht erleben. Ein Rentner, der heute 70 ist, hat zwar bessere Aussichten als vor einem halben Jahrhundert 85 zu werden, aber er weiß auch, dass es dafür keine Garantie gibt. Wenn er also auf die Straße geht und gegen den Bau eines neuen Bahnhofs demonstriert, dann hat er nichts gegen einen neuen Bahnhof, aber alles gegen eine Innovation, die für ihn zu spät kommt. Gäbe es einen Spruch, mit dem man den Bahnhof herbeizaubern könnte, von jetzt auf gleich, könnte der Rentner also in den Genuss der Aufzüge und Rolltreppen sofort kommen, statt sich wie bisher die Treppen rauf- und runter zu quälen, hätte er nicht nur nichts gegen den Bahnhof, er wäre sogar massiv dafür, so wie er dafür war, dass in seinem Seniorenheim Treppenlifte eingebaut wurden…“
http://www.tagesspiegel.de/meinung/rentner-in-rage/2916448.html
“Lasst die Hunde bellen, die Karavane zieht weiter”.
Herr Stocker, was fuer ein armseliger Mensch Sie doch sind. Ihr Lebensinhalt besteht seid 15 Jahren nur aus dem Protest gegen den Umbau eines Bahnhofes.
Ihre Vita (Wikipedia) liesst sich wie die eines Verlierers.
Sehr geehrter Herr Stocker,
Danke, dass sie an der Schlichtung teilgenommen haben, mir ist seitdem einiges klar geworden.
1. Zu K21 gibt es keine schlüssige Planung, keine Finanzierung, kein umfassendes bauliches Konzept und keine Auskünfte über Auswirkungen auf die Infrastruktur geben konnten. Das K steh also offensichtlich für „Kein Gar nichts.“
2. Sie glauben doch tatsächlich über komplexen bergmännische Baumaßnahmen in anspruchsvoller Geologie besser bescheid zu wissen als die Tunnelplaner selbst. Wenn ich mich nicht täusche sind sie gelernter Vermessungstechniker, malen Bilder und arbeiten sind Berufspolitiker. Ihre fixen Thesen zu Geologie basieren nicht auf Fachwissen, sondern nur auf ihrer persönlicher Meinung.
3. Es geht ihnen nicht um die Sache, sondern einfach nur um Selbstverwirklichung. Auf einer Bühne stehen und sich als Rebell und Revoluzzer feiern lassen. Aber Respekt, wie es ihnen gelingt, diesen durchsichtigsten Egoismus als gesellschaftlich respektables Unterfangen auszugeben.
Eigentlich sollten sie froh, sein dass sie wieder etwas gefunden haben gegen dass sie sein können, denn sonst hätten sie offensichtlich keine Daseinsberechtigung mehr.
An meine Vorredner,
wir leben in einer Demokratie und ich respektiere die Meinung anderer. Wenn konstruktive Kritik geäußert wird, dann ist das vollkommen in Ordnung. Aber die Art und Weise auf welchem tiefen Niveu Ihr Herrn Stocker herabwürdigt, geziemt sich nicht in einer Debatte.
Wenn man die Schlichtung der vergangengen Wochen mit wachem Verstand mitverfolgt hätte, so kommt man zu dem Schluß, das wir es hier bei den Projektgegnern mit Leuten zu tun haben, die mit sehr viel Sachkenntnis ihre stichhaltigen Argumente vorgebracht vorgetragen haben. Sogar der Bahnvorstand in Gestalt von Dr. Volker Kefer war äußerst angetan vom Vortrag, den Boris Palmer zum Besten gab. Seine Einwände, der neue Tiefbahnhof könne die geplanten 30% Mehrleistung gar nicht leisten, waren von derartigem Hintergrundwissen, dass der Palmer schon Angebote von der Bahn bekommt, als Fahrzeitenplaner zu arbeiten. Die versprochene Zusatzleistung des neuen Bahnhofs war die Triebfeder, warum die Parlamente ihren Segen dazu gaben. Ansonsten, wenn dem nicht so ist, wieso sollen Milliarden vergraben werden, ohne einen Nutzen davon zu erhalten? Die Befürworter von K21 haben bereits vor über 12 Jahren ihre Konzepte vorgelegt, wurden aber nicht Ernst genommen. Und das Verwaltungsgericht von Stuttgart, auf deren Entscheidungen alles beruht, begründete ihr Votum für S21 aufgrund der Gutachten, die die Bahn selbst geschrieben hat, von den Leuten, die mit am Bahnhof gebastelt haben. Die Gegner von S21 konnten sich damals kein Gutachten leisten. Folglich sind alle weiteren Schritte nicht bewertbar. Finanzierungen, Planungen konnten daher gar nicht realisiert werden.
Vergessen darf man auch eine andere Seite nicht, nämlich die der Immobilien. Fakt ist, dass der Architekt von S21, der Bürgermeister Schuster, Verkehrsministerin Gönner und die Ehefrau von Ex-Ministerpräsident Öttinger im Stiftungsrat der Einkaufsgesellschaft ECE saßen. Jene Gesellschaft, die davon profitiert, wenn die freiwerdenen Flächen des Gleisbettes durch die Einkaufshäuser ersetzt werden. So etwas nennt man im Volksmund auch “Filz” oder “Vetternwirtschaft”.
Gangolf Stocker, Boris Palmer, Peter Conradi. Sie und viele andere beschäftigen sich derart professionell mit dem Thema. Diese Menschen als Verlierer, Selbstverwirklicher, Rebell oder Revoluzzer abzukanzeln, zeugt davon, sich mit der ganzen Problematik überhaupt nicht auseinander gesetzt zu haben.
Hallo Detlev,
ich glaube sie haben die Ironie hinter Kefers einwurft, dass sie Palmer bei der DB als fahrplanplaner haben wollen überhört ;)
“Gangolf Stocker, Boris Palmer, Peter Conradi. Sie und viele andere beschäftigen sich derart professionell mit dem Thema.”
um es in Palmers Worten zu sagen “sind sie zu 100% sicher, dass das richtig ist?”
denn ich kann ihnen ganz leicht sagen dass dies nicht der fall ist … insbesondere, da k21 und der ITF ein absolut zentralistisches system ist im gegensatz zur s21 konzeption
beweis: fahre mit ITF von tübingen nach ulm …
der umstieg erfolgt dabei gerade in plochingen … mit dem ITF stehen sie so lange in plochingen am bahnhof, dass es sich lohnt nach stuttgart rein zu fahren ;) ihre fahrt verlängert sich also dank k21 um fast eine halbe stunde, herrliche zentralistische welt
also bitte überdenken sie nochmal ihre meinung, denn die welt dreht sich nicht um den “zentralen punkt” stuttgart, auch nicht hier in der region
grüße
ein bewohner der region stuttgart
korrektur, mit k21 und neubaustrecke erfolgt der umstieg natürlich in wendlingen, aber das problem wird dadurch nicht gelöst ;) und ohne NBS verbleit das problem eben in plochingen, aber sicher gibts dafür auch ein passendes modul das hier hilft, oder?
Zudem sind die 30% mehr Leistung sehr wohl von Interesse, weil die die Basis der parlamentarischen Beschlüsse darstellt.
Deshalb ist es auch unverständlich, dass die Bahn einfach so weiterbauen möchte. Schließlich könnte Ihnen die Geschäftsgrundlage entfallen und eine jede Nachfolgeregierung, die nicht die Meinungsmacht der CDU enthält, könnte alle Verträge auch ohne Verfassungsklage rückabwickeln.
Die Verbalakrobatik der CDU-Politiker sucht seit dem Schlichtungsergebnis mal wieder Ihres gleichen und dem Kopfbahnhofteam kann man nur weiterhin viel Erfolg wünschen. Sie haben nachgewiesen, dass sie die bessseren Bahnplaner sind. Stuttgart 21 war in allen Punkten unterlegen und wenn es Heiner Geißler wichtig gewesen wäre, hätte er den Wirtschaftsprüfern 2 Wochen Überprüfungszeit eingeräumt und nicht 3 Tage.
So hat der Heiner es den Menschen und der Landtagswahl überlassen. Es gilt nach wie vor die Frage. Wollen sie den Kopfbahnhof erhalten oder wollen sie, dass der zweite Engpass neben dem Kölner Bahnhof in Stuttgart gebaut wird?
Die Entscheidung dürfte vor dem Hintergrund dieser Fragestellung leicht fallen. ;-))
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