Ein Dummkopf sollte nicht zu viel Raum einnehmen. Bei gleicher Geistlosigkeit kommt es auf den Unterschied der Körperfülle an. Karl Kraus

Verbraucherschützer warnen: Betrüger werden immer kreativer

Mit der sukzessiv fortschreitenden Digitalisierung steigt auch die Zahl krimineller Vorfälle im Internet. Häufig nutzen die Betrüger die Unwissenheit ihrer Opfer aus, um sich illegal zu bereichern. Verbraucherschützer bemühen sich um Aufklärung. Doch die immer kreativeren und dreisteren Einfälle von Kriminellen versetzen auch Experten ins Staunen.

Dass Kriminelle nicht erfinderisch sind, kann nicht behauptet werden. Doch Einfallsreichtum ist allem Anschein nach zwingend notwendig, um als Krimineller im World Wide Web erfolgreich sein zu können. Denn selbst unerfahrene Internetnutzer sind mittlerweile auf der Hut und wissen ob der Gefahr, die im Netz auf sie lauert. Kriminelle versuchen immer häufiger, an persönliche Datensätze zu gelangen, mit denen sie dann unter Angabe falscher Daten groß Kasse machen können.

Verbraucher wundern sich dann nur allzu häufig, weswegen urplötzlich Geld auf dem Konto fehlt oder Rechnungen für Bestellungen bei Online-Shops ins Haus flattern, bei denen sie selbst noch nie eingekauft haben. Das Sammelsurium an unseriösen Offerten ist mit den Tricks zum Identitätsdiebstahl aber noch längst nicht ausgeschöpft.

Dubiose Anbieter

Auch dubiose Internet-Angebote führen immer wieder dazu, dass Verbraucher in die Kostenfalle tappen. „Manchen wurden nicht nur zwei bis drei SIM-Karten mit einer Laufzeit von 24 Monaten und monatlichen Kosten von 60 Euro angedreht, sie erhielten auch ohne Bonitätsabfrage einen Kredit in Höhe von 1.000 Euro – können der Rückzahlungsverpflichtung aber gar nicht nachkommen, "so der Pressesprecher von smava.de.

Allerdings gibt es Mittel und Wege, sich selbst gegen die dreistesten Versuche der Diebe zur Wehr zu setzen. Achtsamkeit und das Befolgen der wichtigsten Sicherheitsregeln im Internet genügen in der Regel, um Kriminellen nicht in die Falle zu tappen.

Dazu gehört es natürlich auch, etwaige Angebote, beispielsweise von Krediten, zu überprüfen. Wer seinen Nettokreditbetrag, die Laufzeit und den effektiven Jahreszinssatz kennt, der kann zum Beispiel mit einem Kredit-Rechner ausrechnen, welcher Zinsaufwand und welche Kreditkosten insgesamt auf ihn zukommen. Doch neben offensichtlicher Abzocke gibt es noch viel dreistere und vor allem weniger offensichtliche Fallen.

Sicherheitstipps für das Netz: Hier lauern die größten Gefahren

Fakt ist, dass die meisten PCs bzw. Betriebssysteme mittlerweile so gut ausgerüstet sind, dass diese vor den Gefahren aus dem Internet gut schützen. Fakt ist deswegen aber auch, dass es meist auf menschliches Versagen zurückzuführen ist, wenn es Täter schaffen, einen PC zu infiltrieren und an Datensätze zu gelangen, zu denen sie andernfalls keinen Zugang hätten.

Dabei kann der Schutz der Privatsphäre relativ einfach sein, solange man beim Versenden und Öffnen von Nachrichten, beim Surfen auf Websites, bei Zahlungsvorgängen und allgemein bei den Internet-Sicherheitsmaßnahmen die richtigen Entscheidungen und Vorkehrungen trifft. Wir fassen die wichtigsten Maßnahmen zusammen:

Tipp 1: Der Passwortschutz

Die meisten Menschen benutzen ein und dasselbe Passwort für alle ihre Konten, bei Amazon und eBay, für ihr E-Mail-Konto und sogar für ihren Online-Banking-Account. Dass dies mit extremen Folgen verbunden sein kann, wenn das Passwort in falsche Hände gerät, dürfte klar sein. Das beliebteste Passwort ist übrigens „123456“, dicht gefolgt von „Passwort“. Das ist nicht sonderlich einfallsreich und auch Hackern bekannt. Deswegen sollten sichere Passwörter folgende Eigenschaften besitzen:

• Sich aus einer zufälligen Buchstaben- und Zahlenkombination zusammensetzen
• Sonderzeichen beinhalten
• Mindestens zehn Zeichen lang sein

Wichtig ist ebenfalls, dass im Passwort keine persönlichen Informationen vorhanden sind. Das Geburtsdatum, der Wohnort oder Namen haben in sicheren Passwörtern nichts verloren.

Tipp 2: Antivirensoftware installieren und updaten

Antivirenprogramme mit integrierter Firewall und Virenscanner sind für die persönliche Sicherheit im Netz unabdingbar. Sie basieren entweder auf einer reaktiven oder proaktiven Methode, d.h. sie nutzen entweder die Erkenntnisse bereits bestehender Schadsoftware oder laufen im Hintergrund und versuchen potentielle Gefahren zu erkennen.

Wer ein Windows-System besitzt, sollte sich mit zusätzlichem Schutz eindecken, denn in den aktuellen Tests schneidet der von Windows mitgelieferte „Defender“ nicht sonderlich gut ab. Für den einfachen Schutz genügen zwar kostenlose Programme, wer allerdings auch beim Online-Banking und Co. geschützt sein will, sollte sich eine kostenpflichtige Antiviren-Software zulegen. Diese kostet zwischen 17 und 55 pro Jahr. Und hier die besten Antivirusprogramme aus dem AV-Test:

Das sind die besten Antivirusprogramme auf dem Markt. Bildquelle: av-test.org

Tipp 3: Daten verschlüsseln und anonym surfen

Mittlerweile werden fast alle wichtigen Informationen über Personen und auch Dokumente auf der Festplatte des PCs bzw. des Laptops gespeichert. Deswegen ist es ratsam, anonym im Internet zu surfen, wobei anonyme und verschlüsselte Kommunikation nicht verwechselt werden sollten. Kurzum: Wer anonym surft, kann seine Identität verbergen, dies ist beispielsweise über die Nutzung des Tor-Netzwerks möglich. Was er allerdings kommuniziert, kann dadurch nur bedingt geheim gehalten werden.

Möchte man hingegen sicherstellen, dass die Kommunikation selbst für Dritte unsichtbar bleibt, muss man zur Verschlüsselung greifen. Ein Beispiel hierfür ist die bekannte „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“, wie sie unter anderem vom Messenger WhatsApp eingesetzt wird. Hier können also einzig und allein die gewünschten Gesprächspartner auf die Kommunikationsinhalte zugreifen. Die Facebook-Tochter sammelt hingegen die Meta-Daten, weiß also, wer wann und mit wem schreibt. Hier kommuniziert man verschlüsselt, aber eben nicht anonym.

Tipp 4: Keine Mails und Links von unbekannter Quelle öffnen

Links gehören zum Internet ganz einfach dazu. Die Vernetzung ist wichtig, beispielsweise auch für Google, um andere Webseiten, die neu sind, in den Google-Index aufzunehmen. Für Personen können Links aber auch gefährlich werden, wenn diese auf verseuchte Seiten verweisen, auf denen man sich schnell einen Trojaner ins System holt. Deswegen sollte man grundsätzlich keine unbekannten Links öffnen bzw. vorher prüfen, auf welche Seite der Link führt. Denn nicht immer stimmen Linktext und Zielseite überein. Wer dies überprüfen möchte, fährt mit seinem Mauscursor einfach über den Link, dann wird die Zielseite angezeigt.

Doch auch in der privaten Kommunikation lauern Fallen. Für Betrüger ist es sehr einfach, an E-Mail-Adressen zu gelangen, weswegen immer häufiger Phishing-Mails im elektronischen Briefkasten landen. Diese verschleiern ihre wahre Identität häufig durch die Angabe falscher Daten, geben als Absender große Banken oder Zahlungsanbieter wie PayPal an. Dann fordern sie auf, auf Fake-Seiten persönliche Datensätze anzugeben, die Kriminelle dann auslesen und fortan missbrauchen können.

Infografik über Maßnahmen bei Identitätsdiebstahl
Wer Opfer einer Phishing-Attacke wurde und wem seine Identität gestohlen wurde, der sollte schleunigst Gegenmaßnahmen ergreifen.

Grundsätzlich sollten übrigens keine Dateianhänge von E-Mails geöffnet werden, wenn man dem Absender nicht vertraut bzw. diesen gar nicht kennt. Hinter Word- und Zip-Dateien verstecken sich meist Schadprogramme, die das System infizieren und fortan als Spionagesoftware fungieren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte auch in diesen Fällen sein Antivirusprogramm starten, um weiterhin auf der geschützten Seite zu sein.

Bildquelle: David Evison – 115174897 / Shutterstock.com

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