Wenn die Grünen in die nächsten Wahlkämpfe gehen und idealerweise die nächsten Koalitionen planen, müssen sie sich bewusst sein, dass sie keine Volkspartei sind, sondern eine Partei der urbanen Mittelschichten, die solidarisch ist mit ländlichen Problemen und sozial Benachteiligten. Deshalb mussten die Grünen schon über ihre möglichen Koalitionspartner nachdenken, bevor die K-Gruppen oder auch einige Karrieristen dazu kamen. Wir haben ein eigenes grünes Profil und verbinden uns nicht in billigen Koalitionen. Wir streiten gerne, wenn es sinnvoll ist. Früher haben wir jahrelang unter dem Streit zwischen “Fundis” und “Realos” gelitten und unter einigen Fundamentalismen wie auch Realo-Opportunismen. Die Grünen sind jetzt kompetenter und breiter angelegt in ihrer Thematik und Fachkompetenz und haben viele Koalitionserfahrungen und auch kommunalpolitische Erfahrungen gesammelt. Rot-Grün ist seit Joschka Fischers beturnschuhtem Amtseid ein bewährtes Erfolgsmodell. Das zeigt sich wieder in NRW.
Eigenverantwortlichkeit ist auch den Grünen nicht fremd
Aber auch die schwarz-grüne Perspektive war viel früher vorhanden, als es heute scheint. Bei Umweltthemen und in der Atomfrage gab es schon immer Anknüpfungspunkte für eine regionale Zusammenarbeit. Ich habe in den frühen 80er-Jahren meine ersten Berührungsängste mit Teilen der CDU verloren, auch weil es sogar eine Arbeitsgruppe Christdemokraten gegen Atomkraft und dann ja Frau Süssmuth, Herrn von Weizsäcker und Klaus Töpfer gab. Nun, da sich ja auch die Frauenpolitik in den letzten Jahren enorm geändert hat und neue Politikertypen wie Ole von Beust, Angela Merkel und Ursula von der Leyen zentrale Positionen innehaben oder hatten, ist als einziges großes Hindernis zwischen Grünen und Union die Atompolitik geblieben.
Bündnisse mit der FDP, sprich Ampel und Jamaika, sind nicht so wahrscheinlich wie noch vor ein paar Jahren, als die FDP noch nicht so extrem neoliberale Töne von sich gab und sich nicht so dreist und stur für längere Laufzeiten für Atomkraftwerke einsetzte. Die FDP muss von dem neoliberalen Denken wegkommen und sich auf die Rolle einer 8-Prozent-Partei beschränken. Sie muss wirtschaftspolitisch den Mittelstand als ein Rückgrat der wirtschaftlichen Stabilität in Deutschland fördern und die gewerkschafts- und mindestlohnfeindliche Rhetorik einstellen. Weniger Westerwelle, mehr Hamm-Brücher, Baum und Hirsch: Dann gibt es eine Chance, dass FDP und die Grünen gemeinsam Politik gestalten. Das Konzept der Eigenverantwortlichkeit als Grundlage einer freien und offenen Gesellschaft ist den Grünen jedenfalls nicht fremd, wie die Mitnominierung Joachim Gaucks für das Amt des Bundespräsidenten gezeigt hat.
Die Linkspartei ist ohne Reformen nicht koalitionsfähig
Die Linkspartei wird vor allem in den neuen Bundesländern eine Dauerkonkurrenz bleiben, da dort die Erwerbslosigkeit höher ist. Auch ist die Linkspartei, die ja das Etikett “links” durch Anmaßung und Hochstapelei einfach gekapert und monopolisiert hat, eine Art Identitätshafen für ehemalige DDRler, ehemalige Linkssektierer im Westen, Stamokap-Gewerkschafter und sich rächen wollende linke SPDler geworden. Sie hat einige gute Fachleute – einige machen solide Kommunal- und Landespolitik – und das Ökologieprogramm könnte weitgehend einfach von den Grünen abgeschrieben worden sein. Wenn die Linkspartei endlich auf ihre internen ReformerInnen hören würde und sich nicht allein von Lafontaine, Wagenknecht und Dehm bestimmen ließe, wären auch auf Landesebene rot-rot-grüne Bündnisse vorstellbar. Doch das wird nie das einzige Bündniskonzept der Grünen sein.



















Liebe Frau Quistrop. Die Grünen sind Heute da angelangt, wo ihre Gründerväter nie hinwollten.Ob Nato-Doppelbeschluss, Gorleben, Wackersdorf,Startbahn-West uvm, sie konnten Massen mobilisieren um vereint zu demonstrieren. Und Heute? Nicht mal Parteiintern sind sie sich sicher ob und wie man gegen die geplante Laufzeitverlängerung von AKWs vorgehen soll,müssen sie doch Rücksicht auf eingegangene Koalitionen nehmen, lassen sie die, die ihre Transparente schon im Keller ihres Einfamilienhäuschens gefertigt haben im stich, mit Rücksicht auf den Koalitionspartner.Mal ganz offen, was kam in den letzten Jahren von den Grünen?Eine Sparlampe die so giftig ist das sie als Sondermüll zählen müsste, ein Subventionsprogram für alternative Energie das mehr bremst als fördert, das Duale Systhem das am Ende ist und das Dulden von Gesetzen, angefangen von Harz4 bis zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Eine Beachtliche Bilanz der Grünen im Bundestag die sich auch auf das Europaparlament nahtlos übertragen lässt.Eine Frage hätte ich da noch im Hinblick zu ihrer Ausage zu den LINKEN. Sie sind Jahrgang 1945, waren sie auch bei den Demonstranten in den 60ern dabei als es darum ging in Israel in Abwesenheit verurteilte Kriegsverbrecher aus der CDU/CSU Regierung Adenauers zu entfernen die auf Ministerposten sasen?
Die Grünen kennen scheinbar nur noch ein Thema…schade. Für mich, für den neben der Anti-Atomkraft noch andere Themen wichtig sind und der sich nicht so sehr um gesunde Kühe und Bionade für alle schert, für den ist die Grüne-FDP schon lange keine Option zur Wahl mehr. Dann doch lieber die Träumer und Spinner der Linken.
Ich denke, es geht um die Modernisierung eines Staates, in dem die bisherige politische Kaste der Volksparteien plus FDP die Regeln nach ihrem Gusto und zu ihren Gunsten interpretiert und zurecht gebogen hat.
Nach meinem Eindruck sind weder die zu diktatorischem Auftreten neigenden (Ex-)Ministerpräsidenten der SPD noch die im Dunkeln munkelnden legalistischen (Ex-)Ministerpräsidenten der Union willens und in der Lage, diese unbedingt notwendige Modernisierung in die Wege zu leiten – geschweige denn zu leisten!
Und ich schließe da auch deren Gefolge mit ein.
Ich kann jedenfalls diese wandelnden Textbausteine nicht mehr sehen und nicht mehr hören! Der Krug geht halt so lange zum Brunnen, bis er (er-)bricht!
Einzig Heiner Geißler scheint erkannt zu haben, dass das politische und das gesetzliche Regelwerk dringend an den tatsächlichen Fortschritt angepasst werden muss!
Und dieser Fortschritt zeigt sich natürlich nicht in sündhaft teuren Prunk- und Protzbauten, sondern eher in der Geschwindigkeit, mit der heute Wissen und Informationen wachsen, sich verbreiten und revidiert werden!
Wer da legalistisch auf uralten Planfeststellungsbeschlüssen herumreitet, hemmt letztlich den Fortschritt, den er zu vertreten behauptet!