Dass Wirtschaftswachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), etwas durchweg Positives ist, galt lange Zeit als unbestritten. Schließlich war es das Wirtschaftswunder mit seinen enormen Wachstumszahlen, das der Masse der Bevölkerung in der Nachkriegszeit Arbeit und Wohlstand brachte. Heute ist in Medien und Politik von einem neuen Wirtschaftswunder die Rede. Deutschland ist gestärkt aus der schlimmsten Wirtschafts- und Finanzkrise seit 1929 hervorgegangen. Die deutsche Wirtschaft wuchs im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent, die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem historischen Tiefstand.
Politiker sind nicht zwangsläufig die besseren Unternehmer
Trotz aller guten Wirtschaftsdaten: Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat drängende Fragen in Bezug auf unsere Wirtschaftsweise und den Stellenwert von Wachstum in unserer Gesellschaft aufgeworfen. In Teilen des linken politischen Spektrums werden daraus jedoch die falschen Lehren gezogen. Hier geht man so weit, die Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums grundsätzlich infrage zu stellen. Die Linkspartei fordert neue Wege zum Kommunismus, die SPD eine demokratische Marktwirtschaft. Dahinter steht die Forderung, der Staat müsse wieder mehr Einfluss auf die Wirtschaft erlangen. Ein Blick auf unsere Geschichte und den Schuldenstand zeigen allerdings deutlich, dass Politiker nicht zwangsläufig die besseren Unternehmer sind.
Aus liberaler Sicht kann es nicht der richtige Weg sein, die soziale Marktwirtschaft oder Wirtschaftswachstum generell als überholt abzutun. Denn Wachstum sichert Beschäftigung und die Chance auf sozialen Aufstieg, der auch künftigen Generationen und Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern offenstehen soll. Zu meinen, man müsse das Erreichte nur besser verteilen und könnte auf Wachstum verzichten, ist ein Trugschluss. Ein Beispiel: Unsere Sozialstaatsquote hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt, wohlhabender oder gar zufriedener sind die Menschen dadurch aber nicht geworden.
Wir brauchen ein nachhaltiges Wachstumsverständnis
Wachstum wird z.B. durch Innovationen im Bereich der Umwelt- oder Informationstechnologien generiert und trägt so dazu bei, gesellschaftliche Probleme zu lösen und die Lebensqualität der Bevölkerung zu steigern. Wachstum nur um des Wachstums willen und auf Kosten zukünftiger Generationen – sei es durch hohe Staatsschulden oder einen übermäßigen Verbrauch natürlicher Ressourcen – kann allerdings nicht unser Ziel sein. Wir brauchen ein nachhaltiges Wachstumsverständnis, das nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität des Wachstums berücksichtigt.
Gleichzeitig stehen wir vor dem Problem, dass das BIP als Indikator zur Messung des gesellschaftlichen Wohlstands ein nachhaltiges Wachstumsverständnis nicht abbildet. Denn es misst weder die Kosten wirtschaftlicher Aktivitäten, wie Umweltschäden, noch den Bildungsstand oder die Gesundheit einer Bevölkerung. Aber es hat auch Stärken: Denn es korreliert mit nahezu allen Werten, die ein alternativer Maßstab vereinen würde und ist dabei kaum zu manipulieren. Ein neuer um zusätzliche Werte erweiterter Indikator wäre hingegen anfällig für politische Manipulationen, da er stark von der Gewichtung und Messung der einzelnen Werte abhinge. Nicht zuletzt deshalb ist das BIP noch immer der vorherrschende Maßstab der Wohlstandsmessung, mit allen Schwächen, die es aufweisen mag. Doch seine Berechnung beruht auf objektiven Daten, die das BIP transparent und international vergleichbar machen. Ein alternativer Indikator könnte das BIP deshalb zwar sinnvoll ergänzen, es aber wohl nicht vollständig ersetzen. Die Konflikte zwischen den Parteien über alternative Methoden der Wohlstandsmessung in der neu gegründeten Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ werden zeigen, wie viel Politik in einem solchen Indikator stecken würde.
Leserbriefe
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Wo sind den die Fakten, die beweisen, dass Wirtschaftswachstum Arbeitsplätze schafft?
Das leuchtet mir nicht so ein. Stellenabbau sorgt für schwarze Zahlen in Fimen und Krankenhäusern. Das heisst, es entsteht ein Plus. Wo ist da eine Sicherung von Vorhandenen, geschweigedenn eine Erhöhung von Arbeitsplätzen zu sehen?
Die Stagnierung des Wachstums sorgt für fallende Börsenkurse, worauf alle Analysten wieder aufschreien und der Konzern etwas ändern muss.
“Schwarze Zahlen” (für deren automatisches Auftreten bei Entlassungen ich übrigens auch gerne mal einen Beleg sehen möchte) sind nicht dasselbe wie Wirtschaftswachstum, Gwad.
Anscheinend wohnen die Wirtschaftsspezialisten ( Ökonomem ) der FDP in China oder Indien. Denn nur in den Schwellenländern wird es noch ein wirtschaftliches WACHSTUM geben. Wir müssen uns langsam damit abfinden an die Grenzen des Wachstums gestossen zu sein und daran arbeiten den Status Quo zu halten. Dies kann aber dann nicht heisen den Grossteil unserer Bevölkerung verarmen zu lassen nur damit einige wenige immer weiter Reichtum anhäufen können.Wo will die FDP hin? frage ich mich als Unternehmer. Zu amerikanischen Verhältnissen, in der Altersarmut herrscht, man sich Krankheit nicht leisten kann. Real denkenden Ökonomen ist ja schon aufgefallen das die Staatsverschuldung in dem Masse steigt, wie die Wirtschaft Gewinne einfährt. Wenn diese Gewinne der Bevölkerung auch zugute kommen würden wäre das ja in Ordnung. Aber die verschwinden in Form von Dividenten in irgend einem Steuerparadies.Es kann nicht so weitergehen wie bisher, und das begreift die FDP nun einmal nicht. Die Zeit das der Staat Unternehmen subventioniert oder durch Steuergeschenke am Leben erhält sind angesichts der enormen Staatsschulden vorbei. Freie Marktwirtschaft gibt es nicht mehr, ebenso wenig wie unternehmerisches Denken. Wozu auch, hat man doch den Staat der einen vor Verlusten schützt. Und schützen ist in diesem Fall das stützen und künstliche Hochhalten der Börsenkurse durch Geld, das eigentlich der Allgemeinheit gehört.Wir schaufeln uns unser eigenes Grab und jeder will mitgraben.
Vieleicht sollte man zwischen kurzfristigen Wachstum und langfristigen Wachstum unterscheiden genau wie man bei Krediten zwischen einem Kontokorrentkredit unterscheidet und einem Darlehen für eine Wohnung/Haus? Vieleicht sollte man einen wirtschaftlichen Einbruch auch einfach mal begrüßen und sich auf den Aufbruch freuen und die Erneuerung. Leider sind die Kreditgeber immer die selben Leute und somit findet kein gesunder Wechsel statt.
Vieleicht sollte man zwischen kurzfristigen Wachstum und langfristigen Wachstum unterscheiden genau wie man bei Krediten zwischen einem Kontokorrentkredit unterscheidet und einem Darlehen für eine Wohnung/Haus? Vieleicht sollte man einen wirtschaftlichen Einbruch auch einfach mal begrüßen und sich auf den Aufbruch freuen und die Erneuerung. Leider sind die Kreditgeber immer die selben Leute und somit findet kein gesunder Wechsel statt.